4. August 2026, 11:35 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Hohe Temperaturen und ausbleibende Niederschläge können verschiedene Auswirkungen auf die Umwelt haben, darunter Dürre und Niedrigwasser. Davon ist inzwischen auch die Flusskreuzfahrtbranche betroffen. Denn sinkt der Wasserstand, steht den Schiffen weniger Wassertiefe zur Verfügung. Die niedrigen Pegelstände haben erste Reedereien bereits dazu veranlasst, ihre Routen auf mehreren europäischen Flüssen anzupassen. Auch wurden bereits Kreuzfahrten abgesagt.
Dass das Niedrigwasser die gesamte Binnenschifffahrt vor Herausforderungen stellt, erklärt auch der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). Dieser vertritt sowohl die Güter- als auch die Fahrgastschifffahrt. Für die Güterschifffahrt bedeuten niedrige Wasserstände unter anderem, dass Schiffe weniger Ladung aufnehmen können. Daneben können sinkende Pegel dazu führen, dass Flusskreuzfahrtschiffe bestimmte Strecken nicht mehr passieren können oder ihre Routen ändern müssen.
Von den niedrigen Wasserständen sind derzeit unter anderem Rhein, Main, Mosel und Donau betroffen. Welche Folgen das konkret für Reisende haben kann, zeigte erst vergangene Woche ein Zwischenfall auf der Donau: Wie das bulgarische Innenministerium am 28. Juli bekannt gab, lief das Kreuzfahrtschiff Viking Ullur aufgrund des niedrigen Wasserstands auf Grund. Die 186 Passagiere an Bord und 52 Crewmitglieder mussten evakuiert werden.
Erste Kreuzfahrten wegen Niedrigwasser abgesagt
Dieser Fall bildet zwar noch die Ausnahme, aber es wurden bereits erste Kreuzfahrten abgesagt. Etwa Nicko Cruises hat drei Donau-Kreuzfahrten zum Schwarzen Meer nicht durchführen können, wie das Portal „Kreuzfahrten und Schiffe“ unter Berufung auf eine Mitteilung an betroffene Passagiere berichtet.
Auch Viva Cruises musste eine Reise absagen: Die für den 3. August geplante Flusskreuzfahrt von Straßburg nach Düsseldorf konnte aufgrund des weiter sinkenden Rheinpegels und fehlender geeigneter Liegestellen nicht stattfinden, wie TRAVELBOOK auf Nachfrage bei der Reederei erfährt. Die betroffenen Gäste wurden auf andere Reisen umgebucht.
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Reedereien passen Routen und Schiffe an die Situation an
In vielen Fällen versuchen die Reedereien, die geplanten Kreuzfahrten weiterhin durchzuführen. So können etwa Reisen von Viva Cruises auf der Seine, der Rhône, dem Douro sowie den regulierten Kanälen Norddeutschlands und entlang der Ostseeküste planmäßig stattfinden. Ebenso sei der Rhein nördlich von Düsseldorf derzeit noch befahrbar, erklärt die Sprecherin. Allerdings sinken die Pegel teilweise innerhalb eines Tages um bis zu 20 Zentimeter, weshalb eine vorausschauende Planung erschwert ist. Die Reederei beobachtet die Lage fortlaufend – die Sicherheit der Gäste und der Crew steht demnach im Mittelpunkt.
Auch Phoenix Reisen weist darauf hin, dass aufgrund der dynamischen Situation kurzfristige Routen- oder Schiffsänderungen möglich sind. Die Wasserstände unterscheiden sich auf den einzelnen Flussabschnitten teils erheblich – oft entscheiden laut der Reederei nur wenige Zentimeter darüber, ob eine Passage möglich ist. Für speziell Reisen auf Donau, Mosel und Rhein mit Abfahrt bis einschließlich 12. August bietet Phoenix deshalb eine kostenfreie Umbuchung an. Ausgenommen sind Reisen nach Holland und Belgien.
Das Vorgehen aller Reedereien ist aktuell weitestgehend gleich: Sie beobachten die Wasserstände laufend und stimmen sich mit den zuständigen Behörden ab. Auch Arosa geht so vor. Das Unternehmen versucht, geplante Reisen trotz der niedrigen Wasserstände wie geplant durchzuführen, erklärt eine Sprecherin TRAVELBOOK. Ist ein Reiseverlauf nicht vollständig möglich, organisiert die Reederei nach Möglichkeit eine „attraktive“ Alternativroute inklusive Ausflugsprogramm. Aber auch bei Arosa gilt: „Sollte ein Reiseverlauf nur noch mit umfangreichen Einschränkungen möglich sein, sehen wir uns leider gezwungen, eine Reise abzusagen.“
Reisende sollten sich fortlaufend informieren
Damit Sie sich die aktuelle Situation besser vorstellen können: An einer offiziellen Messstelle im rheinland-pfälzischen Kaub lag der gemessene Wasserstand Ende Juli zeitweise bei weniger als 30 Zentimetern. Dabei ist jedoch wichtig, dass für die Befahrbarkeit nicht allein der Pegelstand entscheidend ist, sondern die tatsächliche Wassertiefe im jeweiligen Abschnitt.
Reisende sollten also bedenken, dass sich auch bei einer zunächst wie geplant stattfindenden Flusskreuzfahrt kurzfristig Änderungen ergeben können. Wer in den kommenden Wochen eine Reise auf Rhein, Mosel oder Donau gebucht hat, sollte vor der Abreise den aktuellen Stand beim Veranstalter prüfen. Besonders wichtig sind mögliche Änderungen des Ein- oder Ausschiffungshafens sowie des Reiseverlaufs.