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„Diese Region in Argentinien hat mich nachhaltig beeindruckt“

Der Perito-Moreno-Gletscher befindet sich in Patagonien im Südwesten Argentiniens
Der Perito-Moreno-Gletscher befindet sich in Patagonien im Südwesten Argentiniens Foto: Getty Images
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Catharina Deege

11. Mai 2026, 7:09 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Unsere Autorin hat als junge Erwachsene einige Jahre in Argentinien gelebt. Dabei umging sie stets Patagonien, den kalten Süden des Landes. Später bereut sie es, diese besondere Region erst kurz vor ihrer Rückkehr nach Deutschland kennengelernt zu haben – denn in der Stadt El Calafate entdeckt sie einen Nationalpark, deren Besuch eines der beeindruckendsten Reiseerlebnisse ihres Lebens werden sollte.

Während ich in Argentinien gelebt habe, verzichtete ich anfänglich auf eine Reise in den Süden des Landes. „Wozu?“, dachte ich mir – besonders sehenswert an dem Land sind doch vor allem die Wüstengebirge im Nordwesten, der Dschungel an der Grenze zu Brasilien und Paraguay oder die pulsierende Hauptstadt Buenos Aires. Falsch gedacht! Den Gletscher Perito Moreno live zu sehen, war eines der beeindruckendsten Erlebnisse meines Lebens.

Ein Versuch, der Kälte zu entgehen

Ich wanderte mit 18 Jahren aus, verbrachte ein ganzes Jahr in der Wüstenstadt San Juan und zog dann für vier weitere Jahre nach Buenos Aires. Und auch wenn es in den beiden Städten im Winter kälter werden kann – besonders im Wüstenklima von San Juan – wollte ich in meiner neuen Heimat keinesfalls wieder klapprige Minusgerade erleben. Daher umging ich Patagonien während meiner Argentinien-Zeit, bis meine Eltern mich besuchen kamen.

Ihr Wunsch war es, Patagonien kennenzulernen. Bei ihrem ersten Besuch waren wir in Buenos Aires, San Juan und Mendoza. Doch selbst im argentinischen Herbst waren meiner Mutter die Temperaturen in diesen Städten, die in subtropischen und ariden Teilen Argentiniens liegen, zu hoch. Also sollte ich aus meinem „Fehler“, meine Eltern unter der prallen Sonne zu touristischen Aktivitäten zu drängen, lernen. Es sollte in eine kühlere Klimazone gehen. Da Argentinien über eine Vielzahl derer verfügt, fand ich ein Ziel in der kalten, trockenen Provinz Santa Cruz: die Stadt El Calafate. Von Buenos Aires aus war dieses Ziel innerhalb von drei Stunden Flugzeit unkompliziert zu erreichen.

Die Stadt El Calafate hat etwa 21.000 Einwohner und gilt als Tor zum Nationalpark Los Glaciares mit dem riesigen Gletscher Perito Moreno
Die Stadt El Calafate hat etwa 21.000 Einwohner und gilt als Tor zum Nationalpark Los Glaciares mit dem riesigen Gletscher Perito Moreno Foto: Getty Images

Meine Lieblingsüberraschung: die Gletscher-Kühe

Ein Highlight, welches von der Stadt El Calafate aus über die Route 11 zugänglich ist, nennt sich „Perito Moreno“. Es handelt sich hierbei um einen riesigen Gletscher, der zum Zeitpunkt meines Besuchs sogar noch wuchs! Es gibt verschiedene Methoden, sich dem Gletscher zu nähern. Entweder, man betrachtet ihn von einem Schiff aus im Wasser, oder man begeht diesen. Es werden sowohl eine Schiffstour als auch verschiedene Wandertouren angeboten. Da uns selbst die kürzesten Trekking-Routen zu lang waren, entschieden wir uns für die entspannte Katamarantour. Ein Vorteil dieser ist auch, dass man nicht nur den größten Gletscher Perito Moreno sieht, sondern auch an weiteren Eisbergen wie dem Upsala und Viedma Halt macht.

Einen Stopp, um sich die Beine etwas zu vertreten, gab es ebenfalls. Dieser glich eher einem moderierten Spaziergang als einer Wanderung. Ich staunte nicht schlecht, als wir nach ein paar Stunden Fahrt mit dem Schiff an einem grünen Ufer hielten. In der Ferne machte ich bereits eine kleine Hütte aus, die – wie ich dann lernte –, äußerst geschichtsträchtig ist. Von dem überschaubaren Stück Land inmitten der Gletscherlandschaft beobachtete ich das Wasser. Mein Blick schweifte weiter über die Andenberge, wo ich mit Mühe weit entfernte, große Tiere ausmachen konnte. Ich vermutete zuerst, die immer wieder in den Anden herumstreunernden Guanakos zu erhaschen. „Das kann nicht sein“, dachte ich. Denn die Wildtiere, deren Umrisse ich zu erkennen versuchte, ähnelten viel mehr einer übergroßen Ziege, oder sogar … langhaarigen und muskulösen Kühen!

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Eine fast erfolgreiche Mission

Der Guide verriet uns, dass es sich bei dem kleinen Aussichtspunkt mitten in der Gletscherlandschaft um den „Puesto de Las Vacas” (zu Deutsch: Kuh-Posten) handelt. Ein Engländer siedelte hier Rinder und Kühe Anfang des 20. Jahrhunderts von der Provinz La Pampa in der Gletschergegend an. Doch als der argentinische Staat 1949 beschloss, einige Nationalreservate in touristische Nationalparks zu verwandeln, musste die Rinderzucht dem Dekret weichen. Nach misslungenen Versuchen von offizieller Seite aus, die schnelle Verbreitung des Rindviehs zu verhindern, wurde der finnische Einwanderer Harry Johannes Hilden engagiert. Er lebte in den 80er-Jahren für diese Mission einige Jahre auf dem „Puesto de Las Vacas”.

Dabei kam er auf kreative Ideen: Sein Modus Operandi war es, das Vieh durch gesalzenes Brot anzulocken und dies nachher auf einem improvisierten Floß über den Lago Argentino aus der Gletschergegend zu befördern. Eine gänzliche Verfrachtung wurde nicht erreicht; schließlich konnte ich die Tiere noch vier Jahrzehnte später zwischen den Grünflächen und Felsen des Nationalparks erspähen. Auch Harry Johannes Hilden hinterließ Spuren. Seine Hütte auf dem „Puesto de Las Vacas” durften wir Bootstouristen besuchen. Von Familienbildern des Finnen bis zu einer auf den Herdplatten thronenden Teekanne war das Innenleben der Hütte durch dicke Fensterscheiben nachvollziehbar. Das Betreten war nicht möglich, was für das touristische Prinzip in Patagonien spricht: Natur und Geschichte soll bewundert, aber nicht verändert werden. Touristische Aktivitäten im argentinischen Teil Patagoniens werden sorgfältig von der Landesregierung reglementiert.

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Das Highlight der Bootstour: der Perito Moreno

Nach der bereits beeindruckenden Fährtenverfolgung des Harry Hilden ging es wieder auf das Schiff. Man konnte entweder im Inneren des Katamarans Platz nehmen und die auf dem Lago Argentino ruhenden Gletscher durch die Fensterscheibe wahrnehmen, oder auf das Deck hinauf. Dort war während der gesamten Reise viel Platz für meine Eltern und mich. Wir schossen einige Fotos, als wir an kleineren Eisbergen vorbeifuhren. Platz mussten wir machen, als wir am Highlight der gebuchten Tour ankamen: dem Perito Moreno.

Es handelt sich um einen 260 Quadratkilometer großen Gletscher, deren Eiswände fast 60 Meter Höhe erreichen. Seit 1981 ist er UNESCO-Weltkulturerbe. Die scheinbare Unendlichkeit des Gletschers machte mich sprachlos. Ein vergleichbar gewaltiges Naturerlebnis hatte ich das letzte Mal, als ich die Iguazú-Wasserfälle im Nordosten Argentiniens besuchte. Es sind Momente, in denen man sich wunderbar klein fühlt. Das hautnah zu erleben, rückt alles in eine ganz neue Perspektive – und das im besten Sinne.

TRAVELBOOK-Autorin Catharina Deege mit ihren Eltern vor dem gewaltigen Naturwunder
TRAVELBOOK-Autorin Catharina Deege mit ihren Eltern vor dem gewaltigen Naturwunder Foto: Catharina Deege

Patagonien spricht alle Sinne an

Das ist überhaupt das Interessanteste an der Steppenlandschaft Patagoniens. Auf den ersten Blick wirkt die Landschaft durch ihre Weite karg, doch wenn man genau guckt, trifft man auf eine Wucht Leben. Und dabei ist es ganz gleich, ob man seinen Kopf gen Himmel richtet und Andenkondore erblickt oder ein Rudel Guanakos beim Spaziergang erwischt. Dadurch wurde selbst die Busfahrt von unserem Hotel zum Boot ein richtiges Spektakel. Normalerweise bin ich ein gesprächiges Wesen, doch mit meinen Eltern konnte ich während der Autofahrten durch die Provinz Santa Cruz kaum ein Wort wechseln. Zu sehr war ich damit beschäftigt, die Gegend genaustens zu inspizieren.

Die gesamte Reise nach Santa Cruz war ein wahres Fest für die Sinne. Visuell ist die Landschaft mit ihren türkisfarbenen Gewässern, die man lustigerweise Gletschermilch nennt, ein wahrer Traum. Dazu kommen auditiv die Vogelrufe und das Heulen des Windes. Im Februar, also im Frühherbst Argentiniens, war das Wetter in der Region Santa Cruz bereits kühler, weshalb ich eine angenehme frische Brise auf meiner Haut genoss; schließlich ist das Wetter in meiner damaligen Heimatstadt Buenos Aires zu der Zeit heiß und extrem feucht gewesen. Dies stellte einen angenehmen Kontrast dar. Und für meinen Geschmackssinn war die Reise nach El Calafate ebenfalls ein einziger Genuss. Die Restaurants in dem Ort sind auf deftige Küche ausgelegt, mit fein zubereiteten Fleischspeisen und hervorragenden Weinen zur Begleitung.

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