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Alpenverein kritisiert

»Rücksichtslosigkeit unter Wanderern nimmt spürbar zu

Hütte in Sicht: Doppelreservierungen sollten Wanderer unbedingt vermeiden – sie sind unfair gegenüber anderen Gästen und den Hüttenteams
Hütte in Sicht: Doppelreservierungen sollten Wanderer unbedingt vermeiden – sie sind unfair gegenüber anderen Gästen und den Hüttenteams Foto: picture alliance/dpa
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TRAVELBOOK Redaktion

4. August 2025, 10:44 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wenn die Bergsaison ihren Höhepunkt erreicht, wird es auf den Alpenhütten eng. Wer eine Übernachtung in luftiger Höhe plant, sollte rechtzeitig reservieren – und sich dabei rücksichtsvoll verhalten. Denn besonders ein Verhalten sorgt derzeit für Unmut.

Die Nachfrage nach Übernachtungen auf Berghütten durch Wanderer steigt seit Jahren kontinuierlich. Der Deutsche Alpenverein (DAV) beobachtet eine wachsende Zahl von Menschen, die in den Bergen unterwegs sind – mit Folgen: Immer häufiger reichen die Schlafplätze in den Hütten nicht mehr aus, was nicht nur Wanderer, sondern auch das Hüttenteam belastet.

Ärgernis Doppelreservierungen

Ein zusätzlicher Stressfaktor sind laut Österreichischem Alpenverein (ÖAV) sogenannte Doppelreservierungen – und die nehmen laut Verband deutlich zu. Dabei reservieren Wanderer Schlafplätze gleich mehrfach: entweder auf verschiedenen Hütten für denselben Tag oder in einer Hütte für mehrere Termine. Je nach Wetterlage oder persönlichem Empfinden sagen sie dann kurzfristig ab oder erscheinen einfach nicht – mit unangenehmen Folgen.

Der ÖAV übt deutliche Kritik: Solche Reservierungen seien nicht nur unfair gegenüber anderem Wandern und den Hüttenteams, sondern erschwerten auch die Organisation in der Hütte. Deshalb der eindringliche Appell: Nur ernst gemeinte Reservierungen tätigen und Planänderungen frühzeitig mitteilen.

Bettenlager der Mittenwalder Hütte des DAV
Kampf um die Schlafplätze: Wer eine Hüttentour plant, sollte einige grundlegende Verhaltensweisen beherzigen – für ein gutes Miteinander. Foto: Matthias Balk/dpa/dpa-tmn

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Die Reservierung eines Schlafplatzes ist unkompliziert möglich – entweder per Telefon oder E-Mail direkt bei der gewünschten Hütte. Viele Hütten im Alpenraum sind zudem an das Online-System hut-reservation.org angeschlossen. Wer sich dort registriert, kann nicht nur reservieren, sondern über das Tool Bettencheck auch prüfen, wo entlang seiner Route noch Plätze frei sind.

Für spontane Bergurlauber bietet der DAV zusätzlich die Karte Last-Minute-Hüttenbetten auf seiner Website an. Sie zeigt freie Schlafplätze für die kommenden drei Nächte in Hütten des Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Alpenvereins.

Eine Hütte ist kein Hotel

Vermehrte Konflikte in Berghütten lassen die Frage aufkommen, ob sich das Verhalten einiger Gäste verändert. Der Österreichische Alpenverein jedenfalls sieht Handlungsbedarf: „Achtlosigkeit und Rücksichtslosigkeit auf Alpenvereinshütten nehmen spürbar zu“, teilte der Verband mit. Deshalb fasst ein sogenannter Hütten-Knigge die wichtigsten Verhaltensregeln zusammen – denn: Eine Hütte sei kein Hotel.

Der Deutsche Alpenverein schätzt die Lage differenzierter ein. Dort sieht man keine grundsätzliche Zunahme rücksichtslosen Verhaltens. Vielmehr bemühe sich der Großteil der Gäste um ein respektvolles Miteinander auf dem Berg. „Aus unserer Erfahrung ist es lediglich eine Minderheit an Gästen, die durch Unkenntnis und falsche Erwartungen negativ auffällt“, erklärt Robert Kolbitsch, Ressortleiter für Hütten und Wege beim DAV.

Die wichtigste Regel bleibt also: mitdenken, fair planen – und Rücksicht nehmen.

Autorin Louisa Stoeffler
Louisa Stoeffler

Bußgeld für Doppelbuchungen und Rücksichtslosigkeit

„Seit 2020 bin ich regelmäßig auf Fernwanderungen unterwegs, tage- oder wochenlang, über Pässe, durch Regen, bei Hitze. Der Moment, wenn eine Hütte auftaucht, ist oft magisch. Aber diese Magie wird immer häufiger getrübt. Ich habe gesehen, wie Menschen sich 10 Meter vor dem Hütteneingang in der Natur erleichtern. In den Hohen Tauern lagen Bananenschalen und in den Dolomiten Pfirsich- und Pflaumenkerne mitten im Hang. Selbst wenn es „Bio“ gewesen sein sollte, sind diese Obstsorten am Berg nicht heimisch – und die Hinterlassenschaften bräuchten mehrere Jahre, bis sie verrottet sind. Wer meint, das sei harmlos, verkennt die sensible Ökologie des Hochgebirges. Von liegengelassenen Bierflaschen mal ganz abgesehen.
Deshalb ist es richtig – und leider notwendig –, dass der Alpenverein einen Hüttenknigge veröffentlicht hat. Denn mich persönlich ärgert es sehr, dass es immer wieder zu Doppelreservierungen kommt. So bleibt kein Platz für Leute, die die Schutzhütte wirklich brauchen. Noch schlimmer sind vergessene Absagen. Denn es zählt zu den Aufgaben des Hüttenpersonals, nachzuforschen, warum angemeldete Wanderer nicht auf der Hütte ankommen. Wer die Respektlosigkeit besitzt, den Wirten noch mehr Arbeit zu machen, – oder im schlimmsten Fall sogar das Ausrücken der Bergwacht in Kauf nimmt – der sollte dafür dann auch ein Bußgeld zahlen. Mindestens 50 Euro halte ich für angemessen, allein um ein normales Miteinander wieder zu erlernen.
Doch auch, wenn man es auf die Hütte geschafft hat, sind nicht alle Alpinisten an Gemeinwohl interessiert. Trockene Wanderschuhe haben nichts auf der Schuhheizung zu suchen, wenn andere tropfnass ankommen. Und der Gang im Schlaflager ist kein Ablageort für Wanderrucksäcke, wenn der Weg zum Bett für andere dadurch nochmal mit Anstieg verbunden ist. Auch der Müll, den manche anscheinend nicht wieder selbst ins Tal bringen möchten, sollte nicht den Hygieneeimer auf der Toilette verstopfen. Auf 2600 Metern kommt keine Müllabfuhr!
All das zeigt, dass vielen das Verständnis dafür fehlt, was eine Hütte eigentlich ist – kein Hotel, sondern ein Ort des Miteinanders und der bewussten Nutzung von begrenzten Ressourcen. Der Hüttenknigge ist also kein bürokratisches Bollwerk, sondern eine Einladung, das gemeinsame Bergerlebnis (wieder) zu achten – und sich zu verhalten wie jemand, der die Natur wirklich liebt.“

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