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Erfahrungsbericht

Darum ist Vancouver Island unbedingt einen Besuch wert

Vancouver Island gilt laut einem aktuellen Ranking als die schönste Insel Kanadas
Vancouver Island gilt laut einem aktuellen Ranking als die schönste Insel Kanadas Foto: Christian Kemper
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Christian Kemper

14. August 2026, 10:01 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Wenn man Vancouver Island mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es sicherlich: wild! Denn Orcas und Buckelwale leben vor der Küste, Weißkopf-Seeadler und Kolibris fliegen am Himmel, Bären, Wölfe und Pumas durchstreifen die Wälder. Das Besondere ist aber der extreme Kontrast zwischen dem gemäßigten, milden Osten und der rauen, wilden Westküste mit dem Pacific Rim National Park sowie den bekannten Surf-Hotspots der ehemaligen Fischerdörfer Tofino und Ucluelet. Unser Autor war dort – und ist begeistert.

Vancouver Island ist eine Insel der Superlative: Sie ist die größte nordamerikanische Pazifikinsel und besticht durch ihre extreme landschaftliche Vielfalt. Die Insel ist über 450 Kilometer lang und rund 100 Kilometer breit und mit ihrer Gesamtfläche größer als Belgien. Der höchste Berg ist der Golden Hinde mit 2195 Metern. Trotz ihrer Größe leben nur rund 750.000 Menschen auf der Insel, was circa 23 Menschen pro Quadratkilometer entspricht.

Mein Besuch auf der „schönsten Insel Kanadas“

Vancouver Island gilt laut den „Travel+Leisure World’s Best Awards 2026“ als die schönste Insel Kanadas. Ich beginne meine Reise an der stürmischen, zerklüfteten, dem Pazifik zugewandten Westseite – in Ucluelet. Das Erste, was mir als Europäer auffällt, sind Straßenschilder, die vor einem möglichen Tsunami warnen – ja, wirklich! Denn wenn es irgendwo vor Japan oder Hawaii ein Seebeben gibt, könnte das einen gewaltigen Tsunami auslösen, der dann mit voller Wucht auf Vancouver Island trifft. Deshalb findet man überall an der Westküste sogenannte „Tsunami Evacuation Routes“, auf denen man sich in Sicherheit bringen kann.

In Ucluelet befindet sich auch der Wild Pacific Trail, ein malerischer Wanderweg, der sich entlang der Küste schlängelt. Auch hier finde ich wieder ein Warnschild: Anscheinend wurde hier vor zwei Tagen ein Schwarzbär gesichtet, man sollte also vorsichtig sein. Dazu muss man wissen: Vancouver Island beherbergt die weltweit höchste Dichte an Schwarzbären. Hier leben schätzungsweise 7000 bis 12.000 dieser Tiere. Im Prinzip kann einem auf Vancouver Island also fast überall ein Schwarzbär über den Weg laufen.

TRAVELBOOK-Autor Christian Kemper neben einem Bären-Warnschild
TRAVELBOOK-Autor Christian Kemper neben einem Bären-Warnschild Foto: Christian Kemper

Baumriesen, Adler und Robben

Bären sehe ich auf dem Wanderweg – zum Glück – nicht, dafür aber jede Menge anderer Riesen. Und zwar mächtige Bäume! Das Blätterdach der Riesenlebensbäume, der Hemlocktannen und Sitka-Fichten, ist dicht. Wer ihre Kronen sehen möchte, muss den Kopf schon ganz in den Nacken legen. Denn so ein Gigant kann leicht über 90 Meter hoch und 800 Jahre alt werden. Die Stämme schrauben und drehen sich wie Korkenzieher in den Himmel – krumm und bizarr. Unter der dicken Rinde sprießen Wucherungen, die an Kröpfe erinnern. Wurzeln schlängeln sich über den Boden und machen nicht einmal vor ihren umgestürzten Artgenossen Halt, die bereits einige Jahrhunderte vor sich hin modern – Grundlage neuen Lebens. Mit Blick auf den Barkley Sound, die Broken Group Islands und den weiten Pazifik bietet der Wild Pacific Trail atemberaubende Küstenpanoramen.

Weiter geht’s nach Tofino. Der kleine Ort ist Kanadas berühmtes Surferparadies und ein Traumrevier für Kajaktouren im UNESCO-Biosphärenreservat Clayoquot Sound. Allerdings ist das Wasser eiskalt, die Strömung treibt kaltes Wasser von Alaska südwärts nach Vancouver Island. Ein dicker Neopren-Anzug sei also jedem Surfer empfohlen. Cox Bay, Chesterman Beach und MacKenzie Beach bieten Wellen für jedes Level – von sanfteren Anfängerwellen bis zu starken Breaks.

Da ich kein Surfer bin, buche ich eine vierstündige Kajaktour. Viele Touren kombinieren das Kajakfahren mit einer kurzen Wanderung zu alten, riesigen Zedern auf Meares Island. Unser Guide hat uns in eine fast vergessene Welt entführt – wir durften Seesterne anfassen, mehr über ihren Lebensraum erfahren und wurden sogar von Adlern und Robben begleitet. Der Abstecher in den Regenwald mit seinen uralten Cedar-Bäumen war einfach magisch. Absolut empfehlenswert für alle, die die Natur lieben.

Kanada-Romantik am Strand

Weiter südlich liegt Port Renfrew. Der Ort ist bekannt für riesige Treibholzstrände und Lachsfang. Wir stellen unser Wohnmobil knapp hundert Meter vom Strand ab und schlafen mit Meeresrauschen und Lagerfeuer ein – Kanada-Romantik pur! Am nächsten Morgen fahren wir mit einem kleinen Boot zum Angeln raus und legen gleichzeitig Krabben-Fallen aus. Die hier vorkommenden Dungeness-Krabben müssen mindestens 165 mm breit sein (gemessen am Panzer quer vor den Zangen). Es dürfen ausschließlich männliche Krabben behalten werden; weibliche Tiere sind umgehend freizulassen. Eine kanadische „Tidal Water Fishing Licence“ ist zwingend vorgeschrieben. Nach vier Stunden haben wir zwar nur zwei Fische gefangen (einen Lachs und einen schwarzen Felsenbarsch), aber dafür 24 Krabben. Bei einem Stückpreis von 30 Dollar im Laden (umgerechnet rund 18 Euro) ein wahrer Schatz! Zwei Stunden später liegen Fische und Krabben bereits bei uns gekocht auf dem Teller – frischer geht’s nicht.

Vancouver Island ist übersät mit zahlreichen Bächen, Flüssen und Seen, eingebettet in eine Landschaft aus kontrastreichen Bergen und Stränden. Bei so vielen einzigartigen und vielfältigen Zielen, die es zu erkunden gilt, möchte man seine Zeit ungern an einem Rastplatz am Straßenrand verbringen. Doch etwas abseits des Highway 4, hinter der „Taylor River Rest Area“, verbirgt sich eine geheime Badestelle, die man unbedingt gesehen haben muss und die bei jedem Roadtrip einen Stopp wert ist.

Türkisfarben leuchtet das Wasser in dem Naturpool
Türkisfarben leuchtet das Wasser in dem Naturpool Foto: Christian Kemper

Vorsicht, das Wasser ist eiskalt!

Etwa 40 Kilometer von Port Alberni entfernt erwartet Besucher ein atemberaubendes Naturschwimmbecken mit kristallklarem, blau-grünem Wasser, das so traumhaft schön ist, dass es einem den Atem raubt. Es wirkt eher wie ein Ort in der warmen, sonnigen Karibik als wie ein Gewässer im kühlen Kanada. In den wärmeren Monaten ist dieser Ort ideal zum Schwimmen, Stand-up-Paddling und für Klippensprünge in die kühlen Tiefen. Besucher können von verschiedenen Standorten und Höhen rund um das Becken Instagram-taugliche Fotos machen, an einem der bereitstehenden Tische picknicken oder sogar ihr Elektroauto aufladen, während sie die umliegenden Wälder und Felsformationen erkunden.

Auch wenn es wie ein abgelegenes tropisches Atoll aussieht: Lassen Sie sich nicht täuschen, denn die Wassertemperaturen sind alles andere als warm. Das natürliche Schwimmbecken wird von Gletscherwasser gespeist und ist daher die meiste Zeit des Jahres eiskalt. Die wärmeren Sommermonate sind daher die beste Zeit für einen Besuch, wenn man den Sprung in die malerischen Tiefen wagen möchte.

Schwimmen im Wally Creek

Etwa 15 Minuten weiter liegt der Wally Creek. Auch er gehört zum Flusssystem des Taylor River; sein bergiges Gelände und der Verlauf entlang der Kennedy River Falls sorgen für kaskadenartige Wasserfälle, natürliche Schwimmbecken und sagenhafte Stromschnellen. Man kann ihn nicht verpassen, denn am Parkplatz steht ein großer Totempfahl.

Auch hier findet man zahlreiche Postkartenmotive, die unglaublich schön sind. Am Flussufer gibt es sogar einen Zaun für Liebesschlösser, an dem Paare ein Zeichen ihrer Verbundenheit als Erinnerung hinterlassen können. Bevor Sie ins Wasser gehen, sollten Sie sich der Gefahren bewusst sein, die das Schwimmen in den schnell fließenden, aufgewühlten Gewässern des Parks mit sich bringt. Aufgrund der Schneeschmelze sind Strömung und Wasserkraft im Frühjahr und Frühsommer besonders stark; es gab bereits mehrere Fälle, in denen Schwimmer aus den Stromschnellen des Bachs gerettet werden mussten.

Wally Creek
Auch hier leuchtet das Wasser in allen möglichen Blautönen Foto: Christian Kemper
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Wasserfälle und üppige Natur

Am nächsten Tag fahren wir zum Englishman River. Der Englishman River Falls Park liegt ca. 50 Kilometer von Nanaimo entfernt und besticht durch zwei beeindruckende Wasserfälle, die über das abfallende Flussbett in eine tiefe Schlucht stürzen. Dieses malerische Ausflugsziel – eingebettet in einen üppigen Wald aus alten Beständen von Douglasien, Zedern, Hemlocktannen und Ahornbäumen – ist ein idealer Ausgangspunkt, um die enorme Vielfalt Vancouver Islands zu erkunden. Dazu gehören unter anderem der nahegelegene Cathedral Grove, die Region Pacific Rim sowie die Sandstrände von Parksville und Qualicum.

Der Park verfügt über einen großen Tageserholungsbereich sowie einen Campingplatz und bietet Wanderwege, die sich durch den Wald und entlang des Flusses schlängeln. Besucher erwartet ein spektakulärer Ausblick, insbesondere von zwei Brücken aus, die den Fluss dort überspannen, wo er sich durch eine enge Felsschlucht in ruhigere Gewässer stürzt. Der untere Wasserfall mündet in ein tiefes, kristallklares Becken – im Sommer bei niedrigem Wasserstand ein idealer Badeplatz und im Herbst ein hervorragender Ort, um laichende Lachse zu beobachten.

Wasserfälle stürzen sich im Englishman River Falls Park in die Tiefe
Wasserfälle stürzen sich im Englishman River Falls Park in die Tiefe Foto: Getty Images

Eine Insel wie in den Tropen

Als letztes Ziel auf unserer Rundfahrt durch Vancouver Island haben wir uns Hornby Island ausgesucht. Von ihrer westlichen Nachbarinsel Denman Island ist sie durch den etwa 1,5 Kilometer breiten Lambert Channel getrennt. Hornby Island ist nur 6 Kilometer lang und bis zu 3,5 Kilometer breit. Die Insel ist bekannt für ihr türkisfarbenes Wasser, weiße Sandstrände und eine dramatische Küstenlandschaft, die sich eher tropisch als nach Kanada anfühlt. Deshalb wird sie auch oft „Hawaii des Nordens“ genannt.

Erreichbar mit zwei kurzen Fährfahrten bietet Hornby ikonische Stopps wie den Tribune Bay Park: Er bietet einen fast einen Kilometer langen Strand mit feinem, weißem Sand, der in das warme Wasser der Straße von Georgia übergeht. Entlang der Küste bieten sich Ausblicke auf ungewöhnliche Felsformationen, und im Sommer blühen dort zahlreiche Wildblumen.

Es ist eine Insel, die für langsames Reisen gemacht ist – perfekt für Strandtage, Klippenwanderungen, Schwimmen und um von allem anderen abzuschalten.

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