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So spektakulär ist eine Radtour ins Tal der Könige in Ägypten

Tal der Könige
Autor Frank Lehmann hat das Tal der Könige auf ungewöhnliche Weise erkundet – mit dem Bike! Foto: Frank Lehmann / Collage TRAVELBOOK
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Frank Lehmann

17. Februar 2026, 12:33 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

TRAVELBOOK-Autor Frank Lehmann ist dem Fahrrad durch Ägyptens lebendige Geschichte ins Tal der Könige gefahren – eine Tour zwischen Staub, Historie und Alltagsleben.

Theben-West mit dem Fahrrad zu erkunden, bedeutet, die Region mit allen Sinnen zu erleben: den Staub auf der Zunge, den Wind im Gesicht, die Rufe der Händler und das Klappern der Eselkarren im Ohr. Es ist eine Reise, die nicht nur zu den großen Monumenten führt, sondern auch zu den kleinen Momenten, die Ägypten so unvergesslich machen. Hier kann man sich wunderbar abseits der klimatisierten Reisebusse einen faszinierenden Teil der Nillandschaft erobern.

Ab aufs Rad!

Der Start ist in Luxor am Westufer des Nils. Man erreicht ihn mit den kleinen Fährbooten, die für 50 Pfund über den Fluss tuckern – das ist weniger als ein Euro. Los geht es in einem kleinen, unscheinbaren Fahrradverleih an der Al Qarna Road, betrieben von Mohamed Setouhy. Für läppische fünf Euro pro Tag bekommt man ein solides, nagelneues Rad – perfekt für die staubigen Pisten, die einen hier erwarten. Mohamed, ein Mann mit sonnengegerbtem Gesicht und einem Lächeln, das schon unzählige Reisende willkommen geheißen hat, erklärt kurz die Route: „Erst zu den Memnon-Kolossen, dann rechts abbiegen, am Ramesseum vorbei, dann immer der Straße folgen. Aber pass auf die Hunde auf!“ Und noch ein wichtiger Tipp: Bei einer Reifenpanne einfach per WhatsApp anrufen – Mohamed kommt und hilft.

Memnonkolosse

Und dann geht es los. Die ersten Meter führen über die holprige Dorfstraße, vorbei an einfachen Lehmziegelhäusern und kleinen Läden, in denen Tee und frisches Brot und leckere Falafel angeboten werden. Der Wind weht warm, der Staub wirbelt auf und hinterlässt eine feine Schicht auf Haut und Kleidung. Doch das gehört dazu.

Beeindruckend: die Memnonkolosse
Beeindruckend: die Memnonkolosse Foto: Frank Lehmann

Schon nach wenigen Kilometern thronen am Wegesrand die Memnonkolosse – zwei gewaltige, sitzende Statuen des Pharao Amenhotep III. Kein Eintritt, kein Gedränge, einfach nur mächtig stehen sie dort in den Feldern. Die Kolosse wirken wie stumme Wächter einer längst vergangenen Zeit. Hier lohnt es sich, kurz zu verweilen und die Dimensionen zu bestaunen.

Weiter führt der Weg durch grüne Felder, auf denen Frauen in bunten Gewändern Tomaten auf großen Flächen zum Trocknen auslegen. Die Farben leuchten im Kontrast zu dem staubigen Boden und dem frischen Grün – ein lebendiges Bild, das sich in das Gedächtnis brennt. Die Frauen blicken neugierig, manchmal lächelnd, manchmal scheu. Ein kurzes „Salaam“ öffnet oft die Tür zu einem kurzen Gespräch oder einem freundlichen Winken.

Tal der Könige
Die Tomaten werden zum Trocknen in der Sonne ausgelegt und leuchten tiefrot Foto: Frank Lehmann

Ramesseum – Vermächtnis zwischen Kolossen und Ruinen

Nach etwa zwanzig Minuten erreicht man das Ramesseum, den Totentempel von Ramses II. Die gigantischen Statuen des Pharaos thronen immer noch eindrucksvoll zwischen den Säulenresten. Doch das eigentliche Highlight liegt im ersten Hof: Hier ruht der Kopf des berühmten, umgestürzten Kolosses von Ramses II. – ein monumentales Fragment aus Granit. Allein ein Ohr ist etwa einen Meter lang! Der Kopf gehörte einst zu einer über 17,5 Meter hohen und über 1000 Tonnen schweren Sitzfigur. Die Vorstellung, wie diese Statue einst die Landschaft dominierte, ist überwältigend.

Blick auf das Ramesseum
Blick auf das Ramesseum Foto: Frank Lehmann

Die Gräber der Noblen

Weiter geht es zu den Gräbern der Noblen. Dies sind weniger überlaufene Alternativen zu den berühmten Königsgräbern. Die Wandmalereien hier sind über 3000 Jahre alt und oft sehr gut erhalten. Klar, viele Gottheiten sind zu sehen, aber auch manche Szenen aus dem Alltagsleben der alten Ägypter, wie Tänzerinnen oder Handwerker. Besonders sehenswert ist das Grab von Pashedu – ein Juwel mit farbenfrohen Darstellungen von Musikern und Festmahlen. Manchmal muss man nach einem Wächter fragen, der die Gräber aufschließt. Ein kleines Bakschisch hat er dafür verdient, denn er öffnet die Tür zu versteckten Schätzen. Die Gräber von Sennedjem und Inherkha sollten man bitte nicht verpassen!

Malereien im Pashedu-Grab
Malereien im Pashedu-Grab Foto: Frank Lehmann

Tickets für die Gräber der Noblen gibt es an der Polizeistation kurz hinter den Memnonkolossen (Visa-Zahlung ist möglich) oder online auf der offiziellen Website des ägyptischen Antikenministeriums.

Deir el-Medina und Tempel der Hatschepsut

Ein kurzer Abstecher führt nach Deir el-Medina, einem der faszinierendsten historischen Dörfer Ägyptens. Hier lebten einst die Handwerker und Künstler, die an den Gräbern im Tal der Könige arbeiteten. Die gut erhaltenen Ruinen der Arbeiterhäuser, der Tempel der Hathor und die kleinen Kapellen erzählen von einem lebendigen Gemeinschaftsleben. Besonders beeindruckend sind die Ostrakas – Tonscherben, auf denen die Arbeiter Skizzen, Briefe und sogar Klagen über ihre Arbeitsbedingungen hinterließen.

Deir el-Medina ist ein Ort, der zeigt, wie das tägliche Leben der Menschen aussah, die die monumentalen Gräber schufen. Ein Spaziergang durch die engen Gassen und über die alten Mauern ist wie eine Zeitreise in den Alltag des alten Ägypten. Im Jahr 1159 v. Chr. fand hier der erste dokumentierte Streik der Menschheitsgeschichte statt. Angeblich waren die Arbeiter im Dorf streng eingesperrt, denn sie kannten ja die genauen Orte der Gräber der Könige mit ihren unermesslichen Schätzen und durften dies niemandem verraten.

Blick auf das historische Dorf Deir el-Medina
Blick auf das historische Dorf Deir el-Medina Foto: Frank Lehmann

Ein weiterer kurzer Abstecher führt zum Tempel der Hatschepsut, einem architektonischen Juwel, das sich in die Felswand schmiegt. Doch Vorsicht: Hier drängen sich die Besuchermassen, die mit Bussen aus Luxor anrollen. Wer Ruhe sucht, sollte sich auf einen kurzen Besuch beschränken und dann schnell weiterradeln. Doch die Geschichte der Königin, die sich lange Zeit als männlicher Pharao zeigen musste, um als Regentin anerkannt zu sein, ist wirklich faszinierend.

Die lange, staubige Strecke ins Tal der Könige

Die Fahrt ins Tal der Könige ist kein Vergnügen für Genussradler. Die Straße ist lang, kurvig und staubig, die Sonne brennt erbarmungslos. Doch wer durchhält, wird belohnt: mit dem Wissen, dass am Ende der Straße unter der kargen Erde einige der prächtigsten Gräber der Welt verborgen liegen. Das Basisticket für das Tal kostet umgerechnet 12 Euro und man kann dafür drei Gräber sehen. Einige Gräber wie das des Tutanchamun kosten eine Sondergebühr. Ich empfehle für vier weitere Euro das Zusatzticket für das Grab von Ramses VI., die Malereien sind atemberaubend. Aber auch das Grab von Pharao Setnakht ist sehenswert, und das Grab von Ramses III. ein Muss!

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Dorfleben und Begegnungen

Der eigentliche Reiz der Tour liegt in den kleinen Dörfern, durch die man auf dem Rückweg kommt. Hier wird noch Brot im Lehmofen gebacken, Eselskarren werden mit frischem Gemüse beladen, Männer sitzen unter schattigen Bäumen und diskutieren über Gott und die Welt. Wer Zeit mitbringt, sollte anhalten, zuhören, vielleicht sogar eine Einladung zum Tee annehmen. Ein freundliches „Salaam“ an die Bauern, die am Wegesrand sitzen, öffnet auch manche Tür für ein Gespräch. Gebrochenes Englisch beherrschen sie fast alle.

Achtung: Unterwegs wird man von bellenden Hunden begleitet, die die Fremden neugierig, aber meist harmlos begrüßen.

Infos und Tipps zur Route

Die beschriebene Tour umfasste insgesamt ca. 30 Kilometer, die sich an einem Tag gemütlich machen lassen. Ich empfehle aber, sich dafür zwei bis drei Tage Zeit zu nehmen, damit man diese Weltsensationen nicht hektisch abklappern muss. Es bleibt dann auch Zeit, mal in einem Café am Straßenrand einzukehren, ein Buch zu lesen oder auch noch weitere verborgene Schätze wie den riesigen Tempel Médinet Habou entdecken. Nehmen Sie sich Zeit für diese spannende Seite von Luxor. Ja, am gegenüber liegendem Ostufer befinden sich der große Tempel von Karnak, der Luxor-Tempel und die Sphinx-Allee, doch das Westufer des Nils ist noch viel bezaubernder. Hier bieten sich viele familiäre Gasthäuser an, wie z.B. das Saraha Palace. Und wunderbare Restaurants liegen direkt an der Nil-Promenade.

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