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10 Dinge, die ich nach meinen Japan-Reisen in Deutschland vermisse

Japan vermissen
TRAVELBOOK-Autorin Katharina Kunath ist öfter in Japan – und findet, dass dort einiges besser läuft als hierzulande Foto: Getty Images/Collage TRAVELBOOK
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Katharina Kunath
Freie Autorin

13. Februar 2026, 10:42 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Der Urlaub nähert sich seinem Ende. Und in den letzten Tagen vor der Heimreise denkt man sich: Hier könnte ich jetzt auch noch die kommenden drei Wochen bleiben … oder gleich für immer. Kennen Sie dieses Gefühl? Ich habe es sehr oft, aber am schlimmsten in Japan, insbesondere in Tokio. Zum einen, weil ich stets das Gefühl habe, noch nicht genug gesehen zu haben. Zum anderen will ich mich meist nicht verabschieden, weil das japanische Stadtleben so viele Vorzüge bietet, die ich in deutschen Metropolen geradezu schmerzlich vermisse.

Japanische Convenience-Stores

Japanische Convenience-Stores, sogenannte Kombinis, findet man in Japan an jeder Ecke. Sie heißen Lawsons, FamilyMart oder 7-Eleven, mal sind sie größer, mal kleiner, aber immer geöffnet. In den kleinen Läden, die wie eine Mischung aus Supermarkt und Drogerie anmuten, könnte ich mich stundenlang aufhalten. Hier gibt es frische Onigiri, warme Bentoboxen, kalte Drinks und guten Kaffee. Hygieneartikel, Schreibwaren und oft sogar frische Socken und Hemden.

Egal ob frühmorgens, spätnachts oder irgendwo dazwischen: Alles geht schnell, unkompliziert und ohne lange Warteschlangen. Mit meiner Kombini-Liebe bin ich nicht alleine: Das Internet ist voll von Videos, in denen Menschen begeistert ihre Einkäufe zeigen oder Lobeshymnen auf die kleinen Geschäfte singen. Wer noch nie in einem japanischen Convenience-Store war, kann kaum nachvollziehen, wie sehr man diese Läden im Alltag zu schätzen lernt.

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Blitzschnelle, gut bestückte Getränkeautomaten

Der japanische Hochsommer ist durch extreme Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit und viel Regen geprägt. In Städten wie Tokio, Kyoto und Osaka können die Temperaturen auf bis zu 40 °C steigen. Ist mal kein Convenience-Store um die Ecke oder ist man gerade besonders durstig, retten einen Getränkeautomaten vor der Dehydrierung. Und die verhalten sich zu den hiesigen Getränkeautomaten wie ein Ferrari zu einem Hackenporsche. Das ausgewählte Produkt kommt blitzschnell und perfekt temperiert aus dem Automaten geschossen. Neben Softdrinks gibt es ungezuckerten Grüntee und Elektrolyte-Drinks, die helfen, ausgeschwitzte Salze schnell wieder aufzunehmen. Während man hierzulande gerne 3 bis 4 Euro für eine lauwarme Cola bezahlt, die dann unter Umständen auch noch stecken bleibt, zahlt man an japanischen Automaten den gleichen Preis, den man auch im Convenience-Store zahlt. Vor allem sonntags oder spätabends, wenn alle Läden zu sind, wünsche ich mir oft einen dieser praktischen Automaten an meine Straßenecke.

Die praktische Suica Prepaidcard

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Eine Karte für alles: Die wiederaufladbare, kontaktlose Suica Card wird in vielen Regionen Japans als Fahrkarte in öffentlichen Verkehrsmitteln verwendet. Gleichzeitig kann man damit auch in Kombinis, einigen Restaurants und sogar an meinen heißgeliebten Getränkeautomaten zahlen. Das macht die hübsche Prepaid-Karte (hellgrün, mit einem kleinen Pinguin!) unfassbar praktisch. Mittlerweile gibt es sie auch digital fürs iPhone-Wallet oder als App. Wie gerne denke ich an sie zurück, wenn ich in Deutschland mal wieder verzweifelt nach Kleingeld suche oder Kartenzahlung erst ab zehn Euro möglich ist.

Durchsichtige Regenschirme

Seit dem in Tokio spielenden Filmklassiker „Lost in Translation“ (2003) bin ich großer Fan durchsichtiger Regenschirme. In Deutschland haben sie sich nie durchgesetzt, in Japan gibt es sie gefühlt in jedem Convenience-Store. Was sie so praktisch macht? Durch die transparente Plane läuft man auch im dichten Menschengedränge nicht in Gefahr, Menschen mit seinem Schirm zu streifen. Sehr wichtig in Japan, wo „Personal Space“, also ein gewisser Abstand zwischen Menschen, sehr wichtig ist. Mein Tipp: Unbedingt einen der schönen Regenschirme im Handgepäck als praktisches Reisesouvenir mit nach Hause bringen!

Durchsichtige Regenschirme sieht man in Japan überall
Durchsichtige Regenschirme sieht man in Japan überall Foto: Getty Images

Kleine Nudelsuppenläden

Es gibt kaum etwas Besseres als eine dampfende Schüssel Ramen nach einem langen Tag. Nudelsuppen-Restaurants findet man in Japan an jeder Ecke: Oft sind es kleine Läden mit wenigen Plätzen, manchmal nur mit einem Tresen, oft unscheinbar von außen. Man bestellt und bezahlt an einem Automaten, setzt sich, isst die frisch zubereitete Suppe und geht wieder. Schnell, günstig, unkompliziert. Trotzdem schmecken die Ramen dort fast immer besser als vieles, wofür man hierzulande deutlich mehr bezahlt. Eine heiße Brühe, frische Nudeln, ein paar Scheiben Fleisch oder Tofu, vielleicht ein halbes Ei – mehr braucht es oft nicht. Diese Selbstverständlichkeit von gutem, bezahlbarem Essen vermisse ich in Deutschland sehr.

Freundliche Schilder

Nicht umsonst kommt das Konzept des „Kawaii“, des Süßen, Unschuldigen, aus Japan. Statt nüchterner Verbotsschilder – „Betreten verboten!“, „Parken untersagt!“ – werden viele öffentliche Botschaften einfach nett verpackt. Hübsche Plakate oder Sticker mit kleinen Tierzeichnungen oder anderen hübschen Figürchen weisen Wege, geben Anleitungen oder bedanken sich bei Besuchern öffentlicher Einrichtungen für die korrekte Toilettennutzung. Da hat man doch direkt bessere Laune!

Saubere öffentliche Toiletten

Apropos Toiletten: Seit Wim Wenders’ „Perfect Days“ (2023), ein wunderschönes filmisches Porträt des Lebens eines Toilettenreinigers in Tokio, gehören diese tatsächlich für viele Japan-Reisende zum Sightseeing dazu. Unabhängig von der Begeisterung, die die Filmkulissen bei Architektur-Fans hervorrufen: Die öffentlichen Toiletten in Japan sind für Touristen, die sich viel in der Stadt bewegen, ein Segen. Vor allem für die, die wie ich aus einer Stadt kommen, in der man unterwegs meist nur die Möglichkeit hat, in Restaurants darum zu bitten, gegen Entgelt die Gästetoilette nutzen zu dürfen. Wie sehr würde ich mir wünschen, in einem ähnlich zivilisierten Land wie Japan zu wohnen! Im Vergleich wirkt Deutschland, was öffentliche sanitäre Einrichtungen betrifft, geradezu mittelalterlich.

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Wenig Verkehrslärm

Die Pünktlichkeit japanischer Verkehrsmittel ist mittlerweile ja weitgehend bekannt, sehr angenehm ist aber auch der leise Verkehr. Strenge Lärmschutzgesetze und Maßnahmen zur Lärmreduzierung sei Dank. Haben Sie schon mal einen japanischen Rettungswagen gehört? Verglichen mit den ohrenbetäubenden Sirenen, die in Deutschland benötigt werden, damit Pkw-Fahrende schnell genug Platz machen, muten japanische Sirenen an wie die entspannende Musik in einer Wellness-Lounge. Funktioniert dort aber trotzdem alles.

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Mehr Rücksicht aufeinander

Wenn wir schon beim Thema Lärm sind: Aggressives Hupen oder mit offenen Fenstern und laut aufgedrehtem Radio durch dicht bewohnte Straßen fahren? Würde in Japan, wo Stille als hohes Gut gilt, einem Gesichtsverlust gleichkommen. Eine Etikette, die man meinetwegen sehr gerne auch in Berlin einführen dürfte! Ganz generell würde ich mir die stille japanische Zurückhaltung und Rücksichtnahme viel mehr in Deutschland wünschen. Einen respektvolleren Umgang miteinander. Kein Drängeln in der Supermarktschlange, kein aggressives Anrempeln auf der Straße, nicht diese ständige Missgunst untereinander. Ich kann damit doch nicht alleine sein?

Gepflegte, gut angezogene Menschen

Gut angezogen zu sein, hat meiner Meinung nach nichts mit der Größe des eigenen Geldbeutels zu tun. In Japan ist klassisches Understatement beliebt: Großflächige Markenlogos sieht man dort deutlich seltener als hier. Wichtiger sind saubere Kleidung, eine gute Passform und ein insgesamt gepflegter Eindruck. Eine Haltung, die auch hierzulande nicht unbedingt schaden würde.

Vielleicht ist es genau diese Summe an Kleinigkeiten, die Japan für mich so besonders macht. Nichts davon ist besonders spektakulär. Es sind die alltäglichen Dinge, die hier einfach besser funktionieren: ein schneller Snack, eine saubere Toilette, ein respektvoller Umgang miteinander. Wenn ich hier unterwegs von einem eiskalten Grüntee träume, hektisch Kleingeld zusammensuche oder in einer überfüllten Bahn ohne Entschuldigung angerempelt werde, denke ich unweigerlich: In Tokio wäre das jetzt einfacher. Und ertappe mich dabei, wie ich im Kopf schon die nächste Reise plane.

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