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Diese Bahnsitze haben eine geniale Funktion

Die Sitzreihen in Sydneys Bahnen wirken im ersten Moment ganz normal – dabei haben sie eine nützliche Funktion
Die Sitzreihen in Sydneys Bahnen wirken im ersten Moment unspektakulär– dabei haben sie eine nützliche Funktion Foto: Andrew Merry / Getty Images
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Delia Krumhaar
Werkstudentin

20. Februar 2026, 10:08 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

In den sozialen Netzwerken sorgen derzeit Videos von Zügen mit einer besonderen Funktion für staunende Reaktionen: Zu sehen sind Bahnsitze, die sich mit wenigen Handgriffen umklappen lassen – sodass Fahrgäste entweder vorwärts oder rückwärts sitzen können. Ihnen wird schlecht vom Rückwärtsfahren? Sie möchten gerne ihren Mitfahrern gegenüber sitzen? Kein Problem. Was für viele überraschend wirkt, gehört in Teilen Australiens längst zum Alltag.

In Sydney sind diese sogenannten „Flip Seats“ („Millennium 4GT seats“) in vielen Vorortzügen Standard. Statt in eine Richtung eingebaut zu sein, verfügen die Sitze über bewegliche Rückenlehnen. Je nachdem, wie man sie umklappt, entsteht entweder eine Sitzreihe in Fahrtrichtung oder eine klassische Sitzgruppe mit gegenüberliegenden Plätzen. Allerdings sind sie nicht in allen Zügen zu finden. Vor allem ältere und bestimmte Baureihen im Großraum Sydney verfügen über das System, während neuere Modelle teilweise auf fest installierte Sitze setzen.

Sitze einfach umklappen

Das Prinzip ist simpel: Die Rückenlehne wird nach vorn geklappt und rastet auf der anderen Seite wieder ein. So lässt sich die Sitzrichtung innerhalb weniger Sekunden verändern. Wer nicht rückwärtsfahren möchte, dreht den Sitz einfach um. Gruppen können mehrere Sitze so ausrichten, dass sie sich gegenübersitzen – ohne lange nach einer freien Sitzgruppe suchen zu müssen. Ein Vorteil: Wer mit Familie oder Freunden unterwegs ist, kann sich mit wenigen Handgriffen also eine kleine Sitzgruppe schaffen. Gleichzeitig bleibt die Kapazität des Wagens flexibel. Denn je nach Bedarf lassen sich Reihen hintereinander oder gegenüber anordnen.

Konkret finden sich diese Sitze vor allem in den sogenannten Millennium-Zügen (M-Sets), die seit Anfang der 2000er-Jahre im Netz von Sydney Trains unterwegs sind. Diese umklappbaren Sitze sind vor allem in den sogenannten „Suburban Trains“ rund um Sydney zu finden – also in Zügen, die Pendler aus dem Umland in die Innenstadt bringen. Dort wechseln die Fahrtrichtungen an Endstationen regelmäßig. Durch die beweglichen Rückenlehnen kann der gesamte Wagen schnell neu ausgerichtet werden, ohne dass Fahrgäste umgesetzt werden müssen. Auch in einigen Intercity-Zügen des Bundesstaats New South Wales waren beziehungsweise sind vergleichbare Sitzsysteme verbaut.

Delia Krumhaar
Werkstudentin

Eine Frage des Wohlbefindens

„Wem beim Rückwärtsfahren schnell übel und schwindelig wird, der weiß: Die Sitzrichtung ist nicht nur eine Komfortfrage, sondern auch eine Frage des Wohlbefindens oder sogar der Gesundheit. Mir geht es genauso, gerade auf längeren Strecken – daher finde ich es absolut sinnvoll, die Sitzreihen in den Fahrtrichtungen ändern zu können. Umso erstaunlicher finde ich es, dass man bei den Zügen der Deutschen Bahn beim Reservieren der Tickets nicht einmal erkennt, in welcher Fahrtrichtung der Platz liegt.
Zwar lassen sich Sitzplätze auswählen, doch ob man am Ende vorwärts oder rückwärts fährt, bleibt häufig dem Zufall überlassen. Genau deshalb wirken die umklappbaren Sitze in Sydney so praktisch: Die Entscheidung fällt erst im Wagen – und lässt sich in Sekunden ändern.“

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Warum die Bahnsitze im Netz viral gehen

In sozialen Medien zeigen Nutzer, wie flexibel sich die Sitzreihen anpassen lassen. Mit wenigen Handgriffen wird aus einer Sitzreihe ein Vierer oder Sechser, und aus einem Rückwärtsplatz ein Platz in Fahrtrichtung. Die Videos erreichen teils Millionen Aufrufe, viele kommentieren überrascht oder ungläubig. Gerade Reisende aus Europa reagieren erstaunt, weil vergleichbare Systeme hier nicht verbreitet sind. In Deutschland etwa sind Sitze in Zügen in der Regel fest verbaut, sodass ein Teil der Fahrgäste zwangsläufig entgegen der Fahrtrichtung sitzt.

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Dass sich in australischen Zügen ganze Sitzgruppen spontan neu ausrichten lassen, wirkt daher für viele wie eine kleine Revolution des Pendleralltags – obwohl das Prinzip dort schon seit Jahren existiert. Die viralen Videos zeigen vor allem eines: Manchmal braucht es keine Hightech-Innovation, um Menschen zu begeistern – sondern eine praktische Lösung für den Alltag. Und genau das scheinen die australischen Bahnsitze zu liefern.

Kein neues Konzept – aber für viele neu

Ganz neu ist die Idee nicht. Ähnliche Systeme gibt es auch in Japan: Auf vielen Shinkansen-Zügen werden die Sitze an Endbahnhöfen um 180 Grad gedreht, damit sie wieder in Fahrtrichtung stehen. Je nach Zugtyp lassen sich die Sitze auch von Fahrgästen drehen, etwa um einen Vierer oder Sechser zu bilden.

Was viele überraschen könnte: Selbst in Deutschland ist das Prinzip keineswegs unbekannt. Laut „Passauer Eisenbahnfreunde e.V.“ verfügten bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren die Uerdinger Schienenbusse (VT 98) der Deutschen Bundesbahn über umklappbare Rückenlehnen. Fahrgäste konnten die Sitzrichtung damals je nach Bedarf anpassen – ein Detail, das heute im Regelbetrieb verschwunden ist.

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