10. September 2025, 15:05 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Die Population der Koalas beschränkt sich auf Australien – doch auch hier ist sie inzwischen stark bedroht. Im Bundesstaat New South Wales wird nun der „Great Koala Nationalpark“ eröffnen, der Koalas und weitere bedrohte Tierarten schützen soll. Die Abholzung gilt in dem Gebiet als verboten. TRAVELBOOK gibt Hintergründe zum neu errichteten Nationalpark und Kommentare von Regierung und Umweltorganisationen.
Australiens bevölkerungsstärkster Bundesstaat New South Wales errichtet zwischen Coffs Harbour und Kempsey einen Nationalpark für Koalas. Seit dem 8. September 2025 ist in diesem Gebiet bereits die Abholzung verboten. Auf 176.000 Hektar sollen mehr als 12.000 Koalas, 36.000 Riesengleitbeutler und über 100 weitere bedrohte Tierarten Platz finden. Mit der Erweiterung der umliegenden Nationalparks liegt die gesamte Größe bei 476.000 Hektar. 2023 hatte die Regierung des Bundesstaates das Projekt bereits angekündigt.
Koalas in freier Wildbahn bedroht
Der Premierminister von New South Wales, Chris Minns, äußert sich in der offiziellen Ankündigung des Nationalparks besorgt: „Koalas sind in New South Wales in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht – das ist kaum vorstellbar.“ Ohne Eingreifen droht die Spezies bis 2050 vollständig auszusterben. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten noch Millionen von Koalas in der Wildnis. Wegen ihres Felles fielen sie zum Jagdopfer. Der Rückgang ist enorm: Derzeit wird die Population auf ungefähr 60.000 geschätzt. Zwischen 2000 und 2020 hat sich die Zahl der Koalas in New South Wales laut Umweltorganisation WWF bereits halbiert. Gründe hierfür sind vor allem Abholzung, Dürren, Krankheiten, Buschfeuer oder Verkehrsunfälle.
Auch das im Sommer 2019 ausgebrochene Buschfeuer, genannt der „schwarze Sommer“, tötete, verletzte, vertrieb oder traumatisierte mehr als 60.000 Koalas. 140 Millionen Australische Dollar (78,3 Millionen Euro) wurden nun bereitgestellt, um die Existenz der Koalas zu sichern. Weitere sechs Millionen Euro fließen in die Unterstützung von Tourismus und kleinere Unternehmen.
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Zwischen Naturschutz und Gewerkschaftskritik
Gewerkschaften kritisieren das Ausmaß des Nationalparks, da dieser zur Schließung von sechs Holzfabriken und Entlassung von 300 Beschäftigten führt. Sie plädieren für eine bessere Variante, um Umweltschutz mit überlebensfähiger Holzindustrie zu vereinen. Der Regierungschef von New South Wales meldet sich zu Wort: „Wir haben aufmerksam zugehört und stellen sicher, dass Arbeitnehmer, Unternehmen und Gemeinden bei jedem Schritt unterstützt werden.“ Auch Agrarministerin Tara Marioarty stellt klar, dass die Priorität der Regierung darin besteht, „die betroffenen Arbeitnehmer während dieser großen Veränderung umfassend mit Zahlungen und Dienstleistungen zu unterstützen“. Die Eröffnung des Koala-Nationalparks ist auch angesichts des Klimawandels von Relevanz, denn Eukalyptuswälder gelten als wichtiger Rückzugsort für Koalas bei erwarteter Erwärmung um 2,5–3 Grad bis 2100. CEO von WWF-Australien, Dermot O’Gorman, unterstreicht: „Koalas prägen die australischen Wälder. Wenn wir die Koalas retten können, können wir auch Tausende anderer Arten und die Bäume, die sie ihr Zuhause nennen, retten.“
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Ausgangspunkt für Naturliebhaber
Der Park soll auch als Touristenattraktion profitabel werden. Gerechnet wird mit
163 Millionen Australischen Dollar (91 Millionen Euro) zusätzlichen Tourismuseinnahmen. Ein breites Spektrum an Nutzungsmöglichkeiten wird im Freien umgesetzt, wofür verbesserte Campingplätze und Wanderwege bereitstehen. Damit wird sichergestellt, dass der Great Koala Nationalpark der Region wirtschaftliche, touristische und soziale Vorteile bringt. Die Umweltministerin von New South Wales, Penny Shape, betont, dass es sich um ein „echtes Geschenk für unsere Enkelkinder“ handelt, „damit sie Koalas in freier Wildbahn erleben können“. Diese Wälder seien für die Tiere enorm wichtig – und gehören zu den weltweit wichtigsten Biodiversitäts-Hotspots.

