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Von Europa bis Süd-Ost-Asien

Der Hippie Trail – die berühmteste Reiseroute der 70er Jahre

Kathmandu in Nepal war in den 70er Jahren ein besonders beliebter Halt auf dem legendären Hippie Trail
Kathmandu in Nepal war in den 70er Jahren ein besonders beliebter Halt auf dem legendären Hippie Trail Foto: Collage / picture alliance / Bibliographisches Institut/Prof. Dr. H. Wilhelmy | H. Wilhelmy / BILD Infografik

Heute zieht es viele junge Erwachsene nach der Schulzeit, nach dem Studium oder nach der Ausbildung nach Süd-Ost-Asien. Mit dem Rucksack reist man monatelang durch verschiedene Länder und genießt die Zeit vor dem „Ernst des Lebens“. Diese Idee ist nicht neu – schon in den 70er Jahren reiste eine Generation quer über den asiatischen Kontinent. TRAVELBOOK begibt sich auf die Spuren des legendären Hippie Trails.

Raus aus dem Heimatland, reisen, die Welt sehen, etwas erleben –  Gedanken, die noch heute viele Backpacker haben, machten sich auch die jungen Hippies in den 1960er- und 1970er-Jahren. Sie reisten auf dem sogenannten Hippie Trail mit dem Rucksack von Europa nach Asien. Der Trail hatte einst viele Stationen, die noch heute untrennbar mit der Hippie-Kultur verbunden sind – zum Beispiel Kathmandu in Nepal oder Goa in Indien.

Dabei gab es unterschiedliche Routen. Viele Reisende, vor allem aus den USA, starteten in Europa, oft auf Ibiza. Von dort ging es weiter in die Türkei, meist nach Istanbul. Von hier aus reiste man entweder direkt durch den Iran, Afghanistan und Pakistan bis nach Indien. Vor allem Kabul in Afghanistan etablierte sich als Fixpunkt auf dem Hippie-Trail. Alternativ ging es südlich zunächst über Syrien, Jordanien und den Irak bis in den Iran und von dort weiter nach Indien. Hier teilte sich der Weg abermals auf. Besonders beliebte Ziele waren nun Goa im Süden Indiens oder Kathmandu, die Hauptstadt von Nepal. Noch heute erinnert hier die sogenannte „Freak Street“ an die tausenden Hippies, die einst hierher kamen. Doch einige reisten sogar noch weiter. Der Hippie Trail zog sich im Osten über Bangladesch weiter nach Thailand und sogar bis nach Sri Lanka.

Infografik Hippie Trail

Ungebundenes Reisen und günstige Drogen

Große Planung gab es damals nicht. Man war jung und ungebunden, reiste mit einem mit Stickern beklebten VW-Bus oder trampte. Es wirkte individuell. Doch: „Wenn man ehrlich ist, waren wir damals eigentlich Massentouristen, die einfach anders reisten. Man war immer auf der gleichen Route unterwegs, man traf auch immer die gleichen Leute“, erinnert sich Detlef Fritz, Autor des Buchs „Hippie-Trails: Reiselegenden und ihre Geschichte“ im Gespräch mit TRAVELBOOK. Er selbst reiste einst wie viele junge Erwachsene aus aller Welt auf dem Hippie Trail. Unterwegs waren damals auch spätere Berühmtheiten wie etwa Steve Jobs oder Tony und Maureen Wheeler, die Autoren des weltberühmten Reiseführers „Lonely Planet“.

Ziel der Reisen war für viele neben dem Ausbruch aus der eigenen Lebenswelt auch der Wunsch nach spiritueller Erleuchtung. So nahmen sich viele Reisende die Lehren des Buddhismus und Hinduismus zu Herzen, einige verbrachten auch Teile der Reise in einem indischen Ashram oder einem buddhistischen Kloster, wie auch in der vierteiligen Arte-Doku „High sein, frei sein, überall dabei sein“ zum Hippie Trail klar wird. Doch natürlich waren die Reisenden auf der Route damals nicht nur auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung. Detlef Fritz erinnert sich: „Drogen spielten ehrlicherweise auch eine Rolle. Haschisch war damals auf der Route etwa so beliebt wie heute auf dem Ballermann die Sangria.“

Der Grund: Die Drogen waren damals an vielen Orten des Hippie Trails leicht erhältlich und vor allem günstig. So war Kabul nicht nur wegen der Kultur, sondern auch wegen der besonders preiswerten Drogen Haschisch, Opium und Heroin ein begehrter Stop auf der Reise. Und in Nepal war in den 70er Jahren der Handel mit Haschisch und Marihuana sogar legal.

Drogen spielten bei den Reisenden auf dem Hippie Trail eine große Rolle. Hier eine Gruppe junger Erwachsener etwa 1970 im indischen Goa.
Drogen spielten bei den Reisenden auf dem Hippie Trail eine große Rolle. Hier eine Gruppe junger Erwachsener etwa 1970 im indischen Goa. Foto: Getty Images

Mordfälle auf dem Hippie Trail

Doch nicht nur der fast unbegrenzte, leichte Zugang zu Drogen macht das Reisen auf dem Hippie Trail zunehmen gefährlich. In den 70er Jahren gibt es auf einmal zahlreiche mysteriöse Todesfälle. Frauen, die tot angeschwemmt werden, Reisende, die spurlos verschwinden. Zunächst sind die Behörden der Länder entlang des Hippie Trails wenig alarmiert. Ungeklärte Todesfälle werden oft auf Drogen und Alkohol zurückgeführt.

Erst nach Monaten kommt heraus, dass es sich nicht um Unfälle handelt, sondern um eine Mordserie. Der berüchtigte Charles Sobhraj, heute auch „die Schlange“ genannt, raubt jahrelang Hippies aus um an deren Wertgegenstände und vor allem Pässe zu gelangen. Erst nach vielen Irrungen und Wirrungen wird er gefasst.

Die spannende Geschichte von Charles Sobhraj hören Sie auch exklusiv in der ersten Folge unseres neuen True-Crime-Podcasts „Tatort Reise“.

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Das Ende des Hippie Trails

Als Sobhraj schließlich für seine Morde verurteilt wurde, war der legendäre Hippie Trail längst Geschichte. Die Route entlang der alten Seidenstraße, die so viele junge Erwachsene einst prägte, konnte bereits Ende der 70er-Jahre nicht mehr bereist werden. Als es im Jahr 1979 zur Islamischen Revolution im Iran und zum Einfall der Sowjetunion in Afghanistan kam, wurde die Route unpassierbar.

Dennoch festigte der Hippie Trail nicht nur den Mythos von Hippies, die frei und ungebunden in ihren VW-Bussen reisten, sondern legte auch den Grundstein für alle Backpacker, die noch heute auf Sinnsuche durch Asien reisen. Ein Relikt aus dieser Zeit ist einer der bekanntesten Reiseführer der Welt, der „Lonely Planet“. Dessen erste Ausgabe veröffentlichten die Hippie-Trail-Reisenden Tony und Maureen Wheeler 1973.