12. August 2026, 16:52 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
In Los Angeles treffen die Gegensätze stärker zusammen als in den meisten anderen Großstädten. Die Stadt der Engel und die Traumfabrik für Stars und Sternchen wird von einem dunklen Schatten überzogen, der viele Reisende abschreckt. Acht Jahre war unsere Autorin nicht mehr dort. Vergangenen Frühling ist sie nach langer Zeit wieder nach L.A. gereist. Als sie zurückkam, hat sie die Stadt mit anderen Augen wahrgenommen. Manches in Los Angeles hat sie geschockt, anderes positiv überrascht.
Meine negativen Eindrücke
Der Verkehr
Die meisten Leute in Los Angeles fahren mit dem Auto von A nach B. Die Stadt besitzt ein eher kleines U-Bahn-Netz, und die Busse sind oft heiß und unpünktlich. Dementsprechend sind vor allem während der Rushhour die Straßen so überfüllt, dass man für eine Strecke von wenigen Kilometern teilweise Stunden braucht. Anders als in New York oder Chicago kann man hier nicht einfach in die nächste Bahn einsteigen, um an sein Ziel zu kommen, und zu Fuß zu gehen ist oft zu weit.
Abgesehen davon, dass die Straßen sowieso schon überfüllt sind, ist die Infrastruktur meiner Meinung nach auch nicht gut ausgeklügelt. Um von West Hollywood aus der Stadt herauszukommen, muss man an ungefähr 100 roten Ampeln halten. Ich glaube, ich habe selten im Auto so viel geflucht wie auf den Straßen von Los Angeles.
Die beste Möglichkeit ist, zu versuchen, die Stoßzeiten zu vermeiden und alle Strecken, die gelaufen werden können, auch wirklich zu laufen. Meine 20.000 Schritte habe ich dadurch auf meinem Trip nach L.A. definitiv jeden Tag voll bekommen.
Hollywood-Glamour trifft auf Armut, Leid und Obdachlosigkeit
Der Kontrast zwischen Luxus und Leid ist in Los Angeles nicht zu übersehen. Natürlich bekommen wir als Touristen gar nicht richtig mit, wie elendig es vielen Menschen in der Stadt geht, aber ich finde, dass eine gewisse Stimmung trotzdem mitschwingt. An jeder Ecke sieht man Werbung für „Celebrity Homes Bus-Touren“ und erhält Informationen über das Land of Dreams, die großen Hollywood-Stars oder die glamouröse Oscar-Verleihung.
Auf der anderen Seite der Stadt, vor allem in vielen Gegenden Downtowns, schlafen die Menschen auf der Straße und Drogenhandel und Gangs sind Alltag. Ich habe mich vorher darüber schlau gemacht, dass vor allem South Los Angeles und die sogenannte „Skid Row“ als besonders gefährlich gelten und für Touristen zu meiden sind.
Obwohl mich meine Wege nicht in die unsicheren Teile der Stadt geführt haben, spiegelt sich ein Teil des Leids auch im Rest der Stadt wider. Ganz ignorieren kann und sollte man das meiner Meinung nach nicht.
Was mich in Los Angeles positiv überrascht hat
Trotz Millionenstadt nicht zu überfüllt
Ich weiß nicht, ob ich die Einzige bin, die das so sieht, aber die Stadt ist nicht so voll, wie man vermuten würde. Naja, zumindest nicht mit Passanten. Mein Gefühl war, dass dadurch, dass so viele Leute mit dem Auto von A nach B fahren, die Fußgängerbereiche gar nicht so überfüllt waren. Wenn ich an andere Metropolstädte wie New York, London oder Paris zurückdenke, war ich teilweise echt überfordert mit den Massen an Menschen, denen man über den Weg läuft. In Los Angeles ist es vergleichsweise ruhig. Egal ob auf dem Rodeo Drive, am Venice Beach oder in den Hollywood Hills – ich konnte immer relativ entspannt gehen. Ich muss aber dazusagen, dass ich im April dort war. Ich denke, in den Sommermonaten sieht das noch mal ganz anders aus.
Die kalifornische Freundlichkeit ist kein Mythos
In Kalifornien sind die Leute offen und nett. Ja, das stimmt. Man bekommt auf der Straße Komplimente, die Leute helfen, wenn man den Weg nicht weiß, und irgendwie versuchen sie einfach immer, dass es dem Gegenüber gut geht. Sobald man mit einer weiteren Person im Aufzug steht oder nebeneinander im Restaurant sitzt, wird eine kurze Unterhaltung gestartet. Smalltalk steht hier an oberster Stelle. Ob die fast überfreundliche kalifornische Art authentisch ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Ich fand es sehr erfrischend, so vielen positiven Menschen zu begegnen. Davon könnten wir Deutschen uns vielleicht mal eine Scheibe abschneiden.
Ein Oscar ist schwerer als man denkt
Als Filmliebhaber gab es für mich noch ein echtes Highlight. Ich durfte einen Oscar in meinen Händen halten. Kleiner Funfact am Rande: Eine Oscarstatue wiegt knapp 4 Kilogramm. Im offiziellen Academy Museum of Motion Pictures erfährt man alles über die Geschichte der Verleihung und verschiedene Filme und darf am Ende auch eine Statue selbst in die Hand nehmen. Nach einem kurzen, einminütigen Video muss man den Oscar dann natürlich wieder zurückstellen. Das Museum befindet sich in Mid-Wilshire und wurde erst im September 2021 eröffnet. Wer sich also für die Hollywood-Klassiker interessiert, der sollte dort unbedingt einen Abstecher machen.
Mein Fazit
Wenn ich meinen ersten Besuch in Los Angeles mit dem Besuch im April 2026 vergleiche, muss ich sagen, dass sich einiges verändert hat. Ich glaube, entweder man mag es oder man mag es nicht. Trotz aller Veränderungen bleibe ich ein Fan von Los Angeles. Die Stadt sprüht gerade nur so von kreativen Menschen und genau dort fühle ich mich wohl. Trotzdem hoffe ich, dass die Probleme und die Armut, die L.A. überziehen, bald eine Lösung finden. Wer weiß, vielleicht sieht es das nächste Mal, wenn ich dort bin, schon ganz anders aus.