Zum Inhalt springen
logo Deutschlands größtes Online-Reisemagazin
Kreuzfahrtschiffe Alle Themen
Tradition und praktische Gründe

Warum haben Schiffe oft einen roten Anstrich?

Mann vor rotem Schiff
Schiffe sind am Boden oftmals rot angestrichen. Welche Gründe hat diese Farbwahl? Foto: Getty Images
Artikel teilen
Anna Wengel
Freie Autorin

6. Januar 2026, 19:12 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Viele Schiffsböden sind rot angestrichen. Welche Gründe es für diese Bemalung gibt, ob auch andere Farben möglich sind und wie schädlich die Farbe für die Umwelt ist, beleuchtet TRAVELBOOK in diesem Artikel.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass viele Schiffe von unten rot sind? Falls nicht, wird es das von nun an vermutlich tun. Wir bei TRAVELBOOK haben uns gefragt, wieso das so ist. Gibt es praktische, technische und/oder wirtschaftliche Gründe für diese Farbwahl? Gibt es in der nautischen Welt Regeln, die eine solche rote Bemalung der Boote vorschreiben? Hat die Farbwahl vielleicht sogar eine interessante Geschichte? Wie gut oder schlecht sind diese Unterbodenfarben für die Meere und ihre Bewohner? Fragen über Fragen. Wir haben uns bei verschiedenen Experten informiert.

Rote Farbe mit klarer Funktion

Bevor wir zum Grund der Farbtonwahl kommen, möchten wir einmal klären, wieso unterhalb der Wasserlinie eines Schiffs überhaupt eine spezielle Farbe aufgetragen wird, die sich so klar von der Farbe abhebt, die man oberhalb des Wassers sehen kann. Das steckt dahinter.

Im Meer leben etliche Organismen, wie etwa Algen, Muscheln und Seepocken, die sich an ein Schiff andocken können. Dieser Bewuchs wird „Biofouling“ genannt, vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) als „unerwünschter Bewuchs von Unterwasserstrukturen durch Mikroorganismen, Pflanzen, Algen und Tiere“ definiert. Das englische Wort „Fouling“ bedeutet übersetzt so viel wie „Verschmutzung“ oder „Verunreinigung“.

Deshalb ist Biofouling unerwünscht

Ein derart bewachsener Rumpf erzeugt mehr Widerstand im Wasser, wodurch das Schiff abgebremst wird. Dadurch verbraucht es mehr Kraftstoff und benötigt mehr Wartung, muss der Meeresbewuchs regelmäßig abgekratzt und die Bootsunterseite gereinigt werden. Beides erhöht die Betriebskosten. Außerdem kann es zu Schäden am Rumpf durch die Meeresorganismen kommen.

Das BSH erklärt: „Effektive Antifouling-Systeme sind in der Schifffahrt unabdingbar, da sie nicht nur die Verbreitung von nicht-einheimischen Arten verhindern, sondern auch die hydrodynamischen Eigenschaften der Schiffe verbessern.“ Neben Treibstoff- und Kostenreduzierung gehe es auch um die Reduktion schädlicher Emissionen. „Vor diesem Hintergrund liegt ein wirksamer Bewuchsschutz gleichermaßen im Interesse von Schiffsbetreibern und Umwelt“, erklärt das Bundesamt.

Antifouling-Farben zum Bootsschutz

Um das Biofouling an Schiffen zu verhindern, werden oftmals sogenannte Antifouling-Farben eingesetzt – spezielle Farben, die dafür sorgen, dass der Schiffsboden keine beziehungsweise so wenig wie möglich unerwünschte Mitreisende bekommt. Das geschieht bisher oftmals durch in den Farben enthaltene Biozide. Und diese Farben sind oftmals rot.

Fischerboot mit roter Farbe
Rote Farbe am Boden von Schiffen ist Tradition Foto: Getty Images

Warum gerade Rot?

Der Grund für die rote Farbe liegt in erster Linie in ihren Bestandteilen. So verwendet man in der Praxis des Antifoulings traditionell kupferbasierte Farben. Kupfer besitzt „natürliche biozide Eigenschaften“, die den unerwünschten Bewuchs durch Meeresorganismen am Schiffsrumpf verhindern, schreibt etwa die umstrittene (und mittlerweile geschlossene) US-amerikanische Organisation Environmental Literacy Council (ELC). Reines Kupfer hat eine rötlich-braune Farbe, entsprechend färbten diese frühen Antifouling-Farben die Bootsunterseite rot.

Dr. Burkard Watermann, Meeresbiologe und Betreiber des privaten Forschungsinstituts Limnomar (kurz für: Labor für limnische, marine Forschung und vergleichende Pathologie), bestätigt gegenüber TRAVELBOOK: „Die rote beziehungsweise braune Farbgebung stammt aus den Kupfergehalten der meisten Antifoulingprodukte in der Großschifffahrt.“ Darüber hinaus werde oftmals „Eisenoxid als Pigment zugesetzt, welches die Rottönung hervorruft“, Der Meeresbiologe gibt jedoch zu bedenken: „Eisenoxid wird bisher nicht als bedenklich eingestuft, Kupfer als Biozid sehr wohl.“

Mehr zum Thema

Umweltverträglichkeit und Alternativen

Angesichts der Negativauswirkungen, die Biozide – wie etwa Kupfer –, für die Umwelt haben, wird die Frage nach ökologisch verträglicheren Alternativen lauter. Allerdings noch nicht allzu lange: So wurden etwa neben Kupferfarben ab Mitte des letzten Jahrhunderts die weit wirksameren Organozinnverbindungen, besonders Tributylzinn, eingesetzt. Diese stellten sich jedoch als so umweltschädlich heraus, dass „Tributylzinn (TBT) und andere hochgiftige Organozinnverbindungen in Antifouling-Anstrichen [seit 2008] verboten“ sind, wie das BSH schreibt.

Heute gängige Antifoulingfarben bestehen laut ECB aus einer komplexen Mischung aus Bioziden, Bindemitteln und Pigmenten. Kupfer(I)-oxid oder andere Kupferverbindungen seien weiterhin enthalten, ebenso wie weitere Biozide. Neben den traditionellen roten Farben gibt es inzwischen auch andere Farbtöne, wie etwa Blau, Grün, Schwarz, Grau und Weiß.

Meeresbiologe Dr. Watermann macht deutlich, dass gerade biozidfreie Systeme in mehreren Pigmentierungen erhältlich seien. Laut dem Experten ist Rot auch nicht die einzige Farbe, die für den Boden von Schiffen eingesetzt wird. So gebe es gerade im Sportbootbereich andere Farbtöne, „da dort auch Kupferthiocyanat eingesetzt wird, welches eine blaue Einfärbung hervorruft“, erklärt er TRAVELBOOK. In der Binnenschifffahrt hingegen sei der Schiffsboden oftmals schwarz gefärbt. Das liege in erster Linie daran, dass dort „keine Antifouling-Beschichtungen eingesetzt werden, sondern nur Korrosionsschutz, welcher mit Grafit schwarz gefärbt wird.“

Russische Kriegsschiffe mit roter Farbe
Selbst Kriegsschiffe, wie diese russischen Militärschiffe, haben mitunter rote Anstriche Foto: Getty Images

Zu den Kupfer-Alternativen hat sich auch der Automobilclub ADAC auf seinem Schifffahrtsportal Skipper geäußert. Dort heißt es, dass einerseits die Gesetzgeber zunehmend härter und restriktiver regulierten, die Eigenverantwortung von Bootsbesitzern in Sachen Gewässerschutz jedoch gleichzeitig gestiegen sei. Der ADAC rät, statt der Biozide auf umweltfreundliche Alternativen zu setzen: „Moderne, kupferfreie und silikonbasierte Lösungen sind eine gute Wahl“, ebenso eigneten sich Folierungen und Coatings. Außerdem könnten Bootsbesitzer „mechanische Alternativen nutzen“, wie etwa Bürsten- oder Tauchroboter. Auch eine jährliche Erneuerung des Antifoulings hält das Unternehmen für nicht notwendig und rät stattdessen zu einer gründlichen Reinigung, solange das Antifouling noch intakt ist.

Warum immer noch Rot?

Trotz der Fortschritte und Viel- beziehungsweise Nichtfarbigkeit moderner Antifouling-Methoden scheint Rot auf vielen Schiffen unterhalb der Wasserlinie weiterhin die erste Wahl zu sein. Warum? Die Infoplattform Maritime Page begründet das mit der nautischen Tradition. Das untermauert das brasilianische Nachrichtenportal Click Petróleo e Gás (CPG). Dort heißt es: „Die Schiffbauindustrie stützt sich auf etablierte Bau- und Instandhaltungsstandards.“ Konventionelle Farben erleichterten die Sichtprüfung, sowohl in Häfen als auch bei Reparaturen im Trockendock: „Wenn der rote Rumpf dunkler wird oder Flecken aufweist, ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass ein neuer Anstrich erforderlich ist“, schreibt CPG.

Frachtschiff mit rotem Boden
Rote Farbe hilft, um Beladung von Frachtschiffen besser einzuschätzen Foto: Getty Images

Ein weiterer Grund ist laut beiden Quellen die Sichtbarkeit im Wasser, hebe sich Rot deutlich davon ab. Durch diesen Kontrast könne man etwa den Beladungszustand eines Schiffs bestimmen, weil besser zu sehen sei, wie tief der Schiffsrumpf im Wasser liege. Auch aus der Luft sei die rote Farbe leichter erkennbar, im Notfall ebenfalls hilfreich, wie Maritime Page erklärt. CPD ergänzt: der Kontrast des roten Rumpfs erleichtere darüber hinaus das Anlegen sowie eventuelle Arbeiten im Hafen.

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.