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Personalmangel, Überstunden, Gewalt

Wie unter der Krise der Deutschen Bahn vor allem die Beschäftigten leiden

Wie Zugbegleiter die Krise der DB erleben
Die Probleme der Deutschen Bahn bekommen vor allem die Angestellten des Konzerns zu spüren Foto: Getty Images
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Laura Pomer
Freie Autorin

16. Juli 2026, 10:22 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Deutsche Bahn (DB) steckt seit Monaten in der Krise. Verspätungen, Zugausfälle und kurzfristige Änderungen gehören inzwischen zum Alltag. Für Reisende ist das sicherlich frustrierend – häufig gerät aus dem Blick, wer die Folgen ebenfalls zu spüren bekommt: die Beschäftigten des Konzerns. Besonders Zugbegleiter arbeiten in einem zunehmend angespannten Umfeld. Sie berichten von hoher Arbeitsbelastung und müssen gleichzeitig den Ärger der Fahrgäste auffangen. Dabei bleibt es nicht immer bei verbalen Anfeindungen. TRAVELBOOK beleuchtet ihre Situation näher.

Mitarbeiter erleben die Krise der DB aus nächster Nähe

„Was hier so hinter den Kulissen läuft, damit könnte man ein ganzes Buch füllen“, so ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn zu TRAVELBOOK. Der Satz lässt erahnen, wie belastend die Arbeit vieler Beschäftigter derzeit ist. Er und auch eine Kollegin, die in diesem Beitrag zu Wort kommen wird, möchten anonym bleiben.

Vor den Kulissen wirkt die Lage kaum besser. Für Reisende zeigt sich die Krise vor allem durch Verspätungen, Zugausfälle und einen unzuverlässigen Fernverkehr. Hinzu kommt ein vielerorts sanierungsbedürftiges Schienennetz. Technische Störungen, zahlreiche Baustellen und extreme Wetterlagen beeinträchtigen den Bahnbetrieb zusätzlich. Gleichzeitig kämpft die Deutsche Bahn mit wirtschaftlichen Problemen, die im integrierten Bericht des Konzerns für das Jahr 2025 näher erläutert sind. Hohe Verluste im Fern- und Güterverkehr treffen auf einen enormen Investitionsbedarf, um das in die Jahre gekommene Schienennetz zu modernisieren.

DB ergreift Maßnahmen, aber auch an der richtigen Stelle?

Der Konzern versucht, mit mehreren sogenannten Sofortprogrammen kurzfristige Verbesserungen zu erreichen. Diese auf der Website angekündigten Maßnahmen betreffen unter anderem Bahnhöfe, den Fernverkehr und die Kundenkommunikation; beispielsweise sollen Bahnhöfe sauberer und Reisende früher über Verspätungen informiert werden. Die Programme sollen nach Angaben der DB die Zeit überbrücken, bis die langfristige Sanierung der Infrastruktur Wirkung zeigt.

Doch an vielen grundlegenden Ursachen der Probleme ändern diese Maßnahmen zunächst wenig. Eine frühere Information über eine Verspätung kann zwar vielleicht bei der Planung helfen – sie bringt Fahrgäste aber nicht schneller ans Ziel. Der Frust darüber entlädt sich zunehmend bei Personen, die für die strukturellen Probleme der Bahn nicht verantwortlich sind: den Beschäftigten mit direktem Kundenkontakt.

Verärgerte Fahrgäste greifen Zugbegleiter an

Wie die „FAZ“ berichtet, gaben allein in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres 1630 Beschäftigte der Deutschen Bahn an, Opfer einer Straftat geworden zu sein. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beobachtet seit Jahren eine Zunahme von Übergriffen auf Beschäftigte im öffentlichen Nah- und Fernverkehr. Er fordert deshalb ein entschlosseneres Handeln der Politik, außerdem eine bessere Finanzierung des öffentlichen Verkehrs. Besonders wichtig sei demnach mehr Personal. Zugbegleiter sollten nicht allein im Zug eingesetzt werden. Eine Doppelbesetzung könne dazu beitragen, die Sicherheit von Beschäftigten und Fahrgästen zu erhöhen.

Wie ernst die Lage werden kann, zeigt ein besonders schwerer Fall aus den vergangenen Monaten, über den BILD berichtete. Im Februar wurde ein Zugbegleiter bei einer Fahrkartenkontrolle in einem Regionalexpress tödlich verletzt. Das Landgericht Zweibrücken verurteilte den Täter wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Die Nebenklage hatte eine Verurteilung wegen Mordes gefordert und kündigte nach dem Urteil Revision an.

Bodycams als Reaktion auf zunehmende Gewalt

Die Deutsche Bahn hat als Reaktion auf die wachsende Bedrohung unter anderem damit begonnen, Beschäftigte im Kundenkontakt mit Bodycams auszustatten. Die Kameras sollen dabei helfen, kritische Situationen zu dokumentieren, und daneben abschreckend auf potenzielle Angreifer wirken.

Für die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) greift das zu kurz. Sie sieht vor allem den Personalmangel als zentrale Ursache für die zunehmende Belastung der Beschäftigten. Die Gewerkschaft fordert ausreichend Zugbegleiter in allen Zügen und verweist darauf, dass steigende Fahrgastzahlen, ein störanfälliger Bahnbetrieb und gesellschaftliche Veränderungen zu mehr Konflikten im Arbeitsalltag führen.

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Personalmangel belastet Beschäftigte und Betrieb

Die Deutsche Bahn kämpft nach eigenen Angaben seit Jahren mit fehlenden Fachkräften. Besonders betroffen sind operative Bereiche wie Zugbetrieb, Stellwerke und Instandhaltung. Wenn Personal an entscheidenden Stellen fehlt, kann das Auswirkungen auf den gesamten Bahnbetrieb haben – darunter Verspätungen oder Zugausfälle.

Als Gründe für die angespannte Personalsituation nennt der Konzern unter anderem den demografischen Wandel und das Ausscheiden vieler erfahrener Beschäftigter. Gleichzeitig ist die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern schwierig, da viele Tätigkeiten im Bahnverkehr spezielle Kenntnisse und lange Ausbildungszeiten erfordern.

Nicht zuletzt die verbliebenen Zugbegleiter spüren diese Belastung unmittelbar. TRAVELBOOK sprach mit einer Mitarbeiterin, die während einer Schicht bereits zwölf Stunden über Nacht im Einsatz war. „Es gibt keine Kollegen“, erklärte sie. Und: „Wir wundern uns inzwischen selbst, wenn Züge pünktlich ankommen.“

Appell an frustrierte Fahrgäste

So verständlich der Ärger über ausgefallene Züge, stundenlange Verspätungen oder auch eine defekte Klimaanlage sein mag: Er sollte nicht bei denjenigen landen, die am wenigsten dafür können. Zugbegleiter und andere Beschäftigte im Kundenkontakt sind zwar Ansprechpartner, aber nicht die Verantwortlichen für die strukturellen Probleme der Bahn.

Die Verantwortung liegt vor allem dort, wo die Entscheidungen getroffen werden. Die Führung der Bahn und die Politik müssen dafür sorgen, dass die Dauerkrise, die sich langsam wie ein Dauerzustand anfühlt, ein Ende hat.

Auf TRAVELBOOK-Nachfrage erklärt ein DB-Sprecher, dass das Unternehmen auf die aktuellen Herausforderungen mit mehr Sicherheitsmaßnahmen in Zügen, einer verstärkten Personalgewinnung und milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur reagiert. Gleichzeitig räumt die DB ein, dass Fachkräftemangel und die jahrelang gewachsenen Probleme im Schienennetz große Herausforderungen bleiben.

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