Hongkong total vertikal

So haben Sie Hochhäuser noch nie gesehen!

Ein bisschen erinnert es an ein Star-Trek-Raumschiff. Doch das Foto zeigt einen der älteren Gebäudekomplexe in Hongkong.
Ein bisschen erinnert es an ein Star-Trek-Raumschiff. Doch das Foto zeigt einen der älteren Gebäudekomplexe in Hongkong.
Foto: Romain JACQUET-LAGREZE
Romain Jacquet-Lagrèze wurde 1987 in Frankreich geboren, wuchs in den Vororten von Paris auf und arbeitete zunächst als bildender Künstler. Sein Interesse für die Fotografie wurde mit seiner Ankunft in Hongkong im Jahr 2008 geweckt.
Romain Jacquet-Lagrèze wurde 1987 in Frankreich geboren, wuchs in den Vororten von Paris auf und arbeitete zunächst als bildender Künstler. Sein Interesse für die Fotografie wurde mit seiner Ankunft in Hongkong im Jahr 2008 geweckt.
Foto: Romain JACQUET-LAGREZE
Bei seinen Bildern geht es darum, eine perfekte Symmetrie zu erzeugen
Bei seinen Bildern geht es darum, eine perfekte Symmetrie zu erzeugen
Foto: Romain JACQUET-LAGREZE
Jacquet-Lagrèze hat sowohl die älteren, als auch modernere Hochhäuser in Hongkong fotografiert
Jacquet-Lagrèze hat sowohl die älteren, als auch modernere Hochhäuser in Hongkong fotografiert
Foto: Romain JACQUET-LAGREZE
Hier spielt er zusätzlich mit den verspiegelten Flächen eines modernen Wolkenkratzers
Hier spielt er zusätzlich mit den verspiegelten Flächen eines modernen Wolkenkratzers
Foto: Romain JACQUET-LAGREZE
Geometrische Muster ziehen den Fotografen nahezu magisch an
Geometrische Muster ziehen den Fotografen nahezu magisch an
Foto: Romain JACQUET-LAGREZE
Warum hat Romain Jacquet-Lagrèze ausgerechnet Hongkong für seine Bilderserie gewählt? „Hongkong ist ein Ort, in dem 7 Millionen Menschen auf einem kleinen Territorium leben, das zu 70 Prozent aus Wald und Bergen besteht. Dadurch sind die Gebäude mit der Zeit immer enger aneinander gebaut worden und wachsen mittlerweile in die Höhe. Für mich bedeutet das jede Menge Inspiration.“
Warum hat Romain Jacquet-Lagrèze ausgerechnet Hongkong für seine Bilderserie gewählt? „Hongkong ist ein Ort, in dem 7 Millionen Menschen auf einem kleinen Territorium leben, das zu 70 Prozent aus Wald und Bergen besteht. Dadurch sind die Gebäude mit der Zeit immer enger aneinander gebaut worden und wachsen mittlerweile in die Höhe. Für mich bedeutet das jede Menge Inspiration.“
Foto: Romain JACQUET-LAGREZE
Auf diesem Bild wird deutlich, wie eng die Häuser aneinander gebaut sind. Jede noch so kleine Lücke wird mit neuen Wolkenkratzern gefüllt.
Auf diesem Bild wird deutlich, wie eng die Häuser aneinander gebaut sind. Jede noch so kleine Lücke wird mit neuen Wolkenkratzern gefüllt.
Foto: Romain JACQUET-LAGREZE
Der Himmel erscheint in weiter Ferne
Der Himmel erscheint in weiter Ferne
Foto: Romain JACQUET-LAGREZE
Ein modernes, rundum verglastes Gebäude. „Diesen Bildwinkel habe ich beim Fotografieren ganz autoamtisch gewählt. Ich glaube, weil er einfach perfekt zu Hongkong passt.“
Ein modernes, rundum verglastes Gebäude. „Diesen Bildwinkel habe ich beim Fotografieren ganz autoamtisch gewählt. Ich glaube, weil er einfach perfekt zu Hongkong passt.“
Foto: Romain JACQUET-LAGREZE
Nicht nur die Materialien der Gebäude unterscheiden sich stark, auch die Farben. Bei diesem älteren Wohnkomplex ist grün die vorherrschende Farbe.
Nicht nur die Materialien der Gebäude unterscheiden sich stark, auch die Farben. Bei diesem älteren Wohnkomplex ist grün die vorherrschende Farbe.
Foto: Romain JACQUET-LAGREZE
Der Bildband „Vertical Horizons“ ist beim Verlag Asia One Books erschienen und bei Amazon erhältlich
Der Bildband „Vertical Horizons“ ist beim Verlag Asia One Books erschienen und bei Amazon erhältlich
Foto: Romain JACQUET-LAGREZE

Hongkong ist eine der am dichtesten besiedelten Metropolen der Welt. Entsprechend viele Wohnblocks und Wolkenkratzer gibt es hier. Der französische Fotograf Romain Jacquet-Lagrèze, der seit 2009 in Hongkong lebt, hat die Hochhäuser aus einer ungewöhnlichen Perspektive fotografiert – und lässt sie wie Kunstwerke von perfekter Symmetrie wirken.


Foto: Romain JACQUET-LAGREZE

Der Wohnraum in Hongkong ist eng – und extrem teuer. Mehr als 7 Millionen Menschen leben auf einer Fläche, die kaum größer als Berlin ist. Platz zum Ausdehnen gibt es auf der bergigen Halbinsel kaum – also wächst die Stadt immer mehr in die Höhe.

Die ersten mehrstöckigen Wohnblocks entstanden Anfang der 1950er-Jahre, nachdem hunderttausende politisch Verfolgte aus China in die ehemalige britische Kronkolonie geflohen waren. Um schnell Wohnraum für die anfangs in Holzhütten lebenden Flüchtlinge zu schaffen, zog man nach und nach zahlreiche riesige Betongebäude hoch: die so genannten Mark-Häuser. Die Wohnungen hatten alle eine Größe von nur 20 Quadratmetern. Sanitäreinrichtungen und Küche mussten die Bewohner sich teilen. Einen höheren Standard boten erst die Wohnblöcke, die ab Anfang der Siebzigerjahre entstanden.

Trotz einer bis heute andauernden immensen Bautätigkeit gelang es erst Anfgang der 1980er, die letzten ärmlichen Holzhüttenviertel aufzulösen. Inzwischen ist der Lebensstandard in Hongkong stark gestiegen, die Stadt präsentiert sich mit modernen Wolkenkratzern, die dicht an dicht stehen. Jede noch so kleine Baulücke wird mit neuen Hochhäusern aufgefüllt.

In Hongkong herrscht ein Platzmangel. Jede noch so kleine Lücke wird mit einem Hochhaus gefüllt – und die Stadt wächst immer mehr in die Höhe

In Hongkong herrscht ein Platzmangel. Jede noch so kleine Lücke wird mit einem Hochhaus gefüllt – und die Stadt wächst immer mehr in die Höhe. Foto: Romain JACQUET-LAGREZE

Die ersten Mark-Häuser aus den 1950ern sind inzwischen abgerissen und durch moderne Hochhäuser ersetzt worden. Die Wohnblöcke aus den Siebzigern gibt es dagegen immer noch. In diesem eng gebauten, architektonischen Mischmasch hat der französische Fotograf Romain Jacquet-Lagrèze die Inspiration für seine Serie „Vertical Horizons“ gefunden, die auch als Bildband erschienen ist. „Geometrische Muster und chaotische Szenerien faszinieren mich“, sagt Jacquet-Lagrèze im Interview mit TRAVELBOOK. „Der Schlüssel für mich war, die Stadt mehr und mehr zu erkunden und auch in Viertel zu gehen, in die sich selten Leute verirren.“

Für seine Fotografien hat der Franzose sich in den Innenhöfen der Hochhäuser positioniert und einen vertikalen Blickwinkel gewählt. „Wenn ich einmal einen guten Standpunkt gefunden hatte, war es wichtig, immer wieder zu kommen, um so das beste Licht zu erwischen und das Bild zu perfektionieren“, erklärt er seine Technik.

Die Gebäude haben auf den Fotos ein verfremdetes, beinahe futuristisches Aussehen von perfekter Symmetrie. „Ich glaube nicht, dass diese Art, eine Stadt zu betrachten, aus dieser Perspektive heraus an irgendeinem anderen Ort auf der Welt so gut funktionieren würde wie in Hongkong“, sagt der Fotograf.