21. Juli 2026, 15:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Im „Valleggio sul Mincio“ schlängelt sich der Fluss durch ein malerisches Tal. Als eines der „schönsten Dörfer Italiens“ oder „Ort der Romantik und der Liebe“ wird das mittelalterliche Borghetto unweit des Gardasees beschrieben. Dass es sich dabei um keinerlei Übertreibung handelt, hat TRAVELBOOK-Autorin Alexandra Cavelius bei einem Rundweg ums Dorf erlebt.
Wer kennt nicht die Schönheit vom Gardasee? Aber kennen Sie auch das Dörfchen Borghetto, nur knapp fünfzehn Minuten Autofahrt entfernt? Im Tal der Wassermühlen fühlt man sich wie aus der Zeit gefallen, in eine andere Welt versetzt.
Um dort hinzukommen, folgt man, mit Bus, Auto oder Rad, ab Peschiera, dem blaugrünen Mincio, dem einzigen Abfluss aus dem größten See Italiens. Bereits nach rund 12 Kilometern gen Süden gelangt man, abseits von künstlich angelegten Freizeitparks wie Gardaland, hinein in eine natürliche Märchenwelt.
Am nördlichen Ortseingang zieht die Besucher sofort der erste „Eyecatcher“ magnetisch an. Neben dem Fluss geht es nämlich zur berühmten „Ponte Visconteo“. Dieses Brückenbauwerk aus dem 14. Jahrhundert erstreckt sich rund 650 Meter über den Kanal Virgilio und einige schmalere Wasserläufe. Auf den aufgestellten Tafeln erfahren die Besucher, dass diese imposante Anlage einst unter dem Herzog von Mailand errichtet worden ist. Zum einen, um die Wasserführung des Mincio zu kontrollieren und zum anderen, um eine Verbindung zur gegenüberliegenden Skaliger-Burg zu schaffen.
Heute wird das Bauwerk aus Backsteinen mit etwa 25 Metern Breite von Autos und Fußgängern gleichzeitig genutzt. So spaziert man zunächst durch die Überreste eines Torbogens, an der Brüstung entlang, vorbei an Ruinen der Festungsbauten, auf das „Castello Scaligero“ zu, welches dort majestätisch über dem Tal am Hügel thront. Immer wieder hält einen dabei der Blick nach unten gefangen. So zauberhaft und fast unwirklich wie eine Theaterkulisse wirkt die Szenerie.
Das historische Mühlendorf ähnelt einer kleinen Insel. Mit Häuschen in Pastellfarben, wie direkt aus dem Boden gewachsen, bunt übertupft mit Blumenkästen, umgeben von kleineren Wasserfällen sowie weiß schäumenden Stromschnellen im glitzergrünen Fluss. Ein Restaurant reiht sich direkt am Ufer ans andere, mit Tischen und Schirmen, teils mit Terrassen ausgestattet, die über dem Wasser zu schweben scheinen. Besonders im Hochsommer lässt es sich im angegliederten Park sicher gut aushalten. Eine grüne Oase voller Teiche, Schilf und von Bäumen beschatteter Wiesen.
Gardasee-Auszeit im Hotel Meandro inkl. Übernachtung
Wer mediterranes Flair, beeindruckende Natur und italienische Lebensfreude erleben möchte, sollte sich eine Auszeit am Gardasee gönnen. Das Hotel Meandro in Gargnano begeistert mit traumhaftem Seeblick, einer entspannten Atmosphäre und der perfekten Lage, um die malerischen Orte, Zitronengärten und die umliegende Berglandschaft zu entdecken. Nach erlebnisreichen Tagen am See laden gemütliche Cafés, regionale Spezialitäten und die charmanten Gassen der Gardasee-Orte zum Genießen ein. Aktuell gibt es das Angebot inklusive Übernachtung bereits ab 109 Euro pro Person.
Borghetto ist ein Gesamtkunstwerk
Im Ort drehen sich zwischen den Gassen die alten Mühlräder über dem Fluss. Wer hier auf einer kleinen Brücke sein Eis über dem plätschernden Wasser schleckt und dabei die Spiegelungen der Visconti Brücke im Fluss betrachtet, versteht, warum Borghetto gerne als Gesamtkunstwerk bezeichnet wird.
„Man kommt wegen der Landschaft hierher“, erklärt einer der Restaurantbesitzer, „aber bleibt wegen der Tortellini.“ Wem das rätselhaft erscheint, der muss wissen, dass das Valeggio-Tal nicht nur als Herkunftsort dieser Speise gilt, sondern hier auch „Liebesknoten“ (Nodi d’amore) genannt werden. Das wiederum hängt mit einer Legende über ein Paar zusammen, welches sich nicht lieben durfte und sich am Ende gemeinsam im Fluss ertränkte. Eine unglücklich verliebte Nymphe, die einen goldenen Knoten in ein Tuch band, damit der geliebte Ritter sie nicht vergaß. Dies wiederum inspirierte Köche der Region offenbar dazu, diese Knoten in Form von Teigtaschen nachzubilden.
Ein Tortellini-Fest feierten jahrelang die Dörfler mit Besuchern im Juni auf der Visconteo-Brücke, das jedoch bis auf Weiteres ausfällt. Es wurde so gut angenommen, dass die Wirte schlichtweg überlastet waren. Doch Tortellini genießen kann man in Borghetto weiterhin in jedem Restaurant. Ein Ort, der auch durch den Magen geht. Märchenhaft. Durch und durch.