6. Januar 2026, 14:25 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
In welchen Städten Europas fühlen sich die Menschen besonders unsicher? Wo besteht die größte Angst, überfallen zu werden? Und wo verlassen die Bewohner nachts nur ungern ihr Haus? All diesen Fragen gehen die Betreiber der Datenbank „Numbeo“ in einer großen Umfrage nach und erstellen daraus regelmäßig einen Crime Index, der die gefährlichsten Städte Europas abbildet. Das Ranking im Überblick.
Numbeo, eine auf User-Informationen basierende globale Datenbank, hat den Crime Index 2026 veröffentlicht. Dafür werden fortlaufend Menschen zu ihrem persönlichen Sicherheitsempfinden befragt. Das Ranking wird anhand mehrerer Kriterien erstellt und basiert ausschließlich auf den subjektiven Wahrnehmungen der Umfrageteilnehmer. Insofern sollten die Ergebnisse mit Vorsicht betrachtet werden – dazu unten mehr.
So hat Numbeo zum Beispiel nach der Sorge vor Überfällen und Einbrüchen gefragt, ebenso wie nach Drogenproblemen in der jeweiligen Stadt. Ebenfalls abgefragt wurde, ob man befürchte, wegen der Hautfarbe, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts oder der Religion körperlich angegriffen zu werden. Nach eigenen Angaben werden nur jene Städte mit in das Ranking aufgenommen, für die es genügend Umfrageteilnehmer gibt.
Im weltweiten Ranking ergab der Index, dass Pietermaritzburg in Südafrika die weltweit gefährlichste Stadt ist. Der errechnete Kriminalitätsindex liegt dort mit 82,8 so hoch wie nirgendwo anders. Aber wie sieht es in Europa aus? Welche Städte werden hier als besonders gefährlich empfunden? TRAVELBOOK zeigt die laut dem Ranking von Numbeo zehn gefährlichsten Städte in Europa.
Übersicht
Die gefährlichsten Städte Europas laut Crime Index
Auf Platz 1 der gefährlichsten Städte in Europa landete in der Bilanz 2026 von Numbeo erneut die südfranzösische Hafenstadt Marseille. Der Kriminalitätsindex von Marseille liegt demnach bei 66,7, was als hoch gilt. Vor allem die Probleme im Zusammenhang mit Drogenkonsum und -handel werden als hoch eingeschätzt; ebenso die Angst vor Vandalismus und Diebstahl, vor Gewaltdelikten, Korruption und Bestechung. Viele Befragte gaben zudem an, ungern nachts allein durch Marseille zu laufen. Und selbst das Sicherheitsgefühl bei Spaziergängen durch die Stadt am Tag wurde lediglich als „mäßig“ eingestuft.
Die Umfrageergebnisse von Numbeo decken sich mit einem Bericht von „Spiegel Online“, wonach sich in Marseille die Probleme mit dem Drogenhandel und Bandenkriegen immer weiter verschärfen. Allein 2023 seien in Frankreichs zweitgrößter Stadt fast 50 Menschen bei Vorfällen im Drogenmilieu ums Leben gekommen, darunter mehrere Minderjährige und Unbeteiligte.
Marseille ist schön – wenn man in den richtigen Gebieten bleibt
„Als ich in Marseille war, habe ich mich sofort in die französische Hafenstadt verliebt – unter anderem wegen des wunderschönen Nationalparks Calanques, der direkt nebenan liegt. Allerdings muss ich auch zugeben, dass mir in Marseille sehr viele Obdachlose aufgefallen sind und einige Gebiete wirklich unsicher wirken. So bin ich etwa an einem Abend mit meinem Freund vom Palais Longchamp zu einem Restaurant im Viertel Arenc zu Fuß gelaufen, was zwar zunächst wie eine gute Idee wirkte, sich aber als das Gegenteil herausstellte. Wir liefen durch verdreckte Seitenstraßen mit schäbigen Hinterhöfen, vorbei an zahlreichen mysteriösen Gestalten und mehreren Prostituierten inklusive Freiern. Ich war wirklich froh, als Frau nicht allein hier unterwegs zu sein. Allerdings blieb es während unserer Zeit in Marseille bei dieser einen Erfahrung. Ein entspannter Urlaub ist also absolut möglich – man muss nur wissen, welche Gebiete man meiden sollte.“
England auf Platz 2 und 3
Die zweitgefährlichste Stadt Europas nach Marseille ist laut Numbeo Birmingham in England. Der Kriminalitätsindex in der nach London zweitgrößten Stadt des Landes liegt demnach bei 63,8, also nur knapp unter dem von Marseille. Und auch Platz drei des unrühmlichen Rankings geht nach UK: Coventry erreichte einen Index von 62,7 und weist damit ebenfalls ein hohes Sicherheitsrisiko auf. Insgesamt sind Frankreich und England überdurchschnittlich oft in der Top 10 der gefährlichsten Städte Europas vertreten – Frankreich fünfmal und England dreimal.
Die weiteren Ergebnisse im Numbeo-Ranking
Auch zwei deutsche Metropolen finden sich in der Top 50 der gefährlichsten Städte Europas: Bremen auf Platz 40 und Hannover auf Platz 49. Frankfurt am Main, das im Ranking von 2024 noch auf Platz 41 rangierte und damit damals die gefährlichste deutsche Stadt laut Numbeo war, befindet sich im Index 2026 außerhalb der Top 50 auf Platz 54 – und schneidet damit sogar ein wenig besser ab als die deutsche Hauptstadt Berlin (Platz 53).
Das ist die gefährlichste Stadt der Welt
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Ranking: Die 10 gefährlichsten Städte in Europa
- Marseille, Frankreich
- Birmingham, England
- Coventry, England
- Grenoble, Frankreich
- Neapel, Italien
- Montpellier, Frankreich
- Lyon, Frankreich
- Bradford, England
- Nantes, Frankreich
- Lüttich, Belgien
Kritik an der Methodik von Numbeo
Die Daten von Numbeo sind mit Vorsicht zu genießen. Weltweit kann jeder die Datenbank mit Informationen füllen. Zwar gibt Numbeo an, die Umfragen zu filtern, um potenziellen Missbrauch zu verhindern, z. B. Personen, die eine große Menge an Daten eingeben, die sich vom Mittelwert unterscheiden. Dennoch sind die Daten insgesamt nicht überprüfbar.
Zudem stellt sich die Frage, warum in dem Kriminalitätsindex nicht auch offizielle Daten zu Verbrechensfällen in den jeweiligen Städten abgefragt wurden. Hierzu schreibt Numbeo: „In einigen Ländern erheben Regierungen detaillierte Kriminalitätsstatistiken auf der Grundlage der Anzahl gemeldeter Straftaten pro Kopf. Während diese Statistiken häufig zuverlässig sind, um Kriminalitätsraten zwischen Städten innerhalb desselben Landes zu vergleichen, eignen sie sich für länderübergreifende Vergleiche möglicherweise weniger.“ So seien in manchen Ländern Menschen eher bereit, Straftaten anzuzeigen als in anderen, einige staatliche Institutionen könnten Kriminalitätsdaten aus politischen oder gesellschaftlichen Gründen verändern oder zu niedrig ansetzen, oder offizielle Kriminalitätsstatistiken könnten in bestimmten Regionen unvollständig sein oder ganz fehlen.