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Autorin vor Ort

»So authentisch war mein Urlaub bei Einheimischen in Georgien

Rabati Burg Georgien
Die imposante Burg Rabati zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Akhaltsikhe und vereint Spuren verschiedener Kulturen und Religionen Foto: Luna Vogt

4. Oktober 2026, 7:35 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Das Schönste am Reisen ist für mich, neben tollen neuen Orten auch unterschiedliche Menschen kennenzulernen. Eine meiner Reisen hat mich zu Keso geführt. Keso ist Georgierin und lebt momentan in Tbilisi, der Hauptstadt von Georgien. Bei einem Besuch zeigte mir ihre Familie die georgische Kultur und auch Orte, die einen zum Staunen bringen.

Khachapuri-Workshop mit der georgischen Oma

Wer nach Georgien reist, sollte sich bewusst sein, dass man definitiv mit einigen Kilogramm mehr auf der Waage zurückkommt. Bereits bei dem Gedanken an typische georgische Gerichte wie beispielsweise „Khinkali“, kleine gefüllte Teigtaschen, oder auch das Fladenbrot mit einer Käseschicht namens „Khachapuri“, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Ich selbst lebe vegetarisch und war ziemlich beeindruckt, wie viele vegetarische Möglichkeiten es in Georgien gibt. Bisher habe ich nämlich die Erfahrung gemacht, dass es in manchen Kulturen oder Ländern schwierig sein kann, wirklich satt zu werden ohne die übliche, fleischige Hauptzutat.

Keso erklärte mir jedoch, dass in Georgien zum großen Teil pflanzlich gekocht wird. Dies läge unter anderem an der strikten Fastenzeit der orthodoxen Kirche, wo man insgesamt fast 200 Tage im Jahr auf Fleischprodukte verzichten müsse. Dadurch haben sich über Jahrhunderte viele Rezepte auf Basis von Gemüse, Bohnen, Kräutern und Walnüssen entwickelt, die mittlerweile aber auch außerhalb der Fastenzeit zubereitet werden.

selbstgemachtes Khachapuri
Georgische Spezialitäten wie Khachapuri und Khinkhali lassen das Wasser im Mund zergehen Foto: Luna Vogt

Das gemeinsame Kochen gehört in Georgien zur Kultur dazu. Und da ich als Gast auf jeden Fall Khachapuri probieren sollte, zeigte mir Kesos Oma gleich am ersten Tag, wie das leckere käsegefüllte Fladenbrot zubereitet wird. Der Teig besteht aus traditionellem Hefeteig und wird mit Sulguni-Käse befüllt. Der Käse wird meist aus Kuhmilch hergestellt und hat einen leicht salzigen Geschmack, weshalb er ideal geeignet ist für das Gericht. Da die Familie eigene Kühe besitzt, konnte ich den Salguni-Käse aus erster Hand probieren und war von dessen Saftigkeit begeistert. Die zusammengeknäulten Käsekugeln werden schließlich in den Teig eingearbeitet und zu einem flachen Fladenbrot gerollt. „Je nach Region bereiten es die Georgier in einer öligen Pfanne oder im Backofen zu“, erklärte mir Keso.

Akhaltsikhe beeindruckt mit der Burg Rabati

Georgien ist mit einer Gesamtfläche von fast 70 Quadratkilometern zwar nicht besonders riesig, aber zu sehen gibt es dafür trotzdem einiges. Durch den Besuch bei Verwandten meiner georgischen Freundin, konnte ich unter anderem den Süden Georgiens entdecken. Gehaust haben wir in Rust’avi einem Dorf in der Nähe von Akhaltsikhe, der Hauptstadt der südlichen Region Samtskhe-Javakheti. Akhaltsikhe ist besonders bekannt für ihre Festung mit dem Namen „Rabati“. Die Burg ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt und steht für die Toleranz verschiedener Religonen. Im oberen Teil der Festungsanlage stehen nämlich eine Kirche, eine Moschee und eine Synagoge direkt nebeneinander. Die Burg stand genau an der Grenze des georgischen Christentums und des muslimischen Osmanischen Reichs und blieb selbst über mehrere Eroberungen und Kriege, ein Knotenpunkt für die in Georgien existierenden Religionen.

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Vardzia war das Versteck für Tausende von Menschen

Vardzia Georgien
Die vielen Höhlenräume stellten das Zuhause für über 50.000 Menschen dar Foto: Luna Vogt

Vardzia machte mich sprachlos: Die im 12. Jahrhundert erbaute Höhlenstadt ragt zwischen den riesigen Bergen empor und bietet eine atemberaubende Aussicht auf die georgische Landschaft. Für ein paar wenige Lari konnten wir die Felswand besichtigen und uns die kleinen Höhlen genauer anschauen. Ein Verwandter von Keso erzählte mir dabei die Legende, wie der Name Vardzia entstanden sein soll. Die georgische Königin Tamar soll als Kind von ihrem Onkel auf einen Jagdausflug mitgenommen worden sein. Er sagte ihr, dass sie in den Höhlen auf ihn warten müsse, bis er von seiner Jagd zurückkommt. Als ihr Onkel wiederkam, konnte er sie nicht entdecken und habe gerufen: „Tamar, wo bist du?“, worauf die junge Prinzessin antwortete: „Aq var, dzia!“ (Ich bin hier, Onkel!). Aus diesen Worten soll der Name „Vardzia“ entstanden sein.

Besonders beeindruckt mich, dass in all diesen knapp 6.000 Wohnräumen bis zu 50.000 Menschen leben konnten. In den Räumlichkeiten gibt es Höhlen, die als Küche dienten, Toiletten, aber auch eine Kirche und Vermählungsräume wurden eingebaut. Die Höhlenstadt war zunächst als Schutz vor feindlichen Angriffen gedacht und diente später als Kloster. Sie wurde 500 Meter über dem Fluss Mtkvari erbaut, welcher als Wasserquelle für die Bewohner in der Höhlenstadt diente. Bis heute stellt die Wasserversorgung des Vardzia eine der beeindruckendsten Baukonstruktionen im Mittelalter dar, die im 12. Jahrhundert entstand. Denn die Leitungen vom Fluss waren nicht nur zur Befüllung des Wasserreservoirs gedacht, aber auch Luftkanäle sorgten dafür, dass in den Höhlen genug Sauerstoff für die Menschen vorhanden war.

Borjomi-Park mit heiligem Mineralwasser

Borjomi Parc
Das ist geprägt von der atemberaubenden Natur und dem bekannten Mineralwasser, was tief aus dem Gestein fließt Foto: Luna Vogt

Borjomi ist geprägt durch eine Kulisse, die man normalerweise nur aus mystischen Filmen kennt. Weitläufige Berge, riesige Bäume und ein romantischer Fluss, der direkt durch die Stadt fließt. Bekannt ist Borjomi besonders für dessen vulkanisches Natrium-Hydrogencarbonat-Mineralwasser, das man direkt aus einem Gestein trinken kann. Viele Leute befüllten bei unserem Besuch an entsprechenden Quellen ihre Wasserflaschen und eine einheimische Dame erzählte mir, dass das Borjomi-Wasser als Heilwasser gilt und viele Geschichten über dessen wundersame Wirkung existieren.

Auch der Borjomi-Park war ein Highlight. Zwar muss man dafür Eintritt zahlen, aber für die Aussicht und die entspannte Atmosphäre, lohnt sich ein Besuch. Sowohl für Wanderfans, als auch für gemütliche Spaziergänger finden sich hier schöne Wege, die man entlanglaufen kann. Einer der Waldwege führt zu einem kleinen Quellbad, das mit dem Borjomi-Wasser gefüllt ist und zum Baden bereitgestellt wird. Mit einem Badeanzug oder Bikini kann man sich also in das „heilige“ Wasser legen und nebenbei hinauf in die Berge blicken.

Mein Urlaub bei Kesos Familie war wirklich ein schönes und unvergessliches Erlebnis. Zwischen so vielen negativen Nachrichten auf der Welt, bin ich für solche gastfreundlichen und hilfsbereiten Menschen dankbar und würde mir wünschen, dass man sich davon eine Scheibe abschneidet. Außerdem hat mir die Oma meiner georgischen Freundin ein paar Rezepte der typischen Gerichte mitgegeben, aber jedem meiner Leser hier würde ich dann doch empfehlen, die Gerichte mit den Zutaten vor Ort zu probieren und sich zudem die tolle Landschaft Georgiens mit eigenen Augen anzuschauen.

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