In Mauretanien

Die irre Zugreise 700 Kilometer durch die Sahara

Mauretanien
Mauretaniens Wüstenzug ist zugleich die Lebensader des Landes
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In Mauretanien fährt mehrmals täglich ein Zug tausende Tonnen Eisenerz durch die Wüste – inkl. ein paar wagemutiger Passagiere. Ein Großteil der Wirtschaft des afrikanischen Landes hängt von dieser Eisenbahn ab, weswegen gewaltige Anstrengungen unternommen werden, sie am Laufen zu halten.

Die Einheimischen nennen das Monstrum einfach nur „den Zug“, und er macht seine Fahrt drei Mal täglich, um Mauretaniens wichtigstes Wirtschaftsgut zu transportieren: Eisenerz, das in den Minen von Zouérat abgebaut wird. Laut „Deutschlandfunk“ ist es für 30 Pozent des Bruttoinlandsproduktes verantwortlich.

Der Zug, der seit 1963 verkehrt, ist aber auch eine wichtige Lebensader für Menschen im ganzen Land, vor allem in abgelegenen Regionen: Er verbindet sie sprichwörtlich mit der Zivilisation, die sie ansonsten nur schwer oder überhaupt nicht erreichen könnten. Dafür sorgt auch die Tatsache, dass man in den zahllosen Güterwaggons der Bahn auf eigenes Risiko kostenlos mitfahren darf – nur für den einzigen Passagierwaggon muss man ein Ticket lösen.^

Die Strecke muss ständig erneuert werden

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Die Reise dauert bei einer Strecke von 700 Kilometern etwa 20 Stunden
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Viele Menschen nehmen die Fahrt aber auch auf sich, um in Zouérat Arbeit zu suchen – die 1974 verstaatlichte „Société Nationale Industrielle et Minière (SNIM)“ betreibt sowohl die Eisenerz-Mine als auch den Zug, hat für ihre Angestellten eine eigene kleine Stadt rund um das Abbaugebiet errichtet. Eisenerz ist außer Fisch das einzige nennenswerte Exportprodukt Mauretaniens. Verlässt so ein Zug Zouérat wieder in Richtung Atlantik, hat er 120 Tonnen Eisenerz geladen – pro Waggon wohlgemerkt.

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Der Zug selbst kann dann bis zu 17.000 Tonnen wiegen, was ganz eigene Schwierigkeiten mit sich bringt: Dem Sand und der Hitze ausgesetzt, müssen die Schienen, die derartige Gewichte aushalten, alle paar Wochen ausgetauscht werden – natürlich immer nur an gewissen Punkten, nicht auf einmal. Pro Jahr aber immerhin zwischen 25 und 30 Kilometern Strecke. Aus diesem Grund kann der Zug im Durchschnitt auch nur maximal 60 km/h fahren. Auch die Züge selbst werden regelmäßig gewartet. Die Rohstoffe werden dann, einmal in Nouadhibou angekommen, über den Atlantik verschifft, besonders China ist hungrig auf günstige Ware aus Afrika.

Gefahr durch Wüsten-Räuber?

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Der Zug ist teilweise über zwei Kilometer lang und schleppt mehr als 200 Waggons
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Die Länge des Zuges stellt die Passagiere laut einer Folge der ARD-Serie „Eisenbahnromantik“ vor ganz eigene Herausforderungen: Wer bei einer Zuglänge von bis zu 2,5 Kilometern beim Anhalten im falschen Waggon sitzt, muss mitunter noch ziemlich lange zum eigentlichen Bahnhof laufen – durchaus eine größere Anstrengung bei den hohen Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius, die nunmal in der Wüste herrschen können. Immerhin ist der Zug dafür heute aber relativ sicher – in dem Gebiet gab es früher immer wieder Überfälle auf den Zug und seine Passagiere.

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Pro Fahrt verschlingt der Zug, der von bis zu drei verschiedenen Triebwagen gezogen wird, etwa 20.000 Liter Öl – 9 Liter Treibstoff benötigt jede der Maschinen pro Kilometer. Um die Schienen möglichst frei von Sand zu halten, hat man eigens Trupps von Tagelöhnern engagiert. Und auch sonst wird die Betreibergesellschaft wohl alles versuchen, um den Wüsten-Zug so lange wie möglich am Leben zu erhalten – die Minen von Zouérat jedenfalls werden nach Schätzungen zufolge noch etwa 1000 Jahre lang Erz liefern können.

Wer jetzt allerdings schon von der nächsten großen Reise träumt, sollte vor dem Aufbruch noch einmal die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu Mauretanien lesen – dort steht unter andrem: „In Mauretanien bestehen wie in der gesamten Sahel-Region erhebliche Anschlags- und Entführungsrisiken, besonders an Orten, an denen regelmäßig westliche Staatsangehörige verkehren (…).“

 

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