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TRAVELBOOK-Autor ganz planlos unterwegs

So war mein spontaner Roadtrip in die Dolomiten und nach Slowenien

Unser Autor ist spontan mit dem Auto losgefahren und in den Dolomiten gelandet
Unser Autor ist spontan mit dem Auto losgefahren und in den Dolomiten gelandet Foto: Martin Lewicki
Martin Lewicki

9. Oktober 2026, 16:55 Uhr | Lesezeit: 12 Minuten

Urlaub wird oft geplant wie ein kleines Projekt: Unterkunft sichern, Route festlegen, Restaurants speichern, Parkplätze recherchieren. Möglichst früh, möglichst gründlich, möglichst ohne Überraschungen. Viele Menschen lieben genau das: die Planung als Vorfreude auf die Reise. Unser Autor allerdings nicht so. Das birgt einige Risiken, aber auch Benefits, wie er auf seiner spontanen Autoreise in die Dolomiten feststellte.

Zugegeben: So richtig planlos bin auch ich nie in die Welt gezogen. Doch diesmal war bis kurz vorher ungewiss, ob ich meinen zweiwöchigen Urlaub überhaupt antreten kann. Und so habe ich nichts großartig recherchiert, geplant oder gebucht. Erst einen Tag vor der Abreise war klar: Ich fahre. Also packte ich Anfang September meine Camping-Utensilien und etwas Kleidung für zwei Wochen ins Auto. Vor Augen hatte ich ein grobes Ziel, das seit Jahren auf meiner To-Visit-Liste stand: die Dolomiten. Und danach vielleicht auch noch Slowenien. Mein spontaner Roadtrip konnte losgehen.

Notfalls wird gezeltet

Die Camping-Utensilien waren hauptsächlich für den Notfall gedacht, falls ich kurzfristig keine günstige Unterkunft finden sollte. Denn mit einem Zweimann-Zelt kann man normalerweise auf jedem Campingplatz irgendwo sein Lager aufschlagen – dachte ich. Aber dazu später mehr.

Bevor ich losfuhr, schaute ich erst mal in die Karten-App: Diese prognostizierte von Berlin aus mindestens zehn Stunden reine Fahrzeit ohne Pausen bis in die Dolomiten. Aber bei einem Roadtrip geht es nicht darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen, sondern darum, die Fahrt an sich zu genießen und unterwegs möglichst viel zu erleben. Also beschloss ich, einen Zwischenstopp in Innsbruck einzulegen, da die österreichische Stadt direkt auf der Route liegt.

Danach schaute ich mir noch schnell die Unterkünfte in Innsbruck auf Airbnb und Booking an. Wenig überrascht stellte ich fest: Einen Tag vor der Anreise ist die Auswahl spärlich und teuer. Bessere Optionen zu günstigeren Preisen gibt es, wenn man den Suchradius erweitert. Und so fand ich etwa 30 Autominuten von Innsbruck entfernt im malerischen Stubaital eine rustikale Unterkunft mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Innsbruck
Schöner Zwischenstopp: Innsbruck Foto: Martin Lewicki

Bleib doch so lange, wie du willst!

Ein spontaner Roadtrip hat einen großen Benefit: Du kannst völlig flexibel entscheiden, wie lange du an einem Ort bleibst. Und da die Internetbilder der Umgebung im Stubaital vielversprechend aussahen, buchte ich gleich zwei Nächte. Am nächsten Morgen ging es um 8:30 Uhr in Berlin los. Überraschenderweise kam ich schon gegen 16 Uhr in Innsbruck an – und damit aus dem flachen Berlin direkt in die bergige Landschaft Österreichs. Im Nu war der Berliner Alltag vergessen. Immer wieder faszinierend, wie stimmungshebend sich ein Orts- und Landschaftswechsel auswirkt.

Nach der Stadtbesichtigung ging es abends zum Übernachten ins Stubaital. Schon bei der Buchung hatte ich netterweise einen Last-Minute-Rabatt bekommen. Als ich vor Ort ankam, gab es zusätzlich ein kostenloses Zimmer-Upgrade, „da die meisten Zimmer eh frei sind“, wie mir die Betreiberin großzügig verkündete. Das ist einer der großen Benefits, wenn man außerhalb der Hauptreisezeit urlauben kann. Und so bekam ich gleich zwei Zimmer mit Küche und zwei Balkonen mit Ausblick auf die Berge zum halben Preis. Besser kann der Urlaub gar nicht beginnen. Inklusive war auch die Stubai Super Card für Übernachtungsgäste im Tal, mit der sich die Bergbahnen der Region kostenlos nutzen lassen. Eine große Geldersparnis! Damit ging es für 0 Euro zur Aussichtsplattform Top of Tyrol (3210 Meter Höhe) und auch zu beliebten Wanderrouten wie dem Panoramaweg oder dem WildeWasserWeg.

Aussichtsplattform Top of Tyrol liegt auf 3210 Metern
Aussichtsplattform Top of Tyrol liegt auf 3210 Metern Foto: Martin Lewicki

Jetzt aber in die Dolomiten

Nach zwei Tagen in Tirol ging es weiter in die Dolomiten, das eigentliche Ziel des spontanen Roadtrips. Auch hier nutzte ich meine Karten-App für die Suche nach strategisch gut gelegenen Unterkünften. Diesmal waren es Campingplätze. Denn was gibt es Schöneres, als morgens mitten in den Bergen aufzuwachen? Und es ist günstiger als jede andere Art des Übernachtens. Bei der Auswahl vertraute ich hauptsächlich auf die User-Bewertungen und entschied mich am Ende für Camping Miravalle im Val di Fassa. Bis spätestens 19 Uhr musste ich dort einchecken.

Um Punkt 18:30 Uhr stand ich mit einem 30-minütigen Puffer an der Rezeption des Campingplatzes. Genützt hat es mir nichts. Denn die Empfangsdame fragte mich in fließendem Deutsch: „Haben Sie eine Reservierung?“ Ich antwortete: „Nein. Aber ich brauche nur einen kleinen Zeltplatz.“ Es tue ihr leid, aber sie seien komplett ausgebucht. Die vielen ADAC-Sterne-Auszeichnungen, die an der Wand hinter ihr hingen, ziehen offenbar auch außerhalb der Hauptreisezeit viele Camper an. Sie vertröstete mich: „Aber Sie können es nebenan bei Camping Marmolada versuchen.“

Enttäuscht stieg ich wieder ins Auto und fuhr fünf Minuten weiter zum Camping Marmolada. Dieser ist übrigens nicht nach einem Fruchtaufstrich benannt, sondern nach dem gleichnamigen Bergmassiv in den Dolomiten. Dort angekommen, hingen an den Wänden der Rezeption keine ADAC-Auszeichnungen. Dafür bekam ich aber sofort einen Zeltplatz zugewiesen. Dieser befand sich leider auf steinigem Boden, sodass sich die Heringe zum Befestigen der Zeltplane nur mit größter Mühe halbwegs in den Boden drücken ließen. Meine extradicke aufblasbare Isomatte machte den Steinboden trotzdem schlafbar. Letztlich war ich froh, vor Anbruch der Dunkelheit einen Zeltplatz gefunden zu haben. Und so blieb ich trotz der bescheidenen Ausstattung drei Nächte.

Der Campingplatz in den Dolomiten
Der Campingplatz in den Dolomiten Foto: Martin Lewicki

Auf eine Steigung folgt immer eine Belohnung

Wer sowohl gerne wandert als auch gerne auf malerischen Passstraßen unterwegs ist, wird die Gegend um den Piz Boè, den höchsten Gipfel der Sellagruppe, lieben. Man kann quasi im Kreis um das Massiv herum von einem Aussichtspunkt zum nächsten fahren, zum Beispiel zum Sellajoch, zum Grödner Joch und zum Pordoijoch. Allein in dieser Gegend kann man mehrere Tage verbringen und immer wieder Neues entdecken.

Vom Pordoijoch führt auch die wunderschöne Panoramawanderung Viel dal Pan (Bindelweg) auf über 2000 Metern Höhe entlang. Ebenfalls sehr empfehlenswert ist eine weitere beliebte Panoramawanderung, die etwas weiter östlich am Passo Falzarego beim Lago Limides beginnt. Von hier aus geht es auf dem Wanderweg 441 zu den Cinque Torri, den fünf ikonischen Felstürmen. Die Wanderung ist zwar anspruchsvoller, aber jeden Schritt und jede Steigung wert!

Spektakuläre Ausblicke in den Dolomiten
Spektakuläre Ausblicke in den Dolomiten Foto: Martin Lewicki

Die Bergseen nicht vergessen!

Wenn man schon mit dem Auto in den Dolomiten unterwegs ist, sollte man sich zwischendurch einen der türkisblauen Seen anschauen. Das lässt sich sogar in einer Tour verbinden, indem man zum Beispiel den Lago di Misurina und den Lago di Landro kombiniert. Am Lago di Landro gibt es auch eine schöne Aussicht auf die Drei Zinnen. So kann man sich die Fahrt zur Top-Attraktion Pragser Wildsee (Lago di Braies) sparen, wenn man in der Hauptsaison nicht 44 Euro für die Zufahrt zum See bezahlen möchte.

Dann lieber einen Abstecher zum Lago di Carezza (Karersee) machen. Auch hier gibt es traumhafte Postkartenmotive, wenn man das Auto auf dem benachbarten, kostenpflichtigen Parkplatz abgestellt hat. Kleiner Tipp: Viele Parktickets kann man auch mit der EasyPark-App buchen. Der große Vorteil: Wenn man doch irgendwo länger wandern oder verweilen möchte, kann man die Parkzeit bequem per App verlängern, anstatt zurück zum Auto zu eilen.

Überrascht hat mich, wie stark die Dolomiten auch Anfang bis Mitte September noch besucht sind. Viele Camper aus Deutschland und Italien erkunden diese unwirklich schroffe Berglandschaft. Man kann es ihnen ja nicht verübeln. Trotz der vielen Touristen sind die Preise in Restaurants und Cafés noch einigermaßen in Ordnung und bewegen sich etwa auf deutschem Niveau.

Dolomiten
TRAVELBOOK-Autor und Wanderfan Martin Lewicki in den Dolomiten Foto: Martin Lewicki

Wenn Dolomiten, dann auch gleich Slowenien dazu

Aber meine Reise sollte nicht in den Dolomiten enden. Schon lange stand Slowenien auf meiner To-Visit-Liste. Praktisch also, dass es von den Dolomiten bis an die slowenische Grenze je nach Route maximal vier Stunden Autofahrt sind. Das Beste daran: Man ist gleichzeitig an der Adriaküste, von der Slowenien im Vergleich zu Italien und Kroatien das kleinste Stück hat. Nicht einmal 50 Kilometer beträgt die gesamte Küstenlinie. Was aber nicht heißt, dass es nichts zu sehen und zu erleben gibt. Ganz im Gegenteil.

Doch zunächst braucht man eine Unterkunft. Und wieder lohnt sich ein Blick in die einschlägigen Unterkunfts-Apps, um sich einen Überblick zu verschaffen. Die Auswahl war ernüchternd: Viele der Unterkünfte waren relativ teuer oder machten keinen guten Eindruck. Auch die Campingplätze gehören nicht zu den besten an der Adria. Doch es gibt ja noch Triest. Die italienische Hafenstadt liegt fast direkt an der Grenze zu Slowenien. Und sie bietet eine große Auswahl an schönen und preiswerten Unterkünften. Zudem hat man die Gelegenheit, eine dieser italienischen Städte zu entdecken, die man sonst nicht gezielt ansteuern würde. Und so buchte ich für vier Nächte eine Wohnung in einer alten italienischen Villa in Triest.

Während ich also tagsüber von Triest aus die slowenische Küste mit den Städten Koper, Izola und Piran entdeckte, genoss ich abends das Flair der Hafenstadt. Denn insbesondere die Gegend um den Canal Grande di Trieste, die Barriera Nuova und der lebendige Kiez am Museo Revoltella erwachen abends zum Leben. Am nächsten Tag ging es wieder zurück an die slowenische Adriaküste zu einem der Strände mit kristallklarem Wasser. Nur feinen Sand darf man hier nicht erwarten, denn die Küste ist steinig – ideal zum Schnorcheln!

Sloweniens Adriaküste bietet glasklares Meerwasser zum Schnorcheln
Sloweniens Adriaküste bietet glasklares Meerwasser zum Schnorcheln Foto: Martin Lewicki

Ljubljana und Bled sind nicht grundlos Touristenmagneten

Tatsächlich reichen zwei bis vier Tage, um die slowenische Küste zu erkunden. Und so ging es anschließend direkt von Triest nach Ljubljana, das nicht einmal 1,5 Autostunden entfernt ist. Die Stadt ist schon lange kein Geheimtipp mehr, und so überraschte es wenig, wie viele internationale Touristen hier unterwegs waren. Vor allem am Wasser reihen sich in der Altstadt Cafés, Bars und Restaurants aneinander. Kein Wunder, denn die Stadt ist wirklich sehenswert. Dennoch suchte ich mir eine Unterkunft außerhalb der Stadt aus. Diese lag 15 Autominuten entfernt im Ort Pijava Gorica. Dafür gab es hier ländliches Flair mit morgendlichem Kaffee auf der Terrasse und Blick von oben auf die benachbarten Orte.

Natürlich sollte man die größte Attraktion des Landes nicht auslassen: den Bleder See. Dieser wird von einer Berglandschaft mit weißen Gipfeln umrahmt, während in der Mitte des Sees die Marienkirche auf einer Insel thront. Und das Beste daran: Man kann in dem Bergsee auch noch schwimmen. Der Preis dafür: Parkgebühren von bis zu 6 Euro pro Stunde. Wer gerne etwas Privatsphäre und Ruhe haben möchte, der findet etwas weiter den Bohinjer See. Der See ist groß genug, dass man auch eine kleine Bucht für sich allein findet. Und landschaftlich ist man hier noch näher an den Bergen, die sich teils weit über 2000 Meter in die Höhe erheben.

Bleder See
Beliebtes Fotomotiv: die Marienkirche, die mitten im Bleder See thront Foto: Martin Lewicki
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Schlechtes Wetter? Kein Problem. Einfach weiterfahren

Das Wetter ist meist der größte Risikofaktor auf einer Reise. Ich hatte fast zwei Wochen lang durchgehend Sonne und um die 30 Grad. Besser geht es kaum. Doch zwei Tage vor Ende der Reise schlug das Wetter um, und es sollte in Slowenien zwei Tage lang durchregnen. Ausgerechnet an den Tagen, an denen ich in den Bergen wandern wollte. Anstatt zwei Tage im Regen zu verbringen, entschied ich mich spontan, nach Tschechien aufzubrechen, da es auf dem Weg nach Berlin lag und die Regenfront südlich davon vorbeiziehen sollte.

Und so landete ich in Krumau an der Moldau (Český Krumlov), einer mittelalterlichen Stadt, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Dabei ist sie nach Prag wohl die größte Attraktion Tschechiens. Tagsüber kommen ganze Reisebusse und Privattransfers aus Prag, um diese einmalig schöne Altstadt zu besichtigen. Ihren vollen Zauber entfaltet sie aber erst nachts, wenn die meisten Besucher abgereist sind und man plötzlich allein durch die mittelalterlichen Gassen und um die beeindruckende Schlossanlage zieht, während überall das Plätschern der Moldau zu hören ist. So erlebte ich die größte Überraschung meiner Reise ganz am Ende bei einem völlig ungeplanten Zwischenstopp in einer Stadt, wie ich sie vorher noch nie gesehen hatte.

Ljubljana
Schöne Stimmung am Wasser in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana Foto: Martin Lewicki

Fazit: Auch ungeplant reist es sich gut

Ein spontaner Roadtrip ist gar nicht so schwierig. Wichtig ist, ein grobes Ziel vor Augen zu haben und bei der Unterkunftssuche Flexibilität und Kreativität walten zu lassen. Manchmal klappt es nicht mit der Unterkunft, die man sich wünscht, oder man verpasst eine Sehenswürdigkeit. Doch am Ende sind das alles nur Kleinigkeiten – und genau sie machen einen Roadtrip so aufregend und voller Überraschungen. Auch wenn es heutzutage selbstverständlich erscheint, sollte man es vielleicht noch erwähnen: Das wichtigste Utensil auf solch einer Reise ist das Smartphone mit mobilem Internet. Glücklicherweise sind Roaming-Gebühren in der EU kein Thema mehr. Damit kann man überall nach Unterkünften, den besten Sehenswürdigkeiten, den schönsten Wanderrouten und Parkmöglichkeiten recherchieren – und natürlich den Weg zurück nach Hause finden. Nach rund 3200 Kilometern kann ich nur sagen: Nächstes Jahr wieder! Wohin? Keine Ahnung. Entscheide ich spontan. 

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