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Inklusive Rezept für das perfekte Urlaubsglück

Wie und warum Reisen glücklich macht

Glückliches Paar am Strand
Reisen macht uns glücklich. Doch warum eigentlich? Foto: Getty Images
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Anna Wengel
Freie Autorin

26. Mai 2026, 7:35 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Gibt es eine Formel, mit der das ideale Urlaubsglück erreicht werden kann? Und was ist es am Reisen eigentlich, das uns so glücklich macht? TRAVELBOOK versucht sich an einer Antwort.

Ich bin am glücklichsten, wenn ich reise. Sie auch? Unterwegs zu sein und die Welt in all ihren Facetten, Farben und Kulturen zu entdecken, ist für mich neben meiner Familie und meinem Schreiben das, was mich am glücklichsten macht. Kommen alle drei zusammen, am besten garniert mit Sonne und Meer, ist mein Glück perfekt. Woran aber liegt es, dass Reisen mich so glücklich macht?

Auf der Suche nach einer Antwort auf diese für mich profunde Frage (deren ehrliche Antwort den TRAVELBOOK-Rahmen jedoch sprengen würde), bin ich auf einen Artikel der „Welt“ (gehört ebenfalls zu Axel Springer) gestoßen, der mich hat aufhorchen lassen: Die Autorin dort behauptet nicht nur, das Rezept für Urlaubsglück sei „verblüffend simpel“. Es brauche darüber hinaus auch „nur wenige gute Zutaten, ein gutes Rezept, und schon gelingt die nächste Urlaubsreise wie ein guter Christstollen“. Geld spiele dabei nur eine Nebenrolle. Sie hat dafür verschiedene Studien und Umfragen zusammengezogen und so ein Rezept für Urlaubsglück ermittelt.

Ein Rezept für das perfekte Urlaubsglück

Für das garantiert gelingende Urlaubsglück nimmt man demnach:

  • Ein nicht allzu überlaufenes Reiseziel – also eins, das wahlweise ohnehin weniger besucht wird oder ein Massenreiseziel in seiner Nebensaison.
  • Mindestens 125 Kilometer Entfernung zwischen Reiseziel und Heimatort.
  • Elf Tage Urlaub inklusive Entspannung, guter Gesellschaft und neuen Erfahrungen.
  • 4,8 Stunden Sonnenschein pro Urlaubstag
  • 6,1 Stunden Schlaf pro Urlaubstag
  • 2,2 Stunden körperliche Aktivität pro Urlaubstag
  • 70 Prozent Zeit in Gesellschaft und 30 Prozent Zeit für sich selbst.
  • Dazu kommt bei Bedarf gern noch ein Pool mitsamt Liege in der ersten Reihe.

Diese Zutaten stützt der Artikel auf verschiedene Umfrageergebnisse und Studien, unter anderem von den Reiseanbietern G Adventures, easyJet Holidays und Urlaubsguru sowie von der Washington State University.

Das Rezept klingt gut, funktioniert vermutlich für viele. Nicht so sehr für mich. Mir stellten sich beim Lesen verschiedene Fragen, unter anderem diese: Braucht es wirklich 70 Prozent Gesellschaft, also brauchen die alle? Einige meiner schönsten, intensivsten und, ja, glücklichsten Reisen waren Soloreisen. Auch ein paar andere Zutaten im Urlaubsglücksrezept würde ich umformulieren, erweitern oder streichen. So kann man Pool und Liege meines Geschmacks nach gern gegen einen fast menschenleeren Strand eintauschen. Außerdem darf die Zeit gern um etliche Tage, lieber noch Wochen, verlängert werden. Und auch schlafen tue ich gern etwas länger. Das ist mein eigener Geschmack und natürlich funktioniert der nicht für jeden.

Das Aufweichen dieses Urlaubsrezepts bringt aber einmal mehr diese Frage für mich in den Vordergrund: Warum macht Reisen glücklich – was daran genau? Nicht mich, uns alle. Denn, dass Reisen glücklich macht, scheint nicht nur eine Binsenweisheit zu sein. Etliche wissenschaftliche Studien haben in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen, dass Reisen glücklich(er) macht. Die Ergebnisse sind vielschichtig.

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Warum macht Reisen glücklich? Ein Erklärungsversuch

Im Artikel wurde unter anderem ein Zusammenhang zwischen Reiseglück und Hormonhaushalt gezogen: Laut dem Neurowissenschaftler Paul Zak der kalifornischen Claremont Graduate University steigert Reisen die Oxytocin-Produktion. Viele kennen das sogenannte „Kuschelhormon“ in Verbindung mit Geburt und früher Babyzeit. Als Hormon, das die mütterliche Bindung zu ihrem Kind stärkt und sie zugleich sanfter macht. Offenbar spielt Oxytocin auch beim Reisen eine Rolle. Und das macht nicht nur glücklich, es entspannt auch.

Neben Oxytocin wird beim Reisen offenbar ein ganzer Schub an Glücklichmacher-Hormonen ausgeschüttet. Die spanische Reiseagentur Artchitectours erklärt: „Neurowissenschaftler haben herausgefunden, dass Reisen glücklich macht, weil es mehrere Belohnungssysteme im Gehirn gleichzeitig aktiviert.“ Demnach werden unterwegs Dopamin, Serotonin und Endorphine freigesetzt, die gemeinsam für ein „sofortiges und anhaltendes Wohlbefinden“ sorgen. Gleichzeitig wird das Stresshormon Cortisol reduziert.

Urlaub entstresst

Apropos Stress: Etliche Studien haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Einfluss von Reisen auf das Wohlbefinden auseinandergesetzt und oftmals auch direkt den Zusammenhang zwischen Urlaub und Stress untersucht, seinerseits bekannt als Auslöser verschiedener Krankheitsbilder. Demnach kann Urlaub nachweislich das Stresslevel senken. Er bringt uns weit weg vom Alltag, weg von Arbeit und anderen Themen, die Stress und Sorgen erzeugen. Entsprechend schafft Urlaub mentale Regeneration – auch die dadurch freigesetzte Entspannung stärkt das Glücksgefühl. Psychologen und Psychiater der State University of New York und der University of Pittsburgh kamen darüber hinaus in einer Studie zu einem bestimmten Krankheitsbild zu dem Ergebnis: „Urlaub kann gut für die Gesundheit sein.“

Die Distanz zum Alltagsstress dürfte hier eine große Rolle spielen. Es gibt jedoch auch einige weitere Faktoren. So kam etwa eine Studie der finnischen Universität Tampere vor gut zehn Jahren zu dem Ergebnis, dass Arbeitnehmer auf Reisen besser schlafen, körperlich und sozial aktiver sind und ihre Ressourcen besser schonen. Sie sorgen sich weniger, grübeln weniger und der Fokus liegt insgesamt mehr auf Freude und Genuss. Laut der Studienautoren legten die Ergebnisse nahe, „dass Reisen ein Gefühl der Abgeschiedenheit an Orten mit neuartigen und faszinierenden Eigenschaften vermitteln können, frei von lästigen Pflichten.“ Und das wiederum macht offenbar glücklicher.

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Gesteigertes Wohlbefinden

Und dann gibt es noch etliche weitere Faktoren, die zum Glück auf Reisen beitragen. So sind laut einer Studie der japanischen Saitama Gakuen Universität und der Rikkyō-Universität, die hinsichtlich der Faktoren etliche Forschungsergebnisse anderer Arbeiten heranzieht, etwa diese zwei Merkmale Katalysatoren für das Wohlbefinden im Urlaub: Familiennähe und persönlichem Wachstum. „Menschen können wertvolle Zeit mit Familie und Freunden verbringen“, heißt es dort. Ein gefühlter Luxus in Leben, die im Alltag angefüllt sind mit Arbeit, Aufgaben und in denen viele mehr Zeit mit Kollegen als mit Familienmitgliedern verbringen. Doch nicht nur der eigene soziale Orbit sei entscheidend, auch die Möglichkeit, neue soziale Kontakte zu schaffen, trägt demnach zum verbesserten Wohlbefinden bei. Auch das soll übrigens wieder für Stressabbau sorgen.

Darüber hinaus trägt Urlaub laut den Forschenden „zu persönlichem Wachstum und Erfüllung bei“. Das wiederum geht Hand in Hand mit einer anderen hier zitierten Arbeit, nach der Freizeitaktivitäten wie das Reisen fünf psychologische Kernmechanismen auslösen, die „das subjektive Wohlbefinden fördern: Abschalten und Erholung, Autonomie, Selbstwirksamkeit, Sinnfindung und Zugehörigkeit.“

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Neben dem auf Glück gepolten Hormonhaushalt und den etlichen anderen hier genannten Glücksfaktoren beim Reisen, stärkt dieses laut der Agentur Artchitectours zudem das „episodische Gedächtnis“. Demnach schaffen Reisen „lebhaftere und nachhaltigere Erinnerungen als andere Erlebnisse.“ Glücklich machen sollen Reisen zudem dadurch, dass die Kreativität unterwegs gesteigert wird, muss man sich unweigerlich mit einer neuen Umgebung auseinandersetzen.

Es gibt mit Sicherheit eine ganze Reihe weiterer Gründe, aus denen uns Reisen so glücklich macht. Die hier genannten sollen nur als ein Ansatzpunkt dienen. Als erster Erklärungsversuch, wieso schon der Gedanke an eine bevorstehende Urlaubsreise ein Strahlen aufs Gesicht zaubert und uns Kleinigkeiten, die zu Hause riesig erscheinen, im Urlaub plötzlich gar kein Problem mehr darstellen. In diesem Sinne: Happy travelling.

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