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Tourismusminister Harris Whitbeck im Interview

Diese Orte muss man in Guatemala gesehen haben

Antigua In Guatemala gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Laut Tourismusminister Harris Whitbeck ist dies aber nur einer von vielen Orten im Land, die sich für einen Besuch lohnen.
Antigua in Guatemala gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Laut Tourismusminister Harris Whitbeck ist dies nur einer von vielen Orten im Land, die sich für einen Besuch lohnen. Foto: Getty Images/Kryssia Campos, Collage: TRAVELBOOK
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Nuno Alves
Chefredakteur

17. März 2026, 10:56 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Guatemala gehört noch immer zu den weniger bekannten Reisezielen für europäische Urlauber. Dabei vereint das Land auf engem Raum zahlreiche Maya-Stätten, 37 Vulkane, Kolonialarchitektur und eine lebendige indigene Kultur. Im TRAVELBOOK-Interview spricht Tourismusminister Harris Whitbeck über die Attraktionen des Landes, neue Flugverbindungen nach Europa und die Sicherheit vor Ort.

TRAVELBOOK: Für viele Reisende ist Guatemala noch ein eher unbekanntes Ziel. Was erwartet Besucher dort?
Harris Whitbeck:
„Vor allem eine enorme Vielfalt. Guatemala hat mehr als 3000 Jahre Geschichte und war einst das Zentrum der Maya-Zivilisation. Im ganzen Land gibt es Tausende antike Stätten. Viele liegen noch unter dichtem Dschungel verborgen, einige sind freigelegt und gehören heute zum UNESCO-Welterbe. Reisende können dort eine sehr ursprüngliche Dschungelerfahrung machen. Mit etwas Glück sieht man sogar einen Jaguar. Das ist selten, kommt aber vor. Mitten im Regenwald liegt Tikal, eine der bedeutendsten Maya-Stätten überhaupt. Und all das in einem vergleichsweise kleinen Land. Nach dem Besuch einer solchen Stätte kann man abends in einem Restaurant essen, das guatemaltekische Küche auf sehr hohem Niveau serviert.“

Es gibt zudem Dutzende Vulkane.
„Insgesamt sind es 37. Wer gerne wandert, kann einen besteigen und dabei einen anderen beobachten, der gerade aktiv ist. Man steht in sicherer Entfernung und spürt aber trotzdem seine Kraft. Wir haben die Natur, für die etwa Costa Rica bekannt ist. Aber zusätzlich haben wir diese tiefe historische und kulturelle Verbindung. Das macht Guatemala so einzigartig.“

Nur gibt es leider kaum Flugverbindungen zwischen Deutschland und Guatemala.
„Das verändert sich gerade sehr schnell. Wir führen intensive Gespräche mit Fluggesellschaften, die hoffentlich bald eine Direktverbindung anbieten werden. Darunter ist auch eine deutsche Airline. Mehr kann ich dazu im Moment aber nicht sagen. Wir hoffen sehr, dass es bis Ende des Jahres eine bessere Anbindung geben wird.“

„Die Zahl der europäischen Besucher ist um 28 Prozent gestiegen“

Aktuell muss man noch den Umweg über Madrid nehmen, um von Europa direkt nach Guatemala zu fliegen.
„Von Deutschland nach Madrid zu fliegen, ist unkompliziert. Von dort gibt es derzeit einen täglichen Flug nach Guatemala-Stadt. Seit Kurzem verbindet außerdem Air Canada Montreal mit Guatemala-Stadt. Die Flugzeiten sind so abgestimmt, dass sie gut zu europäischen Verbindungen passen. Man könnte also beispielsweise von Berlin über Montreal nach Guatemala fliegen. Air Canada macht das sehr gut. In den ersten Monaten des Jahres haben wir dank dieser Verbindung deutlich mehr Besucher verzeichnet. Die Zahl der europäischen Besucher ist um 28 Prozent gestiegen.“

Verfügt Guatemala denn über eine gute Hotelinfrastruktur? Das wünschen sich Airlines oft, bevor sie Verbindungen einrichten.
„Deshalb beginnen wir nun ein Programm, um Investoren für neue Hotels zu gewinnen, sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Kürzlich wurde eine Absichtserklärung mit Marriott unterzeichnet. Das Unternehmen will sein erstes Hotel mit 300 Zimmern außerhalb von Guatemala-Stadt bauen – an der Pazifikküste. Ich bin sicher, dass das Türen öffnen wird. Oft braucht es nur ein erstes Projekt. Gleichzeitig wollen wir keine großen All-inclusive-Resorts. Das passt nicht zu uns. Guatemala benötigt kleinere, hochwertige oder zumindest sehr durchdachte Hotels, die eine tiefe Verbindung zu unserer 1000-jährigen Kultur ermöglichen.“

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Harris Whitbeck: »Guatemala hat nicht die Autobahnen, die Deutschland hat

Wie binden Sie die lokalen Gemeinschaften ein?
„Wir glauben an gemeindebasierten Tourismus, weil daraus authentische Angebote entstehen. Wir arbeiten zum Beispiel eng mit der nationalen Bewegung indigener Weberinnen zusammen. Tausende Frauen aus dem ganzen Land sind daran beteiligt. Sie haben einen Platz am Tisch und sagen uns selbst, wie sie dargestellt werden möchten und welche Angebote sie Besuchern machen wollen – ohne kulturelle Aneignung oder Folklorisierung. Es geht um Authentizität.“

Wie reist man als Tourist innerhalb Guatemalas?
„Im Moment meist mit dem Bus. Es ist eine etwas exotische Erfahrung. Aber wir arbeiten daran. Wir haben nicht die Autobahnen, die Deutschland hat. Ein Teil der Reise ist auch das Erlebnis unterwegs.“

Hier besteht also noch Aufholbedarf.
„Unsere größte Schwäche ist tatsächlich die Infrastruktur. Guatemala kommt aus Jahrzehnten sehr korrupter Regierungen, die nicht so investiert haben, wie sie es hätten tun sollen. Am Flughafen wurde zum Beispiel rund 20 Jahre lang kaum investiert.“

Macht es die jetzige Regierung denn besser?
„Sie ist erst seit zwei Jahren im Amt und arbeitet intensiv daran. Der Schwerpunkt liegt zunächst auf Nebenstraßen und kleineren Verbindungsstraßen, damit Gemeinden an die Hauptverkehrsachsen angeschlossen werden und ihre Produkte transportieren können. In diesem Jahr wurden bereits etwa 1000 Kilometer neue Straßen gebaut. Aber es sind eben nicht große Fernstraßen. Deshalb ist das für Touristen bisher nicht besonders sichtbar. Der nächste Schritt wird dann der Ausbau der großen Hauptverbindungen sein.“

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Harris Whitbeck: „Tikal ist Palenque auf Steroiden“

Was würden Sie Reisenden aus Deutschland für eine erste Reise nach Guatemala empfehlen?
„Deutsche Reisende bleiben gerne länger. Der Durchschnitt liegt bei etwa 14 Nächten. In zwei Wochen kann man viel sehen. Am besten beginnt man in Guatemala-Stadt und fliegt anschließend in den Norden nach Petén, ins Herz des Maya-Reiches. Dort kann man zwei Tage lang Tikal besuchen.“

Ich war schon von der Maya-Ausgrabungsstätte Palenque in Mexiko beeindruckt.
„Tikal ist Palenque auf Steroiden. Ich nenne es gerne das New York City des Maya-Reiches. Es liegt mitten im Dschungel in einem Nationalpark.“

Was müssen Reisende noch gesehen haben?
„Von Guatemala-Stadt aus kann man mit dem Auto nach Antigua fahren, der ehemaligen spanischen Kolonialhauptstadt. Dort kann man problemlos eine Woche verbringen. Antigua gehört zum UNESCO-Welterbe und hat viele ausgezeichnete Restaurants. Im vergangenen Jahr fand dort die Preisverleihung der 50 Best Latin American Restaurants statt, und auch in diesem Jahr wird sie wieder dort ausgerichtet. Antigua ist zudem ein guter Ausgangspunkt für eine Vulkanbesteigung, etwa auf den Acatenango. Der Aufstieg dauert etwa sieben Stunden. Man bleibt über Nacht oben und sieht den benachbarten Vulkan ausbrechen. Am nächsten Tag geht es wieder hinunter.“

Eine berühmte Attraktion in Guatemala ist auch der Atitlán-See.
„Dieser Kratersee ist einer der größten und tiefsten der Welt. Er entstand vor etwa 100.000 Jahren durch eine vulkanische Explosion. Rund um den See liegen 14 indigene Dörfer, in denen unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. Man kann von einem Dorf zum nächsten fahren und diese kulturelle Vielfalt direkt erleben. In den 1960er- und 1970er-Jahren zog der Atitlán-See viele Hippies an. Cat Stevens lebte damals in einem der Dörfer. Diese Atmosphäre ist teilweise bis heute erhalten geblieben. In San Marcos etwa findet man heute eine ausgeprägte New-Age-Szene. Es gibt aber auch sehr hochwertige Hotels. Viele Menschen aus Guatemala-Stadt besitzen dort Wochenendhäuser.“

Guatemala hat neben einer Karibik- auch eine Pazifikküste.
„Dort gibt es einige der besten Surfspots der Region. Kleine Fischerdörfer entwickeln sich allmählich zu Surferorten mit Restaurants, Nachtleben und kleinen Hotels.“

Sie haben bereits von Antigua erzählt und dass es dort ausgezeichnete Restaurants gibt. Was sollte man in Guatemala unbedingt einmal probiert haben?
„Ich würde zunächst den Mercado Central in Guatemala-Stadt besuchen. Dort gibt es einen hervorragenden Food-Bereich. Man bekommt zum Beispiel Tostadas, knusprige Tortillas mit frischer Guacamole und Fleisch. Die guatemaltekische Küche ist sehr komplex. Manche Eintöpfe enthalten 30 oder 40 Zutaten. Viele Rezepte gehen direkt auf Traditionen zurück, die mehrere Jahrhunderte alt sind. An der Karibikküste gibt es außerdem eine Küche mit stark afrokaribischem Einfluss und vielen Gewürzen. Und auch in der modernen Gastronomie spielt Guatemala eine Rolle: 43 Restaurants aus dem Land standen im vergangenen Jahr auf der Liste der 50 Best Latin American Restaurants. Dort werden guatemaltekische Zutaten neu interpretiert.“

„Berichte über entführte Reisebusse voller Touristen hat es in Guatemala nie gegeben“

Viele deutsche Touristen haben Sicherheitsbedenken, wenn es um Reisen nach Lateinamerika geht. Wie ist die Situation in Guatemala?
„Viele Menschen machen sich Sorgen, wenn sie im Land von einem Ort zum anderen reisen. Deshalb empfehlen wir oft Inlandsflüge. Ein Flug dauert etwa 50 Minuten, während dieselbe Strecke über Land wegen der Straßen bis zu 14 Stunden dauern kann.“

Und wie sieht es mit der Kriminalität aus?
„Wie in vielen Ländern hängt Sicherheit vor allem vom gesunden Menschenverstand ab. Die touristischen Regionen sind sehr sicher. Wir haben in einem Jahr bei 3,5 Millionen Besuchern nur etwa 70 tourismusbezogene Vorfälle verzeichnet. Gelegentlich wird ein Telefon gestohlen, aber das passiert überall. Berichte über entführte Reisebusse voller Touristen hat es in Guatemala nie gegeben.“

Dennoch sind in Guatemala auch Drogenbanden aktiv.
„Natürlich gibt es Probleme im Land, die mit unserer geografischen Lage zusammenhängen. Wir liegen südlich von Mexiko und sind ein Transitland für Schmuggel und Drogenhandel. Aber diese Aktivitäten konzentrieren sich hauptsächlich auf Grenzregionen oder auf Seewege.“

Wie viele Deutsche reisen derzeit nach Guatemala?
„2025 hatten wir fast 26.000 Besucher aus Deutschland. Das war ein Anstieg von etwa drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.“

Wie wollen Sie Guatemala in Deutschland noch stärker als Reiseziel bekannt machen?
„Ende Mai kommen wir zur Berlin Design Week. Dort zeigen wir eine Installation: eine fünf Meter hohe Darstellung des Großen Jaguar-Tempels in Tikal aus 7 Millionen kleinen Perlen, die zu einer großen Pyramide verwoben wurden. Wir arbeiten dafür mit 17 jungen Designern zusammen sowie mit traditionellen Weberinnen. Sie präsentieren ihre Arbeiten und erzählen ihre Geschichten. Außerdem haben wir eine Serie produziert, die derzeit auf Amazon Prime läuft. Sie heißt ‚True Guatemala‘. Es sind sechs Episoden von jeweils etwa einer halben Stunde, die das Land, seine Geschichte und Traditionen zeigen. Ich habe sie moderiert. Ich war früher Journalist.“

… und ein sehr berühmter. Sie haben für CNN aus Krisen- und Kriegsgebieten auf der ganzen Welt berichtet und gehörten zu dem Reporterteam, das als erstes den Tod der Söhne Saddam Husseins meldete.
„Im Herzen bin ich immer noch Journalist. Aber irgendwann wollte ich etwas verändern. Tourismus zu fördern, ist für mich eine andere Form der Kommunikation. Aber letztlich geht es immer noch darum, Geschichten zu erzählen.“

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