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Nachgefragt

Die häufigsten Ursachen für Verspätungen bei der Deutschen Bahn

Verspätungen bei der Deutschen Bahn
Im Juni 2022 verließen weniger 60 Prozent der Fernzüge den Bahnhof pünktlichFoto: Getty Images

Seit zwei Monaten, mit dem Start des stark vergünstigten 9-Euro-Tickets, sind deutlich mehr Passagiere auf der Schiene unterwegs. Doch wer mehr mit der Bahn unterwegs ist, merkt auch schnell, dass nicht nur die sonst hohen Ticketpreise eine Zugreise in Deutschland beschwerlich mache. Vor allem die Verspätungen und Ausfälle sorgen für Frust. TRAVELBOOK hat bei der Deutschen Bahn gefragt, was aktuell für die meisten Verspätungen sorgt und erklärt, was die Verspätungsdurchsagen der Bahn bedeuten.

Wer mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, sollte sich auf Verspätungen schon provisorisch einstellen. Schließlich ist im Schnitt jeder vierte Fernzug verspätet, im Nahverkehr sieht es wenig besser aus, die Deutsche Bahn ist meilenweit von dem angepeilten Pünktlichkeitsziel von 80 Prozent entfernt. Im Juni 2022 kam die Deutsche Bahn auf einen katastrophalen Wert von nur 58 Prozent pünktlichen Zügen im Fernverkehr – wobei jeder Zug mit weniger als 5 Minuten Verspätung als „pünktlich“ gilt. Eine Zahl, die viele Bahnfahrer kaum überraschen wird. Denn Verspätungen gehören bei einer Reise oft schlicht dazu. Die Gründe für die Unpünktlichkeit sind dabei ebenso vielfältig, wie die Verspätungsdurchsagen der Deutschen Bahn.

Warum die Deutsche Bahn am häufigsten zu spät kommt, hat eine Bahnsprecherin auf TRAVELBOOK-Nachfrage verraten.

Die häufigsten Ursachen für Verspätungen bei der Deutschen Bahn

„Aktuelle Verspätungen sind insbesondere auf ein hochbelastetes Schienennetz, eine erhöhte Nachfrage und Bauaktivitäten auf den Strecken zurückzuführen“, so eine Bahnsprecherin zu TRAVELBOOK. Rund 51.000 Personen- und Güterzüge fahren ihrer Aussage nach heute täglich durch Deutschland. Im Jahr 2010 lag diese Zahl noch bei 47.000.

Das Problem: Die steigende Nachfrage trifft auf ein Streckennetz, das nicht für die aktuellen Belastungen ausgelegt ist – geschweige denn für ein künftiges Wachstum, das nicht nur angesichts der aktuellen Spritpreise, sondern auch im Sinne der Nachhaltigkeit angestrebt werden sollte. Zahlen belegen das Problem: „Die Auslastung des Netzes liegt auf den derzeit rund 3.500 hoch belasteten Streckenkilometern bei 125 Prozent“, so die Bahnsprecherin. Engpässe, insbesondere auf großen Knotenpunkten, seien so nicht vermeiden.

Hinzukommt, dass das Netz nicht nur viel zu wenig Kapazität bietet, sondern auch marode ist. „Viele Gleise, Weichen, Brücken und Stellwerke sind überaltert und damit störanfällig“, gibt die Bahn-Sprecherin zudem zu. Das Problem habe man zwar erkannt und baue nun neue Strecken, Weichen, Gleise und Stellwerke aus. Doch die Baustellen sorgen für noch mehr Umleitungen, Staus und Verspätungen.

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Weitere Verspätungsursachen

Auch Unwetter führen immer wieder zu oft stundenlangen Verspätungen oder Zugausfällen. Gründe dafür sind laut der Bahnsprecherin in den meisten Fällen Schäden an den Oberleitungen. „Ursache sind unter anderem abgerissene Äste. Aber auch Baumaterial, Verkehrszeichen oder Folien aus der Landwirtschaft, die durch den Sturm herumgeweht werden“, erklärt die Sprecherin.

Relativ selten sind die Verspätungen laut Bahn übrigens auf Schäden an den Fahrzeugen zurückzuführen. Diese Ursache mache „einen verhältnismäßig kleinen Teil aus“.

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Das bedeuten die Verspätungsdurchsagen der DB

Ob nun nach einem Unwetter oder einfach nur an einem verkehrsreichen Freitag oder Sonntag: Oft sind an großen Bahnhöfen im Minutentakt die Verspätungsdurchsagen der Deutschen Bahn an den Gleisen zu hören. Dann heißt es, der Zug sei „zu spät bereitgestellt geworden“ oder es gebe „technische Störungen“. Doch was genau verbirgt sich hinter diesen Begriffen? Ein Überblick.

Verspätete Bereitstellung des Zuges

Oft ist für Reisende zumindest nachvollziehbar, woher eine Verspätung kommt. Doch wenn der Zug bereits beim Startbahnhof zu spät losfährt, fehlt oft das Verständnis. Als Begründung wird dann vielfach gesagt, es gebe eine „verspätete Bereitstellung des Zuges“. Das heißt schlicht nichts anderes als: „Der Zug, der eigentlich fahren sollte, ist nicht da.“ Gründe dafür gibt es laut der Bahnsprecherin einige: „Eine verspätete Bereitstellung des Zuges ist meistens darin begründet, dass der Zug aufgrund der länger andauernden Reparaturen oder Wartungsarbeiten später als geplant aus einem der Instandhaltungswerke freigegeben wird oder dass ein Zug aus seiner vorherigen Fahrt verspätet ankommt und dadurch der Zug für seine nächste Fahrt leider verspätet bereitgestellt wird insbesondere, weil er noch gereinigt und vorbereitet werden muss.“

Technische Störung

Hinter einer technischen Störung können sich diverse Ursachen verbergen, denn „das Bahnsystem besteht aus verschiedenen technischen Einrichtungen“, so die Bahnsprecherin. Die Störungen beziehen sich dabei entweder auf das Fahrzeug oder auf die Strecke. Gründe sind dann beispielsweise eine „Reparatur am Zug“; eine „Reparatur an der Strecke“; eine „Reparatur an der Oberleitung“ oder eine „Reparatur an einem Signal oder an der Weiche“.

Witterungsbedingte Beeinträchtigungen

In diesem Fall geht die Verspätung auf das Wetter zurück – dabei kann es sich um Schnee, Sturm oder auch Hitze handeln. Auch die Folgen eines Unwetters fallen unter diese Verspätungsdurchsage der Deutschen Bahn. „So kann es vorkommen, dass durch ein Unwetter Streckenschäden entstanden sind und der Streckenabschnitt nur mit verminderter Geschwindigkeit befahren werden darf oder der Zug umgeleitet werden muss“, so die Bahnsprecherin.

Fehlendes Zugpersonal

Dieser Grund wird so zwar nicht durch die Lautsprecher schallen, dafür kann es aber gut vorkommen, dass es einen „kurzfristigen Personalausfall“ gibt oder„verspätetes Personal aus vorheriger Fahrt“. Das liegt daran, dass oft das Personal während einer Schicht verschiedene Strecken fährt. Hat der eine Zug Verspätung, kommt auch das Bordpersonal oder der Zugführer zu spät – oder wie die Bahn sagt: „trotz guter Disposition kann es vorkommen, dass ein Zugteam seinen nächsten Zug nicht erreicht.“

Übrigens: Die alte, und oft gehörte, Verspätungsdurchsage „Verzögerungen im Betriebsablauf“ hat die Deutsche Bahn im Herbst 2021 abgeschafft. Darunter wurden verschiedene Gründe zusammengefasst. Nun habe man sich für „verständlichere Informationen“ entschieden.

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