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TRAVELBOOK-Autorin vor Ort

5 Dinge, die mich in Südkorea überrascht haben

Südkorea überrascht
TRAVELBOOK-Autorin Doris Tromballa war das erste Mal auf Reisen durch Südkorea – und von einigen Dingen überrascht Foto: Getty Images/privat/Collage TRAVELBOOK
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Doris Tromballa
Freie Autorin

15. Dezember 2025, 11:12 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Südkorea ist in den letzten 20 Jahren zu einem internationalen Powerhouse geworden: K-Pop, High Tech, Kimchi. Die Republik hat in sehr kurzer Zeit eine riesige Fangemeinde aufgebaut. Das spiegelt sich auch im Tourismus wider: Nach 11,03 Millionen Besuchern im Jahr 2023 stieg die Zahl 2024 auf über 16 Millionen, ein Anstieg von fast 50 Prozent. Dieses Jahr hat es auch TRAVELBOOK-Autorin Doris Tromballa ins hippe Südkorea gezogen, und sie verrät, was sie dort besonders überrascht hat.

Spätestens mit „Golden“, dem K-Pop-Hit aus dem Film „KPop Demon Hunters“ ist die Koreanische Popkultur auch im letzten Winkel der Welt angekommen (Platz 1 unter anderem in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA!). Und auch als ich in Korea war, schallte aus jedem zweiten Laden der Ohrwurm der fiktiven Girl Band. Dass es deshalb auch Nudelsuppe, Nagellack und Notizblöcke mir den „Demon Hunters“ gibt, hat mich deshalb wenig überrascht. Dafür habe ich in Südkorea über vieles gestaunt, was ich so vorher definitiv nicht auf dem Schirm hatte!

1. Gesichtspflege als Vollzeitjob

Dass koreanische Kosmetik weltweit im Trend liegt, wusste ich natürlich. Aber wie dominant alles rund um die Hautpflege im Alltag ist, wurde mir erst in Seoul klar. Wer durch den Stadtteil Myeong-dong geht, läuft im Grunde durch einen einzigen, überdimensionalen Drogeriemarkt: Hunderte Läden verkaufen Masken, Seren, Ampullen, Cremes, Peelings, Sonnenschutz – und zwar in allen denkbaren Variationen.

Stadtteil Myeong-dong
Der Stadtteil Myeong-dong besteht quasi ausschließlich aus Kosmetikläden Foto: Doris Tromballa

Die berühmte „10-Schritte-Routine“ ist dabei nur teilweise ein Marketinggag, sondern hat durchaus auch kulturelle Tradition: Reinigen, nochmal reinigen, Toner, Essence, Ampulle, Serum, Maske, Lotion, Creme, Sonnenschutz – und das Ganze natürlich perfekt abgestimmt auf Hauttyp, Jahreszeit, Luftfeuchtigkeit und Tagesform. Die Qual der Wahl: Soll es lieber „Honey Skin“ sein (glatt und feucht-glänzend wie Glas oder Honig) oder „Cloudless Skin“ (samtig, weich und gleichmäßig)? Lieber eine Maske, die aushärtet wie Gummi, oder eine Creme mit Schneckenschleim (angeblich ein wahres Wunder in puncto Feuchtigkeit)?

Beauty-Fans finden in Südkorea in jedem Fall paradiesische Möglichkeiten, einen großen Teil des Reisebudgets in Skin-Care-Produkte zu versenken.

2. Kinderwagen ohne Kind – dafür mit Hund

Beim ersten Mal habe ich noch gestaunt und das für einen liebevollen Spleen gehalten: Ein junges Paar stieg in Seoul in die U-Bahn, mit einem (wie ich dachte) Kinderwagen, in dem aber ein kleiner Hund saß. Adrett mit Bluse und Pullunder angezogen. Also: der Hund. Auf einem Polsterbettchen mit rosa Spitzen, auf Rädern und mit Klappdach und Regenschutz.

Bald wurde mir klar: Das ist hier ganz normal. Laut Gmarket, einem Betreiber einer E-Commerce-Plattform, haben 2024 die Verkäufe von Tierkinderwagen erstmals die von Babykinderwagen übertroffen. Die Heimtierbranche boomt, mit vielen Tiercafés und hundefreundlichen Orten und einem wachsenden Markt für Produkte und Dienstleistungen.

Hunde im Kinderwagen sind hier ausdrücklich erlaubt, aber nur mit geschlossenem Dach
Hunde im Kinderwagen sind hier ausdrücklich erlaubt, aber nur mit geschlossenem Dach Foto: Doris Tromballa

Parallel wurde ein Gesetz verabschiedet, das das Züchten, Verkaufen und Schlachten von Hunden für die Fleischindustrie verboten hat. Ein gesellschaftliches Umdenken gegenüber den Vierbeinern hat stattgefunden. Hauptgründe für den „Bello-statt-Baby“-Boom scheinen jedoch die immer höheren Lebenshaltungskosten und die teils sehr beengten Wohnbedingungen zu sein: Familienplanung erscheint unsicher und unerschwinglich. Und so hat Südkorea mit 0,7 Kindern pro Frau eine der geringsten Geburtenraten der Welt. Hunde in Kinderwagen, so habe ich festgestellt, gehören hingegen zum absoluten Alltag hier.

3. Riesige Wolkenkratzersiedlungen auf dem platten Land

Als ich mit meinem Mini-Auto durch die ländlichen Gebiete Südkoreas zuckelte, fiel mir ein erstaunliches architektonisches Phänomen auf: gigantische Hochhauskomplexe, die plötzlich aus völlig flachem, ländlichem Gelände in den Himmel schießen. Und das nicht nur in den Vorstädten von Seoul oder Busan, sondern mitten im ländlichen Nirgendwo. Felder, Wiesen, Weiden – und plötzlich 80 Hochhäuser, dicht gedrängt nebeneinander. Warum? Da wäre doch Platz…

Aber Reihenhaussiedlungen mit Handtuchgarten wie in Deutschland oder den USA sind hier die Ausnahme: Dieses Nebeneinander von unbebauten Gebieten und monolithischen Apartmenttürmen ist typisch für Südkorea. Es spiegelt die politische Entscheidung wider, Wohnraum lieber extrem zu verdichten, um Platz für Landwirtschaft und Natur freihalten zu können. Ob man die Hochhäuser schön findet, ist wohl Geschmackssache – ausgestattet mit modernster Haustechnik, eigenen Parkanlagen und Einkaufszentren sind sie allerdings bestimmt sehr komfortabel.

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4. Goethe in den U-Bahnen von Seoul

Wer in Seoul auf die U-Bahn wartet, starrt währenddessen ein paar Minuten auf die „Screen Doors“ – also die Sicherheitstüren am Bahnsteig, die vor den Gleisen angebracht sind. Auf diese Glastüren sind (in der wunderschönen koreanischen Schrift!) Texte aufgebracht, die man sich beim Warten zu Gemüte führen kann. Nur: Was steht da? Also hole ich meine Übersetzungs-App raus. „Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah…“ Ich staune. Das kenne ich doch irgendwoher!

In der U-Bahn in Seoul findet man Gedichte an den Scheiben
In der U-Bahn in Seoul findet man Gedichte an den Scheiben Foto: Doris Tromballa

Tatsächlich: Die Stadt Seoul hat 2023 beschlossen, an Bahnsteigtüren an den von ausländischen Touristen häufig besuchten U-Bahn-Stationen Gedichte berühmter ausländischer Dichter anzubringen. Und dazu gehört auch: Goethe! Und so prangt „Erinnerung“ an der Sicherheitstür vor mir. 2008 startete die Stadtverwaltung diese poetische Tradition: Seitdem wurden 286 Gedichte von Bürgern und Dichtern an Bahnsteigtüren an wichtigen U-Bahn-Stationen angebracht. Damit wollte die Verwaltung ein bisschen mehr Poesie ins Alltagleben bringen. Ziel war ausdrücklich nicht, hohe Literatur oder elitäres Leseverständnis zu fördern, sondern Poesie in den Alltag zu tragen, für alle.

5. Geschenkkörbe mit Weintrauben und Dosenfleisch

Zu einer Einladung bringt man auch selbst etwas mit – eine Geste des Anstands, die auch in Asien selbstverständlich ist. Nur was? Die Wohnungen verkraften nicht noch einen Staubfänger und das Beauty-Regime ist schließlich etwas sehr Individuelles. Also haben die Supermärkte in Südkorea eine Lösung parat, die fast immer geht: etwas zu essen. In extra dafür aufgestellten Regalen türmen sich die Geschenkkörbe mit exquisiten Lebensmitteln – die für mich auf den ersten Blick etwas alltäglich oder gar merkwürdig aussahen: Weintrauben? Mangos? Und warum liegt das Obst, in goldglänzende Styropornetze verpackt, auf schwarzen Samtpolstern, wie Schmuck?

Antwort: Es gibt eine bedeutende Tradition in ganz Asien, extrem hochwertiges Obst als Geschenk mitzubringen. Vor allem bestimmte Melonensorten, Mangos oder eben tischtennisballgroße Trauben sind der Renner und können tausende Euro kosten. Aber auch Salatblätter werden im Supermarkt einzeln verkauft – gewaschen, geputzt, auf Hochglanz poliert. Doch nicht nur das:

Ja, in Südkorea werden im Supermarkt auch einzelne Salatblätter verkauft
Ja, in Südkorea werden im Supermarkt auch einzelne Salatblätter verkauft Foto: Doris Tromballa

Auch Dosenfleisch („Spam“) gilt als Delikatesse und Mitbringsel, mit dem man punkten kann. Südkorea hat inzwischen den weltweit höchsten Pro-Kopf-Dosenfleisch-Verbrauch außerhalb der USA. Der Grund: Nach dem Koreakrieg (1950–53) war das Land extrem arm. Fleisch war knapp, frische Lebensmittel rar, und Spam kam durch US-Militärstützpunkte ins Land, als nahrhaftes, proteinreiches Produkt, das nicht verdarb und sofort einsetzbar war. Spam wurde so zu einem wertvollen Lebensmittel in einer Zeit des Mangels. Für viele Koreaner der älteren Generation ist es bis heute mit Dankbarkeit und einem Gefühl von „Wir haben es geschafft“ verbunden.

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