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Autorin erzählt

„Warum ich Antalya kein zweites Mal besuchen werde“

Antalya
Der alte Hafen ist eines der Highlights von Antalya – aber auch er schaffte es nicht, unsere Autorin von der türkischen Stadt zu überzeugenFoto: Getty Images / privat / Collage TRAVELBOOK

TRAVELBOOK-Autorin Sonja Koller war im Spätsommer in Antalya und versteht nicht, warum deutsche Urlauber einfach nicht genug von der Stadt an der türkischen Küste bekommen können. Bei ihr hielt die Begeisterung nur wenige Stunden. Ein subjektiver Erfahrungsbericht.

Jahrelang war eines der letzten Dinge, die ich gesehen habe, bevor ich eingeschlafen bin, Antalya. Eine Schulfreundin hatte mir aus dem türkischen Urlaubsort eine Postkarte geschickt, die ich neben dem Bett meines Kinderzimmers aufgehängt habe. Seitdem wollte ich die Stadt im Süden der Türkei einmal selbst besuchen. In diesem Spätsommer war es endlich soweit. Doch als die Stadt meiner Träume stellte sich Antalya nicht heraus.

Antalya ist sehr touristisch

Schon vor der Ankunft in der Stadt, die als das türkische Tor zum Mittelmeer gilt, macht sich ein mulmiges Gefühl breit. Denn bei der Suche nach Unterkünften realisiere ich, dass diese nicht so preiswert sind, wie ich angenommen hatte. Schließlich finde ich ein Apartment für knapp 60 Euro pro Nacht, bei dem ich auch die Hoffnung habe, vielleicht Kontakt zu Einheimischen zu bekommen. Doch bei der Ankunft stellt sich heraus, dass alle Wohnungen des Hauses an Touristen vermietet werden. Mit meiner Reisebegleitung übernachte ich also in einem Hotel, das sich nicht offiziell so nennen will. Dass unser Zimmer deutlich unzureichend geputzt und die Waschmaschine nicht funktionstüchtig ist, versuchen wir zu ignorieren, und ziehen los, um die Stadt zu erkunden.

Doch schon nach den ersten Metern wird klar: Antalya ist extrem touristisch. Was hier an die Urlauber gebracht werden soll, hat kaum mit Geschmack oder Kultur zu tun. Es sind gefälschte Fußballshirts und Trainingshosen, Kappen und Billig-Schmuck. Jeder Laden bietet dasselbe an, liebevoll oder interessant wirkt das nicht. So sehe ich während meines Aufenthalts in Antalya auch kaum jemanden einen Laden betreten, geschweige denn etwas kaufen.

Auch kulinarisch ist nichts zu holen

Wer nach Antalya kommt, will meist die Altstadt sehen – zu Recht. Eigentlich. Denn die kleinen Gässchen, die sich durch das touristische Highlight runter zum alten Hafen schlängeln, sind zwar nett, aber auch hier reiht sich ein gesichtsloser Shop an den nächsten, dazwischen touristische Restaurants. Ist man am Hafen angekommen, stößt man nicht etwa auf kleine Fischer-, sondern vor allem auf große Partyboote, auf denen Touristen tagsüber feucht-fröhliche Entdeckungstouren machen können. Natürlich authentisch im Piratenschiff mit übergroßem Totenkopf am Bug.

Auch kulinarisch enttäuscht mich Antalya. Die Restaurants im Zentrum der Stadt wirken nicht so, als ob sie mit besonders viel Liebe betrieben würden. Gegessen wird auf Plastikstühlen, im Angebot sind Pizza, Burger oder Spaghetti. Gerichte, für die die ansonsten großartige türkische Küche (zurecht) nicht bekannt ist. In zwei verschiedenen Restaurants haben mein Freund und ich während unseres Aufenthalts die jeweils schlechtesten Gerichte unseres Lebens serviert bekommen. Lektion gelernt: Auch bei Nachos und Calamari kann man viel falsch machen.

Der Stadtstrand ist alles andere als paradiesisch

Für den Beachbody ist es vielleicht gar nicht so schlecht, unfreiwillig zu fasten. Damit er noch die perfekte Bräune abbekommt, gehts an den Stadtstrand Konyaaltı Plajları. Antalya ist bei Urlaubern vor allem deshalb beliebt, weil man hier einen Städtetrip mit Strandurlaub verbinden kann. Vielleicht kann mich Antalya ja doch noch von sich überzeugen. Aber schnell werden mir die Illusionen genommen.

Eigentlich ist die Natur rund um Antalya wirklich einmalig, hinter dem Strand baut sich ein beeindruckendes Bergmassiv auf. Blöd nur, dass den Sonnenanbetern die Sicht darauf von Hoteltürmen versperrt wird. Die Strandpromenade wird nämlich von Bettenburgen dominiert, modern oder cool wirkt keines der Hotels. Auch der Strand ist alles andere als idyllisch. Beim Konyaaltı Beach handelt es sich um einen Steinstrand, auf dem überall alte und schmutzige Liegestühle aus Plastik stehen, die wirken, als könnten sie jederzeit zusammenbrechen. Sogar die Schirme der dazugehörigen Bars wirken schäbig und ich bin froh, dass ich ein Handtuch mithabe. Dafür aber sind die Liegen hier so günstig wie selten in Europa: Für zwei Liegestühle plus Sonnenschirm zahlen wir fünf Euro.

Der Konyaalti Beach ist sieben Kilometer lang und damit der längste Strand der StadtFoto: dpa picture alliance

Wer vom Stadtzentrum aus die entgegengesetzte Richtung einschlägt, erreicht den Lara Beach. Da der Marsch allerdings drei Stunden dauert, sollten Urlauber den Weg mit einem Taxi zurücklegen. Obwohl es sich beim Lara Beach um einen Sandstrand handelt, wurde mir von einem Ausflug dorthin abgeraten. Denn die Strandidylle soll dort sogar von noch mehr von Ressorts überschattet werden, als es am Konyaaltı Beach der Fall ist. Nur ein kleiner Teil des Strandes ist für Urlauber zugänglich, die nicht in einem der Ressorts übernachten.

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Für wen ein Urlaub in Antalya das Richtige sein könnte

Natürlich ist Antalya nicht die einzige Stadt weltweit, die touristisch ist. Auch Orte wie Venedig, Santorini und manch thailändische Insel werden von Touristen überrannt und haben sich entsprechend entwickelt. Für mich persönlich aber war meine Erfahrung in Antalya besonders ernüchternd.

Hätte ich mich für eine Woche All-inclusive-Urlaub in einem Ressort entschieden, wäre das türkische „Tor zum Mittelmeer“ vielleicht die richtige Destination gewesen. Ich aber wollte die Stadt mit ihrer Kultur tiefgehender kennen – und bin daran gescheitert. Für Backpacker mit Abenteuerlust ist Antalya daher definitiv nicht das richtige Reiseziel. Aber auch Familien, die nach einer günstigen und sonnigen Urlaubsdestination suchen, würde ich empfehlen, nicht direkt in Antalya Stadt unterzukommen. Wer nur eine Stunde aus der Stadt rausfährt, ist in der Region Antalya und kann die Landschaft dort vermutlich mehr genießen.

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