Naturschutzbund zieht Bilanz

„Skandal“! So schlecht schneiden Kreuzfahrtschiffe beim Umweltranking ab

Royal Caribbean Enchantment of the Seas Cruise Ship
Die „Enchantment of the Seas“ vor den Bahamas. Das Kreuzfahrtschiff der Reederei Royal Caribbean wird, wie fast alle anderen Schiffe, von Schweröl angetrieben.
Foto: Getty Images

Der Deutsche Naturschutzbund (NABU) hat sein Kreuzfahrt-Ranking 2019 veröffentlicht. Das traurige Ergebnis: Trotz einzelner Verbesserungen belastet die Branche die Luft und auch das Klima zunehmend. Von den 89 auf umweltfreundliche Maßnahmen getesteten Schiffen können nur zwei punkten.

Das neue Ranking zeigt zum wiederholten Mal, wie wenig in der Kreuzfahrtbranche für den Umweltschutz getan wird. Zwar zog in diesem Jahr der italienische Mutterkonzern von Aida, Costa Crociere, mit seinem Neuzugang „Costa Smeralda“ mit der schon im Vorjahr gut bewerteten Aida Nova gleich. Beide Schiffe sind die einzigen, die mit Flüssiggas betrieben – trotzdem: „Die meisten Schiffe fahren aber weiterhin mit Schweröl und verzichten auf den Einsatz von Abgastechnik“, so die bittere Bilanz des NABU.

Neue Kategorie bei der Bewertung

Zum ersten Mal hat der NABU in diesem Jahr eine neue Kategorie eingeführt, in der Technologien zum Klimaschutz im Bereich der Antriebe und der Energieversorgung bewertet werden. Die bittere Bilanz: „Einzig zwei Segelschiffe sowie jene Schiffe, die über einen Landstromanschluss verfügen und über diesen ihren Energiebedarf während der Liegezeit im Hafen mit Strom aus erneuerbaren Quellen speisen, schneiden hier besser ab als die anderen.“ Hurtigruten setze mit dem Hybridschiff Roald Amundsen „neue Maßstäbe, die einen Effizienzgewinn des weiterhin diesel-elektrischen Antriebs und damit eine CO2-Minderung“ ermöglichten.

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Besonders tragisch auch: Das Flüssiggas LNG, das die AIDANova und die Costa Smeralda auf Platz eins des Rankings beförderte, ist nicht einmal sehr umweltfreundlich. Tatsächlich ist es ein fossiler Brennstoff und hat laut einer Studie den gleichen Einfluss auf die Umwelt wie Diesel. Doch zum Vergleich mit dem Schweröl ist das noch mit Abstand der geringere Schaden. Laut NABU stößt ein großes Kreuzfahrtschiff, das mit Schweröl angetrieben wird, so viel Schadstoffe aus wie fünf Millionen Autos auf gleicher Strecke.

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Ein „Skandal“

Der NABU findet angesichts der kaum verbesserten Situation deutliche Worte und nennt die Tatsache, dass viele Schiffe heute mit einem Jahrzehnte alten technischen Standard unterwegs seinen, einen „Skandal“. „Die Branche handelt absolut unzeitgemäß und verantwortungslos. (…) Es ist höchste Zeit, dass saubere Abgastechnik auf allen Schiffen verbaut wird und zur gesetzlichen Vorschrift für das Einlaufen in Häfen zu machen.“ Auch beim Thema Antrieb bedürfe es einer Wende und die gesetzlichen Bestimmungen müssten verschärft werden.

Das Ranking des NABU

Bereits seit 2010 stellt die nichtstaatliche Umweltschutz-Organisation eine Bewertung der europäischen Kreuzfahrtschiffe vor: Hauptkriterien sind, welcher Treibstoff in den Maschinen verbrannt wird, welche Filtertechniken verwendet werden, um die Verschmutzung durch Rußpartikel und Stickoxid zu verringern, ob bei den Liegezeiten in den Häfen Landstrom genutzt wird. Und eben seit diesem Jahr auch die neue Kategorie, die sich mit den Antriebstechniken beschäftigt.

Hier können Sie sich ansehen, wie die Reedereien abgeschnitten haben.