15. Juli 2026, 15:13 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Bereits zum zweiten Mal hat TRAVELBOOK-Autorin Anna Chiodo (früher Wengel) eine sogenannte „Coolcation“ gemacht. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen mit dem Reisetrend.
„Es ist so heiß hier – fast 38 Grad in meiner Wohnung“, lese und höre ich in den letzten Junitagen in verschiedenen Fassungen wieder und wieder auf meinem Telefon. Und blinzel jedes Mal ein bisschen amüsiert einen Regentropfen aus dem Auge oder schaue sehnsuchtsvoll auf den Fjord, der sich fast direkt vor meinem Wohnzimmerfenster erstreckt. In Bergen sind es nicht einmal 20 Grad. Statt Sommerkleid trage ich eine kuschelige Hose und einen Hoodie. Okay, ein bisschen mehr Sommer wäre schon auch okay.
Und den bekomme ich auch. Zumindest in Oslo. Dort herrschen während unserer Reise um die 28 Grad. Abends gehen die Temperaturen auf angenehme 20 Grad runter. Hitze war kein Problem in Norwegen in diesem Juni und Juli. Wohl auch deshalb gilt das skandinavische Land als ein ideales Ziel für eine „Coolcation“.
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Was ist eine Coolcation?
In einem anderen TRAVELBOOK-Artikel erklärten wir bereits, was sich hinter dem Wort „Coolcation“ verbirgt. Der Begriff setzt sich zusammen aus „cool“ und „vacation“, den englischen Begriffen für „kühl“ und „Urlaub“. Gemeint ist damit also ein Urlaub in klimatisch deutlich gemäßigteren Gefilden. Diese Destinationen locken mit Temperaturen teils weit unterhalb der 30-Grad-Marke – und bieten damit allen eine Erholungsgarantie, die die im europäischen Süden vorherrschenden Temperaturen nicht gut vertragen oder schlicht nicht mögen.
Dass dieser Trend so weite Kreise schlägt und anscheinend immer mehr Menschen nach Urlaubsorten suchen, an denen es warm, aber nicht heiß ist, hängt vor allem mit dem Klimawandel zusammen. Angesichts der Erderwärmung zeigen sich überall auf der Welt steigende Temperaturen, so wie gerade erst in Deutschland erlebt. Auch die altbekannten und beliebten Urlaubsorte werden heißer und damit, nicht nur wegen der ebenfalls steigenden Waldbrandgefahr, gefährlicher für den Menschen (mehr dazu bei unseren Kollegen von FITBOOK). Kurzum: kühlere Reiseziele werden beliebter.
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6 bis knapp 30 Grad
Ein Teil Europas, der häufig im Zusammenhang mit „Coolcations“ genannt wird, ist Skandinavien. Je nachdem, wo genau man sich auf der nordeuropäischen Landmasse aufhält, kann es angenehm warm bis hin zu kühl werden. Das durfte ich auf eben jener gerade beendeten Norwegenreise am eigenen Leib erfahren, als ich nicht nur nachts dicke Socken übergestreift, sondern meiner Tochter auch am helllichten Tag eine Wollmütze auf den Kopf gesetzt habe.
Um allen eventuell bald Norwegen-Reisenden, die nun ein bisschen geistig ins Schlottern geraten, direkt die Kälte-Angst wieder zu nehmen: Das war an genau zwei Tagen beziehungsweise Nächten der Fall. Zwei Wildcamping-Nächte, um genau zu sein, an denen wir nicht nur im Van übernachteten, sondern auch hoch oben im Gebirge. Dort lag sogar noch Schnee. Drumherum tat Norwegen jedoch, was man erwarten darf: Es verwöhnte uns mit allerlei wechselndem Wetter. Von Regen bis Sonne, von 6 bis knapp 30 Grad war alles dabei. Wie bei anderen „Coolcation“-Destinationen kommt es auch in Norwegen darauf an, wo man sich im Land aufhält.
Norwegen ist im Süden weitläufig und zieht sich Richtung Norden als schmaler Streifen bis zum Nordkap beziehungsweise weiter im Osten bis an Finnland und Russland. Entsprechend verschieden kann hier die Wetterkarte ausfallen. Während meiner Norwegenreise kam es vor, dass in Oslo sonnige 25 Grad lächelten, während wir in Bergen bei 17 Grad in Regenjacken im Boot saßen und diese auf keinen Fall gegen Badesachen tauschen wollten. Wohlgemerkt zu einer Zeit, in der eine Hitzewelle in Deutschland für laufende Ventilatoren und Menschen in Kühlschränken sorgte.
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Regen als „Coolcation“-Thema
Regen war auch in meiner ersten, versehentlichen, „Coolcation“ in Schottland zwei Jahre zuvor ein Dauerthema. Weit mehr als in Norwegen. Während wir in Edinburgh im August zauberhafte Sonnentage erlebten und die schottische Hauptstadt bei angenehmen Temperaturen und fast ohne Niederschlag besichtigen durften, hat es im Rest des Landes viel, um nicht zu sagen, sehr viel geregnet.
Und das ist vielleicht ein Nachteil der „Coolcation“: Dort, wo es nicht heiß ist, ist es mitunter recht regnerisch, auch im Sommer. Natürlich nicht überall. Wer keine Lust auf Regen hat, kann sich auf einen einigermaßen trockenen Urlaub im Osten Schwedens einstellen. Auch Finnland, Dänemark und Estland gelten als einigermaßen trocken. Wem Regen nichts ausmacht, dem seien für seinen Kühle-Urlaub Irland, der Westen Norwegens und Schottland angeraten. Alle drei sind zauberhafte und garantiert nicht zu heiße Destinationen (mit eventuell kurzzeitig auftretenden Ausnahmen), die sich in den Sommermonaten und darüber hinaus lohnen.
Fazit
Ich habe es schon geschrieben: Ich bin ein neuer Fan von „Coolcations“. Gerade, wenn ich ein Land erleben und entdecken möchte, finde ich es angenehmer, bei etwas niedrigeren Temperaturen durch die Gegend zu laufen. Missen möchte ich den europäischen Süden, allen voran Portugal, ebenso wie Asien, Australien und Co. jedoch nicht – und so ist für mich einmal mehr die Kombination richtig.
Überrascht war ich auf dieser letzten Reise in Norwegen jedoch besonders davon, wie viel Sommer wir am Ende hatten. Denn so gemütlich ich es in Bergen dank unserer zauberhaften Unterkunft und der diversen netten Cafés und Co. auch fand, ein bisschen vermisst habe ich den Sommer dort. Umso mehr genossen wir anschließend Oslo mit seinem kleinen Strand und dem sommerlichen Stadtgefühl.