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In der Slowakei

Auf den Spuren von Elisabeth Báthory – der berüchtigtsten Serienmörderin aller Zeiten

Die Burg Cjete, Sitz der als „Blutgräfin“ bekannt gewordenen Elisabeth Báthory
Die Burg Cachtice, auf Deutsch „Burg Schächtitz“, war der Sitz der als „Blutgräfin“ bekannt gewordenen Elisabeth BáthoryFoto: Getty Images

Sie gilt als die berüchtigtste Mörderin aller Zeiten. Bis zu 650 Morde werden ihr zugeschrieben. Die Rede ist von Elisabeth Báthory, der sogenannten „Blutgräfin“. Doch wer war diese Frau wirklich? Welche Taten hat sie einst verübt – und was ist nur Legende? Um diesen Fragen nachzugehen, ist TRAVELBOOK an den Ort des Geschehens gefahren.

Wer die Burg Schächtitz in der Slowakei sehen möchte, braucht zunächst ein wenig Kondition. Hoch auf einem Hügel gelegen, muss man erst einige hundert Meter durch einen Nationalpark wandern, bis man schließlich ihre Ruinen erblickt. Heute stehen nur noch die Grundfesten der einst so mächtigen Burg, die zwei Feuer schwer zerstörten. Doch trotz des verfallenen Anblicks ist sie eine der größten Sehenswürdigkeiten der Region. Das liegt allerdings nicht an dem grandiosen Ausblick, sondern an der Frau, der man in der Burg ein Museum und zahlreiche Foto-Stationen gewidmet hat: Elisabeth Báthory, besser bekannt als die „Blutgräfin“.

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Auf Burg Schächtitz herrschte der Hochadel

Geboren wird Elisabeth als Erzsébet Báthory, so ihr ungarischer Name, am 7. August 1560 in der ungarischen Stadt Nyírbátor. Es gibt nur sehr wenige Bilder von Elisabeth, aber die Bilder, die es noch gibt, zeigen eine sehr hübsche, dunkelhaarige, blasse, schlanke Frau. Báthory war damals berühmt für ihre Schönheit und wurde von vielen darum beneidet. Doch nicht nur ihr Aussehen schürte Missgunst – vor allem war es ihre Macht.

Ein Bild, das Elisabeth Báthory zeigt
Ein Bild, das Elisabeth Báthory zeigt https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8947919Foto: WikimediaComans/ Septembermorgen / Gemeinfrei

Denn die Báthorys von Ecsed waren hochadlig und über die Landesgrenzen hinaus bekannt. „Elisabeth Báthory kam aus einer unglaublich bekannten, glamourösen, heldenhaften und mächtigen Familie. Ihr Neffe war zum Beispiel der Prinz von Transylvanien, andere Verwandte zu ihrer Lebzeit waren der König von Polen oder in hohen Positionen am Hof der Habsburger in Wien. Ihre Familie wurde glorifiziert als eine Dynastie voller Helden“, erzählt Tony Thorne, britischer Autor einer der renommiertesten Biografien über Elisabeth Báthory, „Countess Dracula“.

Elisabeth war also schon von Geburt an Teil der reichen und mächtigen Oberschicht – und ihre Stellung stieg noch weiter, als sie mit dem fünf Jahre älteren Franz (ungarisch Ferenc) Nádasdy von Fogarasföld verlobt wurde. Nádasdy wurde im Jahr 1555 geboren und war ein sehr erfolgreicher Soldat. Im Kampf gegen das Osmanische Reich zeichnete er sich mehrfach aus. Dabei gelang es den feindlichen Türken nie, eine von Nádasdy verteidigte Festung wieder einzunehmen. Unter anderem deswegen wurde er 1598 zum Ritter geschlagen. Wegen seines schwarzen Haares und besonders grausamen Vorgehens gegen seine osmanischen Feinde hatte er den Beinamen „Der schwarze Beg“, was in etwa „der schwarze Ritter“ heißt.

Elisabeth Báthory wird zu einer der reichsten und mächtigsten Frauen im Land

Die Ehe, die 1575 zwischen Elisabeth und Franz geschlossen wurde, galt als sehr erfolgreich. Sie brachte die beiden mächtigen Familien näher zueinander und festigte deren Stellung im ungarischen Reich. „Die beiden waren eine Kombination von einem Promi-Paar aus Hollywood und einem Politiker-Ehepaar, bekannter noch als Donald Trump“, erklärt Tony Thorne. Zudem galt die Ehe als glücklich und es entstanden vier Kinder. Doch sie endete nach 19 Jahren. Denn am 4. Januar 1604 starb Nádasdy. Und jetzt veränderte sich Elisabeths Leben.

Sie war nun Erbin zwei Dynastien: Báthory und Nádasdy. Damit war sie eine der vermögendsten und mächtigsten Frauen im Land und herrschte über zahlreiche Ländereien und Schlösser. Doch der Sage nach soll es noch eine andere, schreckliche Folge von Nádasdys Tod gegeben haben.

Die Sage von Elisabeth Báthory als Blutgräfin

So gibt es eine Geschichte, die kurz nach Nádasdys Tod spielt. Es ist die Geschichte einer alternden Gräfin, die mit allen Mitteln versucht, die Zeit anzuhalten. Der Sage nach habe ein Dienstmädchen Báthory beim Haare Kämmen zu sehr an jenen gezogen. Báthory habe das Mädchen daraufhin so stark geohrfeigt, dass das Blut aus dem Gesicht des Mädchens bis auf Báthory gespritzt sei. Als die Gräfin dann das Blut wegwischen wollte, habe sie gesehen, dass ihre Haut an eben dieser Stelle auf einmal wieder jung und frisch gewesen sei. Fortan habe sie, so die Legende, nach immer mehr jungen Mädchen verlangt, um in deren Blut zu baden und so für immer jung zu bleiben. Soweit die Legende, die immer wieder in Filmen und Serien erzählt wird.

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Doch die Sage um die „Blutgräfin“ entsteht schon einige Jahrhunderte zuvor. Als erstes wird sie von dem Jesuitenpater Lázló Turóczi in der 1729 veröffentlichen „Ungaria suis cum regibus compendio data“ in die Welt gesetzt. Turoczi war sich sicher, dass die Morde an „etwa 600 Mädchen“ auf Elisabeths Eitelkeit zurückzuführen seien. Er glaubte allerdings auch, dass Báthory irre geworden sei, weil sie dem katholischen Glauben entsagte. Die Qualität der Quelle kann also durchaus angezweifelt werden.

Auch die Sage um die kosmetischen Blutbäder wurde über die Jahrhunderte immer weiter ausgeschmückt. Irgendwann soll Báthory eigens dafür eine sogenannte Blutpresse konstruiert haben, die „Eisernen Jungfrau“. Es gibt jedoch keine Hinweise auf die Existenz von „Eisernen Jungfrauen“ auf der Burg Schächtitz. Dieser Teil ist demnach vermutlich erfunden – ebenso wie die Legende, Báthory habe im Blut ihrer Opfer gebadet, um ihre Jugend wiederzuerlangen. Doch etwas Ungutes geschah zweifelsohne im Schloss. Denn im Jahr 1610 wurde Elisabeth Báthory von Georg Thurzó verhaftet.

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Der Prozess

Georg Thurzó wurde vom ungarischen König Matthias persönlich mit Ermittlungen zu Báthory beauftragt. Entgegen der oft verbreiteten Legende, Thurzó und seine Gefolgsleute hätten bereits beim Stürmen von Báthorys Sitz, dem Schloss Cséjthe, Leichen der Gefolterten gefunden, gibt es keine Quellen, die diese Aussagen stützen würden – wie bei so vielem in der Geschichte der Blutgräfin. Einzig der Gerichtsprozess, der von 1610 bis 1611 stattfand, ist sehr gut dokumentiert. Das liegt daran, dass es damals in Ungarn bereits ein sehr organisiertes Justizsystem gab. So können heute noch sehr detaillierte Aussagen, die vor allem aus Elisabeths engstem Umfeld kamen, nachvollzogen werden. Und diese berichteten vor allem von sadistischen Handlungen gegenüber jungen Mädchen.

So sagte etwa Báthorys Kammerzofe Dorothea Széntes aus, Báthory habe ihren Opfern Stecknadeln durch die Finger getrieben und ihnen die Finger aufgeschlitzt, wenn die Opfer sich die Nadeln herauszogen. Eine andere Dienerin habe gesagt, Elisabeth Báthory habe Mädchen mit heißen Eisenstangen verbrüht und dann in eiskaltes Wasser geworfen. Oder Báthory habe zwischen die Finger der jungen Mädchen Papier gelegt und dieses dann angezündet – eine Foltermethode, die sie von ihrem Ehemann gelernt hatte. Es gab aber auch Berichte außerhalb von Elisabeths Hausstand. So berichtete der Adlige Franz Török, Báthory habe die Geschlechtsorgane mehrerer Mädchen verstümmelt und es habe mehr als 200 Mordopfer gegeben.

Wichtig zu beachten ist allerdings, dass etwa die Kammerzofe Széntes auch gefoltert wurde – wie wahrheitsgetreu die Aussagen sind, ist aus heutiger Sicht demnach nicht eindeutig nachzuvollziehen. Dennoch wurde Széntes, ebenso wie die anderen Kronzeugen, als Komplizen von Báthory wegen außerordentlicher Grausamkeit hingerichtet.

War Elisabeth Báthory wirklich schuldig?

Auch Elisabeth wurde verurteilt. Doch durch ihre besondere Stellung als Hochadlige konnte man sie nicht verhaften. Deswegen wurde die Blutgräfin unter Hausarrest gestellt. Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte sie deswegen auf der Burg Schächtiz – dem mutmaßlichen Ort ihrer Taten. Dort lebte sie nun im Turm eingesperrt, in der ständigen Angst, man könne sie doch noch verhaften. Das passierte jedoch nicht: Am 21. August 1614 starb Elisabeth Báthory auf der Burg. Bis zu ihrem Tod bestritt die Blutgräfin die ihr zur Last gelegten Taten.

Turm Burg Schächtitz
Nuno Alves, Editorial Director von TRAVELBOOK, im Interview mit Tourguide Alica Čechvalová im Turm der Burg Schächtitz Foto: TRAVELBOOK

Noch heute ist unklar, ob sie wirklich schuldig war. So steht auf der einen Seite, dass sie eine sehr vermögende, einflussreiche und intelligente Frau war. Sie hatte zahlreiche Feinde, die durchaus Motive hatten, sie zu beseitigen. Auf der anderen Seite hätte es einfachere Möglichkeiten gegeben, sie aus dem Weg zu räumen, als einen Prozess wegen Grausamkeit. „Warum haben Sie sich für Grausamkeit entschieden? Wenn Sie sie zerstören wollten, hätten sie sie auch wegen Schwarzer Magie oder Hexerei anklagen können“, betont Tony Thorne. Es habe auch andere ungarische Adlige gegeben, die der Hexerei beschuldigt worden und im Gefängnis gelandet seien.

Eine weitere Möglichkeit wäre eine Anschuldigung des Verrats gewesen. „Das wäre einfach gewesen, besonders, weil ihre Familie Rivalen der Habsburger waren. Doch selbst als ihr Neffe, Gabriel Báthory, in Transsylvanien darauf wartete, Ungarn für sich einzunehmen, wurde sie nie beschuldigt, mit ihm zusammenzuarbeiten“, erklärt Tony Thorne. Deswegen hat er eine ganz klare Tendenz. „Es muss zumindest ein paar Beweise für ihre Schuld gegeben haben.“

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Elisabeth, die Attraktion der Burg

Auf der Burg Schächtitz plädiert man heutzutage hingegen eher für Elisabeths Unschuld. So gibt es immer wieder Theaterstücke, die vor allem ihre Rolle als Mutter in den Vordergrund stellen. Wenig verwunderlich, ist doch die Blutgräfin hier vor allem ein Anziehungspunkt für die zahlreichen Touristen, die hier Touren durch die Ruinen machen.

In der Hauptsaison, den Sommermonaten, kommen pro Tag durchschnittlich 500 Urlauber, die dann in Pappaufstellern lustige Fotos als „Franz und Elisabeth“ machen oder Rotwein mit dem „Blut der Blutgräfin“ kaufen können. An den Wänden im Museum hängen Kinderzeichnungen der berühmten Gräfin. Doch war sie wirklich nur Opfer ihrer Zeit? Oder doch die sadistische Mörderin, deren Rolle ihr bis heute so oft zugeschrieben wird? Diese Frage bleibt auch auf der Burg Schächtitz offen – vermutlich bewusst.

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