15. August 2025, 6:47 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die North Coast 500 ist eine berühmte Panoramastraße in den schottischen Highlands. Einst zur Förderung des Tourismus eingerichtet, leiden Umwelt und Anwohner inzwischen unter dem Fehlverhalten zu vieler Touristen entlang der 830 Kilometer langen Straße.
Wer an Schottlands Highlands denkt, hat vermutlich schnell Bilder im Kopf, die irgendwo entlang der North Coast 500, kurz NC500, geschossen wurden. Allem voran: Gefühlte Einsamkeit inmitten majestätisch aufragender, schroffer Berge zur Linken und Rechten. Ganz so sieht die Realität heute nicht mehr aus. Die Berge sind natürlich dieselben. Bis heute bietet die ikonische Panoramaroute Traumblicke in die faszinierenden schottischen Berglandschaften. Doch von Einsamkeit kann kaum die Rede sein. Im Gegenteil: Die North Coast 500 ächzt unter dem Gewicht des Overtourism. Müll, Automassen und Fäkalien inklusive.
Anwohner beschweren sich über Fehlverhalten der Touristen
Ein Bericht des britischen „Telegraph” beschreibt die Zustände vor Ort. Von Menschen, die die Straße als Rennstrecke missbrauchten, Müll der in den Gräben entlang der Route entsorgt würde und verstopften Straßen ist dort die Rede.
In der Facebook-Gruppe „NC500 The dirty truth” (zu Deutsch: „NC500 die dreckige Wahrheit”) machen Anwohner ihrem Ärger über das zu gut funktionierende Tourismusprojekt Luft. Post um Post beschäftigt sich mit Wildcampern und einer schier überfordernden Masse an Motorhomes, die statt auf dafür angedachten Campingplätzen auf normalen Parkplätzen oder auch mitten in der Natur stünden. Hinzu kommen Berichte über in den Highlands platzierte menschliche Ausscheidungen sowie diverse Unfälle und Fast-Unfälle angesichts eines deplatzierten Anspruchsgefühls, wie sich einige Gruppenmitglieder beschweren. In diesem Video sieht man, wie sich Massen an Autos und Wohnmobilen wie in einer Kolonne auf der berühmten Straße aneinanderreihen:
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Tourismusprojekt North Coast 500
Die North Coast 500 wurde vor zehn Jahren von der North Highland Initiative umbenannt und gezielt vermarktet, um den Tourismus im Norden Schottlands anzukurbeln. Gedacht war eine Entwicklung, bei der Besucher in Unterkünften vor Ort schlafen, in lokalen Restaurants essen und ihr Geld in sonstigen Einrichtungen rund um die NC500 im Norden des Vereinigten Königreichs lassen. Dann kam die Coronapandemie. Und mit ihr ein neuer Wunsch nach fahrbaren Ferienunterkünften, in denen man nicht nur schlafen, sondern auch kochen kann. Gepaart mit einem stärker werdenden Wunsch nach günstigem Urlaub.
Das bedeutet nicht, dass die touristischen Einrichtungen vor Ort nicht vom Zunehmen des Tourismus in den Highlands profitieren. Nicht alle Touristen sind schließlich mit Wohnmobil und Co. unterwegs. Was es oftmals bedeutet, wie immer eigentlich beim Thema Massentourismus, ist ein zunehmendes Fehlverhalten zu vieler Touristen. Und das bedeutet schlussendlich Ärger mit den Anwohnern und eine Zunahme von Regeln und Einschränkungen.
Inzwischen hat sich die Küstenstraße zu einer Ikone der Roadtrip-Routen Europas entwickelt. Nicht zuletzt von etlichen Influencern gepusht, die Bilder der 830 Kilometer langen Rundstrecke, die in Inverness beginnt und endet, in den Sozialen Netzwerken teilen. Übrigens: Fodor hat Schottlands North Coast 500 sogar auf seine „No List“ für 2025 gesetzt (TRAVELBOOK berichtete).
Autoschlangen und Menschenmassen
„Auch ich war im letzten Jahr in Schottland und wollte die schottischen Highlands unbedingt mit eigenen Augen sehen. Ich bin nicht enttäuscht worden, sie sind genauso faszinierend und muten mindestens so mystisch an, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Was mich jedoch stark überrascht hat: Von Einsamkeit konnte tatsächlich keine Rede sein. Auch ich bin mit meiner Familie einen Teil der NC500 gefahren und habe genau das empfunden, was ich schon oben im Text geschrieben habe: Die Straßen waren verstopft. Autoschlangen, die notgedrungen an wenigen, bereits vollgeparkten Parkplätzen vorbeiführten. Menschenmassen, die allesamt die gleichen Fotos von beeindruckenden Bergen machten. Vom Müll habe ich nicht viel mitbekommen, aber dort, wo alle waren, bin ich auch nicht ausgestiegen.“

