29. August 2025, 17:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
„Jemanden in die Walachei schicken“ – gemeint ist bei dieser Redewendung meist ein abgeschiedener Ort, der irgendwo ganz weit wegliegt, gefühlt am Ende der Welt. Dabei ist die Walachei nicht nur irgendein Begriff, denn es gibt sie tatsächlich. Es handelt sich um eine Region in Rumänien. Wo Sie also genau landen, wenn Sie mal wieder jemand in die sprichwörtliche Walachei schickt, und was es dort zu sehen gibt, erfahren Sie hier.
Die Walachei im Süden Rumäniens
Bei der Walachei handelt es sich um eine Region im Süden Rumäniens. Sie ist umgeben von den Südkarpaten im Norden und der Donau im Süden. Geteilt wird sie durch den Fluss Olt, ein Nebenfluss der Donau, in die Kleine Walachei, genannt Oltenia, im Westen, und in die Große Walachei, genannt Muntenia, im Osten.
Da man mit der sprichwörtlichen Walachei eine eher ländliche, einsame Region verbindet, würde man nicht vermuten, dass mittendrin eine echte Metropole liegt. Die Rede ist von Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens. Dort leben mehr als 1,7 Millionen Menschen (Stand 2021) und damit ist es die bevölkerungsreichste Stadt des Landes.
Ursprünglich kommt die Bezeichnung „Walachei“ übrigens aus dem germanischen Sprachraum. Der Begriff findet man etwa im Nordwesten an der Nordsee (Walcheren), im Süden in Bayern (Walchensee), bis nach Südosteuropa. Laut des Online-Lexikons der Universität Oldenburg geht die Bezeichnung auf die romanischsprachige Bevölkerung in der Region zurück, die wir heute als Rumänien kennen. Die Germanen bezeichneten ursprünglich Nicht-Germanen als Walache. Damit waren vor allem Kelten gemeint (der Name Wales stammt ebenfalls davon ab), später jedoch Römer. „Walachei“ – oder „Walache“ für eine Person – war somit stets eine Fremdbezeichnung. Die Einwohner der Region im heutigen Rumänien nannten ihr Land Ţara Românească (rumänisches Land) und sich selbst Români.
Das gibt es in der Region zu entdecken
Wird man sprichwörtlich in die Walachei geschickt, erwartet einen eine vielfältige Region, die einiges zu bieten hat. So kommen vor allem Naturliebhaber und Wanderfans voll auf ihre Kosten. Ein besonders beliebtes Wandergebiet ist die malerische Landschaft, die direkt an die Südkarpaten angrenzt. Dort gibt es zahlreiche Wanderwege, die durch Wälder und an kleinen Gewässern vorbeiführen.
Außerdem gibt es weitläufige Naturschutzgebiete mit seltenen Pflanzenarten und heimischen Wildtieren. Gerade in der Walachischen Tiefebene kann man besonders gut Vögel beobachten.
Die Walachei lädt aber auch zum Städteurlaub ein. Neben Bukarest gibt es auch noch andere, sehenswerte Städte in der Region. So etwa Sinaia. Sie wird auch als die „Perle der Karpaten“ bezeichnet und ist bekannt für die vermeintlich heilende Wirkung ihrer Mineralquellen. Die Gebirgsstadt ist dank ihrer Skipisten auch bei Wintersportlern beliebt. Außerdem kann man sich Burgen und Schlösser anschauen. Eins der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten des Landes ist das Schloss Peleș. Es diente einst als Sommerresidenz zahlreicher Könige Rumäniens und liegt in Sinaia. In der Vergangenheit wurde es immer wieder als Filmkulisse genutzt.
Auch die Stadt Bușteni bietet beste Bedingungen für Wanderer, Kletterer und Skifahrer, da sie im Bucegi-Gebirge liegt. Dank einer Seilbahn kommt man schnell auf den Berg. Wer an der Historie der Region interessiert ist, sollte die erste Hauptstadt der Walachei besuchen. Die Rede ist von der Stadt Curtea de Argeș. Ihre Kathedrale gehört zu den berühmtesten Gebäuden in ganz Rumänien.
Für Autofahrer ist die Transfăgărășan-Hochstraße ein echtes Highlight. Sie liegt in einer Höhe von etwa 2042 Metern und verbindet das Argeș-Tal in der Großen Walachei mit dem Olt-Tal in Siebenbürgen. Besonders beeindruckend ist dabei die Überquerung des Făgăraș-Gebirges, einer Gebirgsgruppe in den Transsilvanischen Alpen. Wer keine Lust auf nervenaufreibende Serpentinen hat, kann auch eine Gondel nutzen. Diese bringt einen direkt zum Bâlea-See, einem Gletschersee in den Südkarpaten.
Schickt mich in die Walachei!
Ich habe mehrere Jahre in Rumänien gelebt und sowohl Oltenia als auch Muntenia – die sprichwörtliche Walachei – bereist. Das rumänische Herzland hat mit Karpaten, Donau und sogar einer eigenen „Sahara“ nicht nur landschaftlich einiges zu bieten. Auch aus kultureller Sicht ist es eine Reise wert. Bei Dobreta-Turnu Severin sind noch heute Pfeiler und Brückenkopf der römischen Trajansbrücke zu erkennen. Das Bauwerk war mit 1,1 Kilometern die damals längste Brücke der Welt. Aber auch moderne Kunst kommt mit der Allee der Helden (Calea Eroilor) des berühmten Bildhauers Brâncuși in Târgu Jiu nicht zu kurz. Das Ensemble aus „Säule der Unendlichkeit“, „Tor des Kusses“ und „Tisch des Schweigens“ ist seit 2024 UNESCO-Weltkulturerbe.
Das wahre Highlight der Walachei ist jedoch ohne Frage Bukarest. Die Stadt ist ein einzigartiger Mix aus westlich inspirierter Architektur und der größenwahnsinnigen „Systematisierung“ des sozialistischen Ceaușescu-Regimes in der Nachkriegszeit. Für Besucher gibt es viel zu entdecken. In der trubeligen Altstadt können sie Curtea Veche – den alten Fürstenhof – von Vlad dem Pfähler, die Vorlage für Graf Dracula entdecken. Direkt nebenan lässt sich Ceaușescus gigantischer Volkspalast besuchen. Aber Obacht bei der geführten Tour, denn wer sich in den mehr als 1000 Zimmern verirrt, findet womöglich nicht mehr heraus. Nach Besichtigung des Triumphbogens empfiehlt sich ein Abstecher in den Park Regele Mihai I für einen Sundowner am Herăstrău-See.