29. August 2025, 13:34 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Für viele Menschen bedeutet Sommerurlaub, möglichst viel Zeit von morgens bis abends am Strand zu verbringen. Der nächste logische Schritt scheint da zu sein, sich dort einzurichten – und genau das tun offenbar immer mehr Urlauber: Sie schlagen buchstäblich ihre Zelte an nicht bewirtschafteten Küstenstreifen auf. Was harmlos klingen mag, erhitzt zunehmend die Gemüter. Warum das sogenannte „Beach Sprawling“ („to sprawl“ = „sich ausbreiten“) nun gebietsweise sogar verboten wird, erfahren Sie bei TRAVELBOOK.
Warum „Beach Sprawling“ für Ärger sorgt
„Das ist wahrscheinlich eine sehr unpopuläre Meinung“, erklärt TikTok-Nutzerin Melissad799 in einem Video, „aber ich hasse, hasse, hasse diese Zelte einfach! Sie sollten verboten werden.“ Und wenn man sie schon nutzen darf, dann ihrer Ansicht nach nur im hinteren Bereich des Strands. Die Frau täuscht sich – und zwar damit, dass ihre Meinung nicht mehrheitsfähig ist. Der inzwischen als „Beach Sprawling“ bekannte Trend, am Strand Zelte oder Pavillons aufzuschlagen, verärgert immer mehr Badegäste weltweit. Zunehmend melden sich Urlauber wie auch Ortsansässige zu Wort, denen durch das Camping-Equipment Sicht und Zugang zum Wasser versperrt wird. „Man kann seine Kinder nicht mehr im Wasser spielen lassen“, mahnt eine weitere Stimme in Melissad799s Video.
In den sozialen Medien wird heftig diskutiert. Während sich die einen – wie etwa Melissad799 – am aus ihrer Sicht rücksichtslosen Verhalten der „Beach-Sprawling“-Anhänger stören, rechtfertigen andere wiederum das Mitführen eigener Sonnenschutze und Rückzugsorte. Sie haben dadurch schließlich genügend Platz, auch etwa für mitgebrachte Speisen und Getränke im Schatten, und können sich großflächig vor der UV-Strahlung schützen. Klar, das Ganze ist nur an freien, also unbewirtschafteten Stränden möglich – dort, wo es keine feste Vermietung von Liegen, Strandkörben oder klar abgesteckten Parzellen gibt. Sich selbst um Liegeplatz und Sonnenschutz zu kümmern, ist logischerweise die günstigere Variante, und an solchen Stränden kann man, so die „Sprawler“, mitbringen, was man möchte. Das stimmt: Ein Verbot, Zelte aufzustellen, oder Vorgaben zur Größe von Sonnenschirmen gibt es in der Regel nicht. Doch erste Ausnahmen bestätigen bereits diese Regel.
Erste Strände verbieten „Beach Sprawling“
Die Stadt Ocean City im US-Bundesstaat Maryland hat für diesen Sommer neue Strandregeln beschlossen. Diesen zufolge sind Zelte, und damit sind sämtliche Sonnenschutzstrukturen mit geschlossenen Seiten gemeint, ab sofort verboten. Auch die Nutzung von Sonnenschutz-Pavillons, sogenannten Canopies, ist nur noch eingeschränkt erlaubt. Solche dürfen seit Juni 2025 maximal dreimal drei Meter groß sein und müssen einen Mindestabstand von einem Meter zum nächsten Badegast einhalten. Zudem ist ihre Aufstellung nur hinter dem Bereich der Rettungsschwimmer erlaubt, und zwar nicht vor 10 Uhr morgens unbeaufsichtigt am Strand – vermutlich um das Reservieren von Liegeplätzen zu verhindern. Insgesamt soll die neue Verordnung die Sicherheit erhöhen und allen Strandbesuchern ein angenehmeres Erlebnis ermöglichen. Laut einem Bericht der „New York Post“ gelten ähnliche Verbote in Delaware, New Jersey. Verstöße werden demnach mit Bußgeldern von umgerechnet bis zu rund 215 Euro geahndet.
Gut möglich, dass der Vorstoß Schule macht. Derzeit scheint „Beach Sprawling“ vor allem in den USA und Australien weitverbreitet zu sein. Sollte der Trend auch spürbar in Europa Einzug halten, dürfte das entsprechende Verbote nach sich ziehen. Im vergangenen Jahr erst haben verschiedene italienische Urlaubsorte eine Reihe von Regeln verabschiedet, darunter etwa das Verbot, sein Badetuch direkt auf den Sand zu legen, wie es auf Sardinien der Fall ist. Warum, und welche teilweise skurril anmutenden Regeln es sonst noch – beispielsweise am Gardasee – gibt, erfahren Sie hier.

