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TRAVELBOOK-Autor vor Ort

Das sind die schönsten Orte in der französischen Champagne

Champagne
Das Renaissance-Schloss Château de Boursault wurde im 19. Jahrhundert von der legendären Witwe (Veuve) Clicquot erbaut Foto: Christian Kemper
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Christian Kemper

4. Oktober 2025, 8:15 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Die Champagne ist den meisten vor allem aufgrund des dort hergestellten hochwertigen Schaumweins ein Begriff. Dass man dort, zwischen Weinbergen, historischen Städtchen und Dörfern, aber auch wunderbar seinen Urlaub verbringen kann, weiß unser Autor aus eigener Erfahrung. Bei TRAVELBOOK verrät er seine besten Tipps.

Wenn Bordeaux das Mekka für edle Rotweine ist, dann ist Épernay das Zentrum für feinsten Champagner. Wohlgemerkt, DEN Champagner, denn nur Perlwein aus der Region Champagne darf sich auch Champagner nennen. Das Anbaugebiet liegt im Norden Frankreichs und erstreckt sich über etwa 150 Kilometer.

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Die schönsten Orte in der Champagne

Épernay

Im Herzen der Champagne befindet sich der malerische Ort Épernay. Die kleine Stadt mit rund 23.000 Einwohnern liegt wie eingekuschelt zwischen endlosen Weinbergen. Ihre Hauptstraße, die majestätische „Avenue de Champagne“, ist Sitz der großen Weinproduktionshäuser und gehört seit 2015 zum Weltkulturerbe. Die Stadt mit einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen Frankreichs lebt vom Prickeln und verfügt über 110 Kilometer Weinkeller – das sind mehr Kilometer unter der Erde als Straßen über der Erde. Ein Labyrinth im Kreideboden.

Hier reifen wegen der gleichbleibenden, kühlen Temperaturen rund 200 Millionen Flaschen Champagner und warten darauf, entkorkt zu werden. Fast alle Champagnerhäuser kann man auf einer geführten Tour besichtigen und dabei eine Verkostung des edlen Getränks buchen.

Der Stammsitz von Moët & Chandon

Das Anwesen von Moët & Chandon in Épernay
Das Anwesen von Moët & Chandon in Épernay Foto: picture alliance / Global Travel Images

Größtes und ältestes Haus der Straße ist das eindrucksvolle Domizil von Moët & Chandon. Der Name „Moët“ ist vielen geläufig und doch stellt sich immer wieder die Frage, wie man ihn richtig ausspricht. Tatsächlich endet Moët auf einem „t“, das nicht stumm ist, da der Familienname flämischen oder niederländischen Ursprungs ist. Die korrekte Aussprache ist also „Mo-ätt“. Das Champagnerhaus, das seit 1987 zum Luxuskonzern LVMH gehört, errichtete bereits 1743 seinen Stammsitz an der berühmten Straße.

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Wer nicht auf den vielen Terrassen oder den oft teuren Restaurants der Champagnerhäuser etwas essen oder trinken möchte, findet in der Innenstadt von Épernay zahlreiche weitere Optionen.

Zwischen Prunk und nüchternem Beton

Champagne
Das punkvolle Champagnerhaus de Venoge in der Avenue de Champagne in Épernay Foto: picture alliance / imageBROKER | Hans-Werner Rodrian

Épernay vereint exemplarisch alles, was die Champagnerherstellung ausmacht. Im Ort sind alle Elemente traditionell handwerklicher wie auch moderner industrieller Champagnerherstellung vereint. Die Produktions- und Vertriebsketten des Luxusgetränks sind durchgängig hier zentralisiert, und das seit Jahrhunderten. Épernay zeigt zudem eindrücklich, wie sehr die Champagnerhäuser Einfluss auf die städtebauliche Infrastruktur hatten. Dort, wo es wichtig war, Macht und Einfluss zu zeigen, ist alles prachtvoll und repräsentativ: die Villen, die Parks, die sichtbaren Bereiche der Champagnerherstellung, die öffentlich zugänglichen Keller.

Doch jenseits der prachtvollen Avenue de Champagne und den nahen, von Mauern umgebenen Gärten des prunkvollen Rathauses ist Épernay eine Stadt, die deutlich zeigt, dass nicht alle am Wohlstand teilhaben. Viele Straßen, durch die man beim Bummeln Richtung Bahnhof oder Parkplatz kommt, sind charmefrei. Nüchterner Beton, mitunter verwahrlost. Hinterstuben im Herzen der Champagnerstadt.

Das Dorf Ay

Blick über das Dorf Ay in der Champagne
Blick über das Dorf Ay in der Champagne Foto: picture alliance / Dorling Kindersley | Tamara Thiessen

Fünf Kilometer weiter westlich liegt das kleine Dörfchen Ay. Ay ist eines der berühmtesten Dörfer der Champagne mit seinen 429 Hektar umfassenden Weinbergen. Die Weinbautradition reicht zurück bis in gallorömische Zeit, wie Ausgrabungen beweisen. Die Weine gelten als „Grand Cru Classé“- Weine der Region. Große Champagnerhäuser wie Deutz, Gosset oder Bollinger haben ihren Sitz in Ay, aber auch das „Institut International des Vins de Champagne“. Untergebracht in der Villa Bissinger, gilt dieses quasi als der Vatikan des Champagners. Gleichzeitig dient dieses Institut als Weinschule, in der man als Laie Kurse rund um das Thema Champagner und Verkostungen buchen kann.

Das Haus Bollinger ist eines der letzten großen Champagner-Häuser, welches sich noch heute in Privatbesitz befindet. „Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin, und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe.“ Dieses Zitat von Madame Lily Bollinger lässt schon erahnen, dass Champagner Bollinger etwas ganz Besonderes ist unter den rund 11.000 Champagnermarken – und der Lieblingschampagner von James Bond!

Prachtvoll: das Haus Bollinger in Ay
Prachtvoll: das Haus Bollinger in Ay Foto: Christian Kemper

Ausgangspunkt für eine Entdeckungstour ist das Zentrum. Zwei große Tafeln weisen den Weg. Die Eiligen besuchen direkt die Kirche von Saint-Brice, ein strahlendes Gebäude aus dem 16. und 17. Jahrhundert im gotischen Stil. Die Fassade schmückt ein großes Portal, dessen Skulpturen das Leben des heiligen Brice erzählen. Im Inneren können Touristen das große Kirchenschiff mit fünf Seitenaltären bestaunen, eine schöne Barockorgel aus dem 18. Jahrhundert, die vor Kurzem renoviert wurde, und kleine Schemelchen für den Kinderchor aus derselben Zeit.

Von Épernay durch die Weinberge nach Venteuil

Die Weinberge von Dom Perignon bei Hautvillers
Die Weinberge von Dom Pérignon bei Hautvillers Foto: picture alliance / allOver/KTH | Karl Thomas

Die Champagnerstraße „Vallée de la Marne“ führt von Épernay aus auf der rechten Seite der Marne größtenteils am Fluss entlang bis nach Dormans. Doch zunächst einmal geht es bergauf in Richtung Champillon, von wo aus sich herrliche Blicke auf die Weinberge bieten. Beim Parkplatz „Royal Champagne“ kann man auf dem „Chemin du paradis“ einen wahrhaft paradiesischen Pfad durch die Weinberge entlangspazieren.

Über das bewaldete Plateau führt der Weg weiter nach Saint-Imoges und weiter talwärts nach Hautvillers. In dem charmanten Winzerdorf steht die Wiege des Champagners, hat doch Kellermeister Dom Pérignon hier das Prinzip des prickelnden Schaumweins entdeckt. Der Legende nach „erfand“ er den Champagner, indem er die Perlen (Kohlensäure) in den Wein brachte – tatsächlich ging es um die Verbesserung des Verfahrens zur Flaschengärung und Stabilität des Produkts. Sein Ausspruch „Kommt, Brüder, ich trinke Sterne!“ ist legendär. Dom Pérignon ist in Hautvillers in der Abteikirche beigesetzt.

Allerorten kann man Weinberge bewundern, Halt in kleinen, unbekannten Champagnerkellereien machen. Auf der Strecke zwischen Damery und Venteuil erblickt man am Südufer der Marne das Schloss von Boursault.

Château de Boursault

Das Renaissance-Schloss Château de Boursault
Das Renaissance-Schloss Château de Boursault Foto: Christian Kemper

Das Château de Boursault, erhaben an der linken Uferseite des Marne-Tals, inmitten der sanften Hügel, nur zehn Kilometer von Épernay entfernt, wurde im 19. Jahrhundert von der legendären Witwe (Veuve) Clicquot erbaut, jener bemerkenswerten Frau, die mit einer Kühnheit, die ihrer Zeit weit voraus war, die Welt des Champagners prägte. Die Veuve Clicquot fand in diesem Schloss nicht nur Zuflucht, sondern auch ihre letzte Ruhe, als sie 1866 hier verstarb.

Dieses glanzvolle Anwesen, ein wahres Meisterwerk der Architektur, wechselte nach ihrem Tod mehrfach den Besitzer und war Zeuge der Umbrüche der Geschichte, bis es 1927 von der Familie Fringhian erworben wurde. Dieses besondere Erbe, eines der wenigen Anwesen der Champagne, das einen Clos (von Mauern abgeschlossener Weinberg) beherbergt, in dem sich die Weinberge, die Kelter, die Cuverie und die Keller vereinen, steht als Symbol für die untrennbare Verbindung von Tradition und Terroir. Heute, unter der Leitung von Alex Fringhian, setzt die Familie ihre traditionsreiche Kunst der Champagnerherstellung fort, vereint in einem meisterhaften Gleichgewicht aus handwerklichem Können, Respekt vor der Natur und einer Geschichte, die über beinahe zwei Jahrhunderte reicht.

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