24. September 2025, 16:55 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Der Deutsche Naturschutzbund (NABU) hat sein Kreuzfahrt-Ranking für 2025 veröffentlicht. 14 Reedereien wurden in Hinblick auf ihre Bemühungen in puncto Umwelt- und Klimaschutz untersucht. Die Ergebnisse sind weiterhin ernüchternd – doch es gibt Lichtblicke.
Im aktuellen Ranking der Umweltorganisation NABU zeigt sich: Die Kreuzfahrtbranche kommt beim Klimaschutz weiterhin nur schleppend voran. Zwar ignoriert keine der großen Reedereien Umwelt- und Klimafragen vollständig, doch die Ambitionen bleiben laut NABU vielfach zu gering.
Das NABU-Kreuzfahrt-Ranking 2025
Der NABU hat 14 weltweit agierende Anbieter von Kreuzfahrten befragt, die für deutsche Kunden relevant sind. Bewertet wurden unter anderem Klimastrategien, Klimaschutzmaßnahmen, der Einsatz alternativer Kraftstoffe sowie die Nutzung von Landstrom. Das Ranking basiert auf den Angaben der Reedereien selbst.
Auf Platz eins liegt in diesem Jahr die norwegische Reederei Havila, die mit moderner Technik und einer vollständig landstromfähigen Flotte überzeugt. Sie überholt den ebenfalls norwegischen Jahresvorreiter Hurtigruten, der seit Jahren durch vergleichsweise ambitionierte Umweltmaßnahmen auffällt. Den dritten Rang sichert sich die französische Reederei Ponant, die bereits mit Windunterstützung experimentiert. Auf Platz vier findet sich die deutsche Marke Mein Schiff, die mit der methanolfähigen „Mein Schiff 7“ einen Schritt in Richtung alternativer Kraftstoffe wagt. Knapp dahinter landet AIDA Cruises, die ihre Flotte zunehmend mit Batterien ausrüstet. Hurtigruten Expeditions komplettiert die Spitzengruppe und belegt Platz sechs – ebenfalls mit Fokus auf kleinere, modernisierte Schiffe und ersten Ansätzen für mehr Effizienz.
Im Mittelfeld finden sich MSC Cruises (Platz sieben) und Hapag-Lloyd Cruises (Platz acht). Carnival mit seinen zahlreichen Marken wie Costa, Cunard oder Carnival Cruise Line landet erneut auf einem der hinteren Plätze (Platz neun), gefolgt von Marella und Norwegian Cruise Line. Royal Caribbean reiht sich ebenfalls weit unten im Ranking ein. Keine Auskünfte gaben – wie bereits in den Vorjahren – Phoenix Reisen und Viking Ocean Cruises.
Belastung für Umwelt und Klima bleibt hoch
Die norwegischen Anbieter profitieren nach Einschätzung des NABU von strengeren nationalen Regeln und moderneren, kleineren Schiffen. Doch auch hier gilt: Eine wirklich klimafreundliche Kreuzfahrt gibt es bislang nicht.
Der NABU stellt klar: Auch 2025 wird keine Kreuzfahrt angeboten, die Umwelt und Klima nicht belastet. Dennoch zeigten sich bei den Spitzenreitern Fortschritte. Dazu zählen neben energiesparender Bauweise und reduzierter Geschwindigkeit auch der Einsatz von Batterien, Brennstoffzellen und erstmals Windunterstützung auf einzelnen Schiffen. Zudem verfügen inzwischen alle Anbieter über landstromfähige Schiffe, einige wie Havila, Hurtigruten, Hurtigruten Expeditions und Mein Schiff sogar über vollständig ausgerüstete Flotten. Unklar bleibt allerdings, wie häufig die Reedereien diese Technik tatsächlich nutzen.
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Wahl des Kraftstoffs als Hauptproblem
Besonders kritisch bleibt die Treibstofffrage. Nur vier der untersuchten Reedereien verzichten grundsätzlich auf den Einsatz von Schweröl. Die meisten setzen weiter auf den giftigen, billigen Kraftstoff – oft kombiniert mit Abgaswäschern, deren Rückstände die Meere belasten. LNG, das vielfach als „Übergangslösung“ angepriesen wird, erweist sich laut NABU als Sackgasse, da beim Betrieb große Mengen Methan entweichen. Auch Biokraftstoffe mit Palmölanteilen gelten als klimaschädlich.
Stattdessen fordert der NABU Investitionen in erneuerbare Kraftstoffe nichtbiologischen Ursprungs, sogenannte eFuels wie Methanol oder Ammoniak. Hier hebt sich TUI Cruises mit der methanolfähigen „Mein Schiff 7“ leicht ab, doch insgesamt bleibt die Branche bei Neubauten wenig ambitioniert.
Fazit: Viel zu tun für die Branche
Im Ranking zeigen sich große Unterschiede zwischen den Anbietern. Während einige Unternehmen durch gezielte Maßnahmen vorangehen, scheinen Umwelt- und Klimaschutz bei anderen kaum Priorität zu haben. Die Hauptproblematik bleibt jedoch der fast flächendeckende Einsatz fossiler Kraftstoffe, der die Klimakrise und den Verlust der Artenvielfalt weiter anheizt.
Auch 2025 gilt daher: Die nachhaltigste Kreuzfahrt ist die, die nicht stattfindet. Zwar sinken die Emissionen pro Passagier tendenziell leicht, doch kann dies den Anstieg der Passagierzahlen nicht kompensieren. Ohne einen schnellen Umstieg auf klimaneutrale eFuels wird die Branche ihr Netto-Null-Ziel bis 2050 kaum erreichen.