Immer wieder sterben Menschen auf dem Weg dorthin

Die gefährliche Suche nach dem Bus aus „Into the Wild“

Bus aus Into the Wild
Der schon ziemlich angerostete Bus, in dem der Aussteiger Christopher McCandless mehrere Monate gelebt hatte
Foto: dpa Picture Alliance

Durch den Film „Into the Wild“ (2008) wurde er zur Legende: Der Bus, in dem der Aussteiger Christopher McCandless lebte und schließlich starb. Immer wieder machen sich heute andere Menschen auf die Suche nach dem Bus – und müssen gerettet werden, weil sie die Gefahren der Natur unterschätzt haben. Einheimische wollen deshalb jetzt, dass das Fahrzeug ganz verschwindet...

Sei es der Wunsch nach Abgeschiedenheit und einem selbstbestimmten Leben, die auch McCandless trieben (und schließlich in den Tod trieben), oder auch die Sucht nach einem ganz besonderen Kick – immer wieder machen sich Menschen leichtsinnig auf die Suche nach dem Bus, wobei sie die Gefahren, die in der wilden Natur um ihn herum lauern, vollkommen falsch einschätzen.

Emile Hirsch als Christopher McCandless im Film „Into the wild“

Emile Hirsch als Christopher McCandless im Film „Into the wild“. Der Bus wurde für den Film nachgebaut – das Original steht noch immer in der Wildnis Alaskas

Regelmäßige Rettungsaktionen

So gibt es regelmäßig Berichte über solche Glücksritter, die dann gerettet werden müssen, weil sie in Gefahr geraten sind – „CNN“ berichtete erst im Februar 2020 von fünf Italienern, die auf dem sogenannten Stampede Trail einen Hilferuf ausgesandt hatten. Auch sie hatten den Bus besucht und wohl im Freien übernachtet, wobei sich einer der Wanderer Erfrierungen an den Füßen zugezogen hatte.

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Bereits 2010 war ein Abenteurer aus der Schweiz bei dem Versuch, den dem Bus nahen Teklanika-Fluss zu überqueren, ertrunken, 2013 mussten laut „Los Angeles Times“ drei Deutsche gerettet werden. 2019 dann ertrank eine Frau aus Weißrussland – ihr Mann, mit dem sie sich zu dieser Zeit auf Hochzeitsreise befand, konnte sie nur noch tot aus dem Fluss bergen. Laut dem Blatt schaffen es aber pro Jahr etwa 100 Menschen doch zu dem Bus, und das schafft anscheinend genug Anreize für andere – dabei ist das rostige Vehikel mittlerweile derart bekannt, dass man seinen Standort sogar bei Google Maps findet, übrigens unter dem charmanten Namen „Magic Bus“, eventuell eine Anspielung auf einen der Songs von „The Who“.

„Der Weg ist kein Catwalk“

Behörden überlegen nun, ob der Bus entfernt werden soll – Vertreter der am nächsten gelegenen Stadt Healy, immerhin noch 40 Kilometer entfernt, haben sich laut „Anchorage Daily News“ dafür ausgesprochen. Auf Staatsebene sei das aber bislang kein Thema, vielmehr wurde stattdessen eine Brücke über den oft reißenden Teklanika ins Gespräch gebracht. Dies wiederum halten die lokalen Behörden, kaum verwunderlich, für ein völlig falsches Signal, wie ein Sprecher der „ADN“ sagte: „Menschen würden denken, der Weg dorthin wäre ein Catwalk. Dadurch würden nur noch weitere ermutigt, hinzupilgern.“ Clay Walker, der Bürgermeister von Healy, fügt ironisch hinzu: „Wir würden das Potenzial gerne minimieren, noch mehr Tote aus dem Fluss ziehen zu müssen.“

Zudem würde eine Brücke wohl nur wenig helfen, denn in der Wildnis um den Bus gibt es kein Handynetz, außer dem Teklanika aber noch andere Flüsse. Besonders bizarr: Ausgerechnet Hinterbliebene der Ertrunkenen hatten sich beim Bundesstaat Alaska für die Brücke oder zumindest Warnschilder eingesetzt – dass es Gegenden gibt, die der Mensch generell besser nicht betreten sollte, scheint als Argument in der Debatte noch nicht bei allen angekommen zu sein.

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