Jardines del Humaya in Sinaloa

Die Protzgräber der mexikanischen Drogenbosse

Viele Mausoleen gleichen Kirchen, doch die Innenausstattung ist manchmal eher mit der einer modernen Villa vergleichbar
Viele Mausoleen gleichen Kirchen, doch die Innenausstattung ist manchmal eher mit der einer modernen Villa vergleichbar
Foto: Getty Images
„Joel, wir lieben dich sehr“, steht auf diesem Plakat auf dem Jardines del Humaya
„Joel, wir lieben dich sehr“, steht auf diesem Plakat auf dem Jardines del Humaya
Foto: Getty Images
Ständig werden neue Gräber auf dem Friedhof Jardines del Humaya ausgehoben
Ständig werden neue Gräber auf dem Friedhof Jardines del Humaya ausgehoben
Foto: Getty Images
Der Friedhof von Culiacán gleicht einer Stadt aus Kirchen. Am buntesten geht es hier am Tag der Toten und an Weihnachten zu.
Der Friedhof von Culiacán gleicht einer Stadt aus Kirchen. Am buntesten geht es hier am Tag der Toten und an Weihnachten zu.
Foto: Gladys Serrano

Auf dem Friedhof des berüchtigten Sinaloa-Kartells in Culiacán bauen sich die mexikanischen Drogenbosse noch zeitlebens ihre eigenen Luxusgräber. In den riesigen Mausoleen gibt es nicht nur überlebensgroße Porträts der Verbrecher, sondern auch Privatkinos, automatische Musikanlagen, Schlafzimmer und Einbauküchen. Die Familie soll schließlich standesgemäß trauern können.

Viele Mausoleen gleichen Kirchen, doch die Innenausstattung ist manchmal eher mit der einer modernen Villa vergleichbar
Viele Mausoleen gleichen Kirchen, doch die Innenausstattung ist manchmal eher mit der einer modernen Villa vergleichbar
Foto: Gladys Serrano

In Mexiko hat der Totenkult eine besondere Bedeutung. Im Gegensatz zur europäischen Trauerkultur wird das Ableben nicht als düstere, möglichst lang auszublendende Katastrophe betrachtet, sondern als wichtiger Teil des Lebens mit ebenso bunten wie verrückten Festen gefeiert.

Auch interessant: Die irre Geschichte von Billy the Kids Knast-Grab

Gruften mit WLAN und Plasmafernseher

Oberhaupt und berühmtestes Mitglied des Sinaloa-Kartell ist Joaquín El Chapo Guzmán Loera. Genau. Der, der es immer wieder schafft, aus seinem Gefängnis auszubrechen. Je nach individuellem Geschmack lassen die Narcos das Grab eher im kitschig-italienisch angehauchten Barockstil gestalten, oder aber in der minimalistischen Variante: modern, schnörkellos, mit viel Glas und Beton.

https://www.instagram.com/p/BG5BeftgvQb/

Vielen dieser Gruften gemein ist der groteske Luxus, mit denen sie ausgestattet sind: WLAN, Plasmafernseher, Parkanlagen, Wohnsuiten, sogar Partyräume und im allgemeinen eine sehr kostspielige Inneneinrichtung. Der Grund: Die Verbrecher-Oberhäupter wollen, dass ihre Gräber Treffpunkte für die ganze Familie sind. Und die soll dort nicht nur beten und gedenken, sondern eben auch kochen, schlafen, feiern und im Luxus schwelgen können. Die Gräber der berühmtesten Mitglieder des Kartells werden nicht umsonst „El Panteón“ genannt: Sie dienen der Vergöttlichung der Drogenhändler. Selbst ein kleines Grab auf dem Friedhof kostet weit mehr als ein durchschnittliches Familienhaus in Cualicán.

Auch interessant: Die vergessene Luxusinsel des Pablo Escobar

Musikanlagen, die beim Betreten automatisch angehen

Im Innern der Mausoleen hängen überlebensgroße Gemälde der Verstorbenen (oder noch nicht Verstorbenen), eingerahmt von Blumengirlanden und Bildnissen der heiligen Jungfrau Maria von Guadalupe, der Schutzheiligen Mexikos. In den mehrgeschossigen Gebäuden führen Wendeltreppen zu Heimkinos und marmornen Einbauküchen, manche von den Gruften haben eine 24 Stunden lang aktivierte Klimaanlage und Musikanlagen, die sich automatisch einschalten, sobald man das Gebäude betritt. Hier trifft frommer Narzissmus auf makaber zur Schau gestellten Größenwahnsinn.

Auch interessant: Das wurde aus Pablo Escobars legendärer Hacienda Nápoles

Jardines del Humaya in Culiacán, Musiker im Innern eines Familiengrabes

Musiker im Innern eines Familiengrabes
Foto: Gladys Serrano

Die Elite der Drogenkartelle

Die berühmtesten Gräber im „Panteón“ gehören mexikanischen Unterweltgrößen wie Arturo Beltrán Leyva, der sein eigenes Kartell vom Sinaloa-Clan abspaltete und 2009 bei einem Großeinsatz der mexikanischen Armee getötet wurde. Für 650.000 Dollar baute er sich ein Mausoleum in Form einer Trutzburg. Er war unter dem Rufnamen El jefe de jefes bekannt: der Boss der Bosse.

Wir sind auch bei Snapchat, Username: travelbook

Jardines del Humaya in Culiacán

Marcos Arturo Beltrán Leyva hat sich ein Grab in Form einer Burg erbaut. Bescheidenheit gibt es bei den Drogenbossen auch posthum nicht
Foto: Gladys Serrano

Nicht weit entfernt von Leyvas Burg liegt die modernere, letzte Ruhestätte des Ignacio Nacho Coronel, „König des Kristalls” und Vater von El Chapos Frau Emma. Er kontrollierte den Handel des Sinaloa-Kartells. Nachos Grab hat laut der britischen „Daily Mail“ 450.000 Dollar gekostet. Versucht jemand, ungebeten in sein Grab einzudringen, sendet ein Alarmsystem automatisch Videos des Eindringlings an die Smartphones anderer Angehöriger des Kartells.

Auch interessant: Das sind die 50 gefährlichsten Städte der Welt

Eine Gruft für mehr als eine Million Dollar

Auch El Chapo hat in Culiacán für sich und seine vier Brüder eine letzte Ruhestätte gebaut: ein Mausoleen-Komplex, das 1,2 Millionen Dollar gekostet hat – kein Grab auf dem Friedhof ist teurer. Zuletzt wurde hier sein 2004 im Gefängnis ermordeter Bruder Arturo Guzman, El Pollo (z. Dt.: das Hähnchen), bestattet.

Themen