27. April 2026, 16:52 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wegen seiner spektakulären Ausblicke ist der Küstenwanderweg Kalalau Trail auf Hawaii sehr beliebt. Aber er ist auch äußerst gefährlich. Die Wege hier sind sehr schmal und geröllig und fallen hunderte Meter senkrecht in die Tiefe ab. Mitunter werden Wanderer von Sturzfluten oder Steinschlägen überrascht. Außerdem wartet auf der Strecke ein Abschnitt, der bereits fast 100 Menschen das Leben kostete.
Auf der hawaiianischen Insel Kauai befindet sich einer der schönsten, aber auch gefährlichsten Wanderwege der USA, wenn nicht der ganzen Welt. Der gut 35 Kilometer lange Kalalau Trail führt entlang der jäh abfallenden Klippen der Na-Pali-Steilküste, die einzigartige Ausblicke auf die Landschaft und den Ozean gewährt. Doch auf der Strecke sind bereits unzählige Menschen ums Leben gekommen, vor allem ein Abschnitt gilt als besonders gefährlich. Unberechenbare Wetterbedingungen können den Wanderweg selbst für erfahrene Hiker zur Todesfalle machen. Trotzdem ist er so beliebt, dass man für den Zugang eine Genehmigung beantragen muss. Und davon gibt es nur wenige täglich.
Laut dem hawaiianischen Department of Land and Natural Resources, das den Kalalau Trail verwaltet, wurde er bereits um 1800 angelegt. Ursprünglich diente er jedoch nicht dem Vergnügen von Wanderern, sondern verband abgelegene Dörfer über einen Küstenweg miteinander. Bis heute ist der Hike die einzige Möglichkeit, diesen Abschnitt der Küste von Kauai über den Landweg zu erreichen. Nun mögen die 35 Kilometer Gesamtstrecke, die man auf dem Trail bewältigen muss, vor allem erfahrene Hiker sicher nicht abschrecken. Zumal es unterwegs für alle, die eine entsprechende Erlaubnis haben, sogar Campingmöglichkeiten gibt. Und dennoch liest man überall im Netz deutliche Warnungen, bezeichnet das „Backpacker Magazine“ die Strecke als eine der gefährlichsten der USA.
Sturzfluten, Steinschläge, tödliche Unterströmungen
Das liegt zum einen daran, dass die Wege, die den Kalalau Trail entlang führen, extrem schmal sind. Direkt neben dem Wanderer befinden sich also mehr oder weniger auf der gesamten Strecke tiefe Abgründe. Wer hier stürzt, würde ungebremst ins Meer fallen bzw. auf die steinige Küstenlinie – der sichere Tod. Regenfälle, die auf der Insel häufig sind, können die ohnehin schon gefährlichen Wege in eine tödliche Rutschpartie aus Matsch und Geröll verwandeln. Auch Steinschläge sind auf der gesamten Strecke keine Seltenheit. Durch die Niederschläge kommt es zur Erosion des ohnehin schon porösen Vulkangesteins. Auch können durch Regen verursachte Sturzfluten Wanderern für Stunden den Weg abschneiden. Oder sie, schlimmer noch, über den Abhang der Klippen mit in die Tiefe reißen.
Der tödlichste Abschnitt des Wanderweges ist jedoch ein Ort, der auf den ersten Blick paradiesisch anmutet. Der Strand von Hanakapi’ai, der nur gut drei Kilometer vom Startpunkt des Kalalau Trail entfernt ist. Laut dem „Backpacker Magazine“ ertranken hier durch gefährliche Unterströmungen im Laufe der Jahre an die hundert Menschen. Dies erklärt sich auch damit, dass der Wanderweg bis zu dem Strand ohne die für den gesamten Weg benötigte Genehmigung begangen werden kann. Hier reicht eine einfache Reservierung, und daher sind hier besonders viele Outdoor-Fans unterwegs. Aus gegebenem Anlass raten sämtliche Autoritäten vom Schwimmen am Hanakapi’ai-Strand ab.
Die Genehmigungen sind limitiert
Wiederum drei Kilometer von dem Strand entfernt erwartet Wanderer mit dem Hanakapi’ai-Wasserfall dann das nächste Natur-Highlight. Laut der offiziellen Website des Kalalau Trail ist dieses Stück Weg bereits anspruchsvoller und sollte aufgrund von Gefahren durch Sturzfluten oder Steinschläge nur bei gutem Wetter begangen werden. Wer nun weiterlaufen möchte, braucht ab dem Wasserfall die offizielle Genehmigung. Der nächste Abschnitt nach Hanakoa führt unter anderem an künstlich angelegten Terrassen vorbei, auf denen die Einheimischen früher Taro anbauten. Hierbei handelt es sich um eine Knollenfrucht und eines der ältesten Grundnahrungsmittel der Welt. Heute wächst dort Kaffee.
Auf der Gesamtstrecke von 35 Kilometern führt der Kalalau Trail durch fünf Täler, und überwindet einen Höhenunterschied von gut 240 Metern. Er endet am Strand von Kalalau, der der Strecke ihren Namen gegeben hat. Da es sich nicht um einen Rundweg handelt, muss man auf dem Rückweg dieselbe Strecke zurücklegen wie auf dem Hinweg, also jeweils 17,5 Kilometer. Wer die Wanderung trotz all ihrer Gefahren unternehmen möchte, kann bis zu 90 Tage vorab auf der Seite des hawaiianischen Department of Land and Natural Resources die entsprechende Genehmigung beantragen. Diese kostet 35 Dollar (knapp 30 Euro) pro Tag, und ist auf eine Stückzahl von 60 täglich limitiert. Wenn am Tag des geplanten Hikes die Wetterbedingungen die Wanderung nicht zulassen, werden die Kosten allerdings nicht zurückerstattet.