20. September 2026, 7:33 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Der Koffer rollt über den Bahnsteig, in der einen Hand der Kaffee, in der anderen das Zugticket. Die Kinder sind schon ein paar Meter voraus, der Hund zieht an der Leine, und auf der Anzeigetafel blinkt plötzlich die Gleisänderung auf. Wer in einer solchen Situation noch an alles denkt, verdient Respekt. Denn genau im Reisestress lauert in Italien ein Fehler, der Urlauber teuer zu stehen kommen kann.
Was viele Deutsche längst aus dem Alltag verdrängt haben, gehört in Italien noch immer zum Bahnfahren dazu: die Entwertung von Fahrkarten vor Reiseantritt. Kein Wunder, dass viele Urlauber diesen Schritt gar nicht mehr auf dem Schirm haben. Schließlich sind Stempelautomaten hierzulande mit Deutschlandticket, Handy-Tickets und modernen Tarifsystemen weitgehend verschwunden. Wer regelmäßig mit Regionalzügen fährt, kam jahrelang nicht mehr mit einem Entwerter in Berührung.
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Tickets in Papierform müssen aktiviert werden!
In Italien sieht das anders aus. Vor allem Reisende, die mit den Regionalzügen von Trenitalia unterwegs sind, also den oft von Urlaubern genutzten „Regionale“ oder „Regionale Veloce“, erhalten ihre Fahrkarte häufig noch in Papierform. Kaufen lässt sie sich an Fahrkartenschaltern, Selbstbedienungsautomaten oder bei autorisierten Verkaufsstellen, wie dem typischen Straßenkiosk. Genau hier lauert die Falle: Mit dem Kauf allein ist das Ticket oft noch nicht gültig.
Vor dem Einsteigen muss die Fahrkarte an einem Entwerter im Bahnhof validiert werden. Die Geräte befinden sich in der Regel auf den Bahnsteigen und stempeln Datum und Uhrzeit auf das Ticket. Erst dadurch beginnt offiziell die Gültigkeit der Fahrkarte. Wer direkt in den Zug steigt, ohne diesen Schritt zu erledigen, riskiert bei einer Kontrolle Ärger und eine Geldstrafe.
Urlauber müssen aufpassen: Die italienische Bahn geht selbstverständlich davon aus, dass Fahrgäste die Regeln kennen. Der Anbieter macht keinen Unterschied zwischen Urlaubern und Einheimischen. Wer mit einer nicht gültigen Fahrkarte kontrolliert wird, kann sich daher kaum mit der Ausrede helfen, das Entwertungssystem nicht gekannt zu haben.
Als Notlösung können Passagiere laut Trenitalia ihr Ticket auch noch im Zug kaufen. Allerdings ist das nur als Ausnahme gedacht: Fahrgäste müssen das Zugpersonal direkt beim Einsteigen informieren. In der Regel wird dabei ein Zuschlag von 5 Euro fällig.
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Wann man das Bußgeld zahlt, macht einen Unterschied
Wer mit einem nicht entwerteten Ticket kontrolliert wird, muss laut den Beförderungsbedingungen von Trenitalia das reguläre Ticket (eventuell auch erneut) kaufen und mit hohen Zuschlägen rechnen. Die Höhe hängt davon ab, wann die Strafe bezahlt wird. Schnelles Handeln kann dabei wirklich Geld sparen.
- Sofort beim Kontrollpersonal im Zug bezahlt: 50 Euro Zuschlag
- Innerhalb von 15 Tagen nach der Feststellung bezahlt: 100 Euro Zuschlag
- Spätere Zahlung: bis zu 200 Euro Zuschlag
Digitale Tickets müssen nicht extra entwertet werden
Wer das Risiko vermeiden möchte, kann seine Fahrkarte auch digital kaufen. Tickets für die Regionalzüge von Trenitalia sind über die Website und die App der Bahngesellschaft erhältlich. Hier genügt meist der QR-Code auf dem Smartphone bei der Ticketkontrolle. Für Touristen ist das meist die unkomplizierteste Lösung.
Meine Zugfahrt von Genua nach Portofino
„Diese Informationen hätten mir bei meiner ersten Regio-Fahrt in Italien tatsächlich auch sehr geholfen. Bei einem Urlaub in Genua wollten wir einen Abstecher nach Portofino machen. Und weil wir gerade so einen guten Parkplatz ergattert hatten, wollten wir das Auto dafür nur ungern bewegen. Nur rund eine halbe Stunde braucht der Trenitalia-Regio von Genova Brignole, dem Hauptbahnhof der Stadt, bis nach Santa Margherita Ligure. Von dort geht es mit einem kleinen, meist hoffnungslos überfüllten Bus weiter bis kurz vor das Zentrum der ikonischen Hafenstadt Portofino.
Leider kannten wir die Ticketbestimmungen damals nicht so gut (wie Sie jetzt). Das Ticket, das wir am Kiosk gekauft hatten, stempelten wir vor dem Einstieg am Bahnsteig nicht ab. Der Papierzettel kam mir zwar verdächtig leer vor, trotzdem stiegen wir ein. Entsprechend groß war meine Sorge, dass jederzeit ein Kontrolleur auftauchen könnte.
Die Fahrt war deshalb alles andere als entspannt. Statt die idyllische Strecke entlang der Küste mit Meerblick, die Tunnel durch die felsigen Hänge und die angenehme Kühle der Klimaanlage zu genießen, saß ich die ganze Zeit nervös auf meinem Platz. Rückblickend hat mir das die eigentlich wunderschöne Fahrt ziemlich verdorben.
Sie wissen es jetzt besser und müssen sich Ihre Bahnfahrt durch Italien nicht mit der Angst vor einer Ticketkontrolle erschweren!“