3. Februar 2026, 16:31 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Die Sicherheit vor Ort ist für viele Urlauber ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl des Reiseziels. Offizielle Kriminalitätsstatistiken bieten dabei eine Orientierung. Doch auch der subjektive Eindruck von Einheimischen oder Menschen, die längere Zeit in einer Stadt gelebt haben – etwa aus beruflichen Gründen – kann wertvolle Hinweise darauf geben, wie sicher ein Ort tatsächlich empfunden wird. Genau solche Wahrnehmungen sammelt die Online-Datenbank Numbeo und erstellt daraus in unregelmäßigen Abständen Rankings der gefährlichsten Städte der Welt. Platz 1 ist dabei ein unrühmlicher Neuzugang: Die Stadt war in den Umfragen der vergangenen Jahre noch nicht aufgeführt. TRAVELBOOK ordnet die aktuelle Lage ein.
Mit der beschriebenen Methodik geht natürlich eine gewisse Einschränkung der Aussagekraft einher. Numbeo ermittelt mithilfe von User-Umfragen das subjektive Sicherheitsempfinden seiner registrierten Nutzer. Das Ranking basiert somit auf persönlichen Wahrnehmungen – es erhebt keinen Anspruch darauf, behördlich bestätigte Kriminalitätszahlen abzubilden. Dennoch kann es natürlich – etwa für Reisende oder bei geplanten Langzeitaufenthalten – als Orientierungshilfe dienen.
TRAVELBOOK berichtete kürzlich bereits über den aktuellen Kriminalitäts-Index von Numbeo mit Fokus auf die demnach gefährlichsten Städte Europas (hier), wobei die Schwächen der Erhebungsmethodik ausführlicher eingeordnet wurden. Im Folgenden geht es nun um die weltweiten Ergebnisse, und speziell um Platz 1: die demnach gefährlichste Stadt der Welt.
Eckdaten zu den gerankten Städten
Bei der Befragung wurden verschiedene Kriterien berücksichtigt, darunter die Sorge vor Überfällen und Einbrüchen, Drogenproblemen und Rassismus sowie die Wahrnehmung von Problemen mit Korruption und Bestechung. Weiterhin ermittelte Numbeo, ob man befürchte, wegen der eigenen Hautfarbe, ethnischen Herkunft, des Geschlechts oder der Religion körperlich angegriffen zu werden. Jede Übereinstimmung wurde bei der Erstellung des Rankings mit Punkten versehen. 2 steht dabei für eine stark negative Einschätzung und + 2 für eine stark positive, erklären die Verantwortlichen im Kleingedruckten. Daraus errechneten sie eine Gesamtzahl, sodass sich die gerankten Städte auf einer Punkteskala von 0 – 100 wiederfinden.
Falls Sie unter den gefährlichsten Städten der Welt gleich bestimmte vermissen sollten, hier noch einige wichtige Informationen zum Berücksichtigungsverfahren beim aktuellen Ranking. Es wurden etwa nur Städte mit mindestens 300.000 Einwohnern aufgenommen, in denen zum Zeitpunkt der Datenerhebung kein Krieg herrschte. Und von diesen wiederum nur solche, für die es genügend Umfrageteilnehmer gibt.
Die gefährlichste Stadt der Welt: Pietermaritzburg
Die südafrikanische Stadt Pietermaritzburg belegt Platz 1 des Gefährlichkeits-Rankings. Viele Einwohner und Langzeitaufenthalter nehmen die Sicherheit vor Ort als sehr gering wahr. Im aktuellen Index erreicht die Stadt einen Wert von über 82 Punkten. Dies ist besonders interessant, da Pietermaritzburg in den Umfragen der vergangenen Jahre noch nicht einmal erwähnt wurde. Die Situation muss sich zumindest in der subjektiven Wahrnehmung also stark verschärft haben. Laut Umfragen ist die Sorge vor Gewalt- und Eigentumsdelikten, Drogenproblemen sowie einer allgemeinen Unsicherheit im Alltag besonders ausgeprägt.
Dabei sei nochmals betont, dass diese Einschätzung nicht zwangsläufig die amtliche Kriminalitätslage widerspiegelt. Aber: Sie deckt sich mit bekannten strukturellen Problemen vieler südafrikanischer Städte. Soziale Ungleichheit, hohe Arbeitslosigkeit und Armut gelten als häufige Ursachen für Kriminalität – Faktoren, die auch außerhalb von Pietermaritzburg zu beobachten sind. Selbst dann, wenn offizielle Statistiken nicht immer ein ebenso alarmierendes Bild zeichnen.
Passend zu dem Beschriebenen folgt auf Platz 2 Pretoria, die Verwaltungshauptstadt Südafrikas. Auch hier nehmen viele Einwohner und Langzeitaufenthalter die Sicherheitslage als äußerst angespannt wahr. Mit einem Kriminalitätsindex von 81,78 Punkten liegt Pretoria nur knapp hinter Pietermaritzburg. Laut Umfragen ist die Sorge vor Gewalt- und Eigentumsdelikten wie Raubüberfällen, Einbrüchen und Autodiebstahl besonders hoch. Zudem werden Probleme mit Drogenkriminalität sowie ein geringes Sicherheitsgefühl nach Einbruch der Dunkelheit häufig genannt.
Caracas ebenfalls in der Spitzengruppe des Rankings
Die venezolanische Hauptstadt Caracas erreicht im aktuellen Numbeo-Index einen Kriminalitätswert von rund 81 Punkten – sie zählt damit weiterhin zu den Städten mit der weltweit höchsten wahrgenommenen Unsicherheit. Viele Befragte geben an, dass Gewalt- und Eigentumsdelikte im Alltag allgegenwärtig seien. Besonders hoch ist die Sorge vor bewaffneten Überfällen, Raub und Diebstahl sowie vor allgemeiner Gewalt im öffentlichen Raum. Auch das Sicherheitsgefühl nach Einbruch der Dunkelheit wird überwiegend als sehr gering eingeschätzt.
Dieser Eindruck deckt sich mit den Einschätzungen offizieller Stellen. So warnt das Auswärtige Amt seit Jahren vor Reisen nach Venezuela – und seit Anfang 2026 besonders eindringlich. Grund dafür war eine militärische Eskalation in Caracas und weiteren Regionen, die unter anderem mit Luftschlägen und einem Machtwechsel an der Spitze des Landes verbunden war. Richtig ist, das dies keinen direkte Auswirkung auf das Numbeo-Ranking hatte, da es ausschließlich auf dem subjektiven Sicherheitsempfinden registrierter Nutzer beruht, welches zudem zu einem früheren Erhebungszeitpunkt abgefragt wurde. Doch unabhängig davon bestehen in Caracas und anderen Regionen Venezuelas nach wie vor reale Risiken durch Straßenkriminalität, Überfälle oder Entführungen, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stark prägen.
Die 20 gefährlichsten Städte der Welt als Liste
- 1. Pietermaritzburg, Südafrika (82,81)
- 2. Pretoria, Südafrika (81,78)
- 3. Caracas, Venezuela (81,39)
- 4. Port Moresby, Papua-Neuguinea (81,26)
- 5. Johannesburg, Südafrika (80,83)
- 6. Durban, Südafrika (80,43)
- 7. San Pedro Sula, Honduras (79,36)
- 8. Port Elizabeth, Südafrika (78,56)
- 9. Memphis, Tennessee, USA (78,54)
- 10. Salvador, Brasilien (76,50)
- 11. Port of Spain, Trinidad und Tobago (76,44)
- 12. Fortaleza, Brasilien (75,85)
- 13. Rio de Janeiro, Brasilien (75,17)
- 14. Recife, Brasilien (74,89)
- 15. Guayaquil, Ecuador (74,39)
- 16. Kapstadt, Südafrika (73,65)
- 17. Detroit, Michigan, USA (72,78)
- 18. Cali, Kolumbien (72,05)
- 19. Baltimore, Maryland, USA (72,01)
- 20. Tijuana, Mexiko (71,47)
Das ist die gefährlichste Stadt Europas
Die 20 europäischen Städte mit der höchsten Lebensqualität
So schneidet Deutschland im Ranking ab
Auch deutsche Städte sind im weltweiten Numbeo-Ranking vertreten, wenn auch deutlich weiter hinten als viele Metropolen in Südamerika, Afrika oder Nordamerika. Bremen weist dabei mit 47,09 Punkten den höchsten Kriminalitätsindex auf und findet sich damit auf Platz 181 des Rankings ein (insgesamt sind 400 Städte aufgeführt). Offizielle Zahlen bestätigen das Bild. Laut Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurden in Bremen im Jahr 2024 pro 100.000 Einwohner 15.424 Straftaten verzeichnet – der höchste Wert in Deutschland (weitere Informationen dazu finden Sie hier).
Auf den weiteren Plätzen folgen Hannover (45,07), Köln (44,66) und Berlin (44,51). Frankfurt am Main, das allgemein als Stadt mit hoher Kriminalitätsrate gilt, konnte sich den Umfrageergebnissen zufolge zumindest in der subjektiven Wahrnehmung verbessern und liegt hinter den genannten Städten. TRAVELBOOK hat ein zusätzliches Ranking für die deutschen Städte in der Liste erstellt.
Die gefährlichsten deutschen Städte in der Übersicht
- 1. Bremen (47,09)
- 2. Hannover (45,07)
- 3. Köln (44,66)
- 4. Berlin (44,51)
- 5. Frankfurt am Main (44,49)
- 6. Düsseldorf (32,68)
- 7. Freiburg im Breisgau (32,31)
- 8. Nürnberg (30,03)
- 9. Stuttgart (30,03)
- 10. Dresden (29,81)
- 12. München (21,13)
Gründe für Numbeos Methodik
Wie nun bereits öfter erklärt, handelt es sich keinesfalls um eine Sammlung offizieller, zuverlässiger Informationen. Jeder kann die Datenbank mit Informationen füllen. Zwar gibt Numbeo an, die Umfragen zu filtern, um potenziellen Missbrauch zu verhindern. Doch das ändert nichts daran, dass keine offiziellen Daten zu Verbrechensfällen in den jeweiligen Städten abgefragt werden. Als Begründung hierfür schreibt Numbeo, dass in einigen Ländern die Bereitschaft von Menschen, Verbrechen zu melden, viel größer sei als in anderen. Und weiter: „Daten könnten von staatlichen Institutionen gefälscht werden“, und zudem seien für weite Teile der Welt keine verfügbar.
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