30. Oktober 2026, 10:47 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer in China Zug fährt, kann sich nicht nur selbst Verpflegung mitnehmen, auf das Boardrestaurant oder kleine Imbisswägen zurückgreifen, sondern sich auch an der nächsten Station Essen aus dem Bahnhof bis an den Platz liefern lassen. Wir erklären, wie einfach das geht.
Hochgeschwindigkeitszüge in China transportieren täglich Millionen Menschen zwischen den großen Metropolen und bringen sie bis in ländlichere Regionen. In Spitzenzeiten nutzen bis zu 16 Millionen Fahrgäste pro Tag das System. Die schnellsten Züge fahren bis zu 350 km/h, Tickets gibt es je nach Strecke schon ab circa 10 Euro. Für Shanghai–Hangzhou in der zweiten Klasse zahlt man zum Beispiel rund 73 Yuan (etwa 9,80 Euro).
Wer auf den teils fast achtstündigen Fahrten nicht verhungern will, hat mehrere Möglichkeiten. Einmal die klassische: selbst gepackte Lunch-Boxen von Zuhause. Einheimische greifen oft auf Snacks aus dem Convenience Store zurück. Beliebt sind auch Instantnudeln – das heiße Wasser dafür gibt es meist am Wagenende.
Echte Alternative zum Boardbistro
Wer Lust auf etwas Warmes oder seine Box vergessen hat, kann den zentralen Speisewagen ansteuern, ähnlich wie das Bordbistro in den ICE-Zügen der Deutschen Bahn. Da in den Zügen aufgrund von strengen Sicherheitsmaßnahmen aber nicht mit offenem Feuer oder Gas gekocht werden darf, gibt es vor allem vorgekochte Reisboxen mit Fleisch und Gemüse, die vor Ort aufgewärmt werden. Die Preise an Bord variieren je nach Qualität und Menü. Reddit-Nutzer berichten dagegen von teils hohen Preisen von bis zu 10 Euro für ein im Verhältnis eher langweiliges Fertigessen.
Eine echte Alternative gibt es dabei schon länger, als man vielleicht vermutet: die Bestell-Infrastruktur der chinesischen Bahn. Im Juli 2017 startete der Bestell-Service in 27 großen Bahnhöfen landesweit. Anfangs musste man bis zwei Stunden vor Ankunft bestellen. Seit Anfang 2018 reicht eine Stunde. Inzwischen sind es nach chinesischen Angaben rund 90 Bahnhöfe.
Essen aus dem fahrenden Zug bestellen
Dabei kann man online bei allen kommenden Zwischenstopps Essen von einem Restaurant oder Fast-Food-Imbiss in den Zug liefern lassen, ohne sich zu bewegen, sogar bis an den eigenen Sitzplatz.
Dafür scannt man einfach den QR-Code an der Armlehne oder am Klapptisch mit Alipay oder WeChat. Beide Apps braucht man bei einem Aufenthalt in China ohnehin. Es öffnet sich ein Fenster, das den Streckenverlauf des Zuges anzeigt. Dort klickt man auf die Station, aus der bestellt werden soll. Fehlt der Code am Sitz, hilft die offizielle App „12306“ der chinesischen Bahn. Dort tippt man auf Essen & Spezialitäten und gibt die Zugnummer ein.
Ein Klick auf das internationale Symbol für Essen, Gabel und Messer (obwohl es in den Zügen traditionell nur Stäbchen gibt), und es öffnet sich eine Liste aller Restaurants im ausgewählten Bahnhof. Meist sind das lokale Imbissstände oder internationale Fast-Food-Ketten. Digital lässt sich dann alles bestellen, was angeboten wird. Am Ende gibt man noch Wagen- und Sitznummer ein und bezahlt.
Hält der Zug an der gewählten Station, bitte auf keinen Fall selbst aussteigen, um das Essen zu holen. Ein Halt dauert oft nur etwa zwei Minuten. Die Zugbegleiter sind aber vorbereitet: Ein Kurier bringt das Essen auf den Bahnsteig und übergibt es an das Zugpersonal. Das verteilt es dann an die zugewiesenen Plätzen und es sollte innerhalb von 10 Minuten noch warm ankommen. Meistens ist die Lieferung kostenlos oder beträgt maximal 8 Yuan, also etwa einen Euro.
Ausländer sollten die Bezahlung vorher testen: Manche Formulare verlangen eine chinesische Handynummer, und ausländische Karten funktionieren nicht immer.
Kennen Sie diese geheimen Codes der Deutschen Bahn?
Digitale Restaurants immer beliebter
In diesen Zügen kann Essen von außen bestellt werden
Wichtig sind vor allem die Buchstaben auf dem Ticket. G-Züge sind die schnellsten und fahren mit 300 bis 350 km/h. D-Züge sind etwas langsamer, teils auch als Nachtzug unterwegs. C-Züge pendeln zwischen nahen Städten. Bestellt werden kann Essen nur in G-, D- und C-Zügen, nicht in den klassischen Langsamzügen.
Konzept auch in Deutschland denkbar?
Die Reisebloggerin, die das Konzept durch die sozialen Medien zumindest ein bisschen bekannter gemacht hat, betitelt ihr Video über die Schritt-für-Schritt-Bestellung mit „Deutsche Bahn could never“.
Die Enttäuschung über verspätete Züge, volle Wagen, geschlossene Bordbistros und und und hängt vielen deutschen Bahnreisenden tief in den Knochen. Ein vernetztes Bestellsystem wie in China müsste erst mit viel Aufwand und Kosten entwickelt werden, von der Umsetzung bei Kurzstopps und Personal ganz zu schweigen. Wir müssen in Deutschland also wohl erstmal weiter unsere Brotdosen mit in den Zug nehmen – aber bitte ohne Ei, Salami oder Zwiebel!