Was Sie dagegen tun können

Dicke Füße nach langen Flügen: Einbildung oder Gefahr?

Flugzeug, Füße, Beine, Schlaf
Wer so viel Platz im Flieger hat, kann entspannt die Beine mal hochlegen – das kommt allerdings nicht allzu häufig vor
Foto: Getty Images

Auf langen Flügen sollen sich Passagiere bewegen. Sonst schwellen die Beine an. Doch die meisten hören nicht darauf und schauen sich lieber ganz faul die neusten Filmen an. Ist das ein Fehler?

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Ja, das ist möglich. „Ab einer Flugzeit von vier Stunden kann es zu einer Beinschwellung kommen“, erklärt Rupert Bauersachs von der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (Gefäßmedizin). Die Schwellung an sich ist erst einmal harmlos und bildet sich nach dem Flug normalerweise wieder zurück. Vorbeugen kann man schon mit leichten Kompressionsstrümpfen. Wer in einer höheren Klasse fliegt oder zufällig sehr viel Platz hat, kann natürlich auch die Füße hochlegen.

So kommt es zu den dicken Füßen

Dr. med. Johann C. Ragg, Chefarzt der angioclinic Venenzentren, erklärt TRAVELBOOK, wie es zu den dicken Füßen kommt: „Bei längerem Sitzen, besonders bei eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten, staut sich Venenblut und Lymphflüssigkeit an. Entsprechend der Schwerkraft ist das in den Füßen und in der Knöchelregion am deutlichsten. Beim Gesunden ist die Schwellung geringfügig, aber bei Menschen mit Veranlagung oder bereits ausgeprägter Venenschwäche erheblich – und auch gefährlich.“ Weiter erklärt Dr. Ragg, dass man venöse Stauungen immer ernst nehmen sollte: Abgesehen von akuten Erkrankungen, wie der Thrombose, oder im schlimmsten Fall einer Embolie, könnten sie über die Jahre langsam zu chronischen Venenschäden führen. Ab sechs Stunden Flug sollte man laut dem Experten Vorsorge treffen.

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Wie Sie dicke Füße vermeiden können

Selten kann es auch zu Thrombose kommen. Durch die dünne und trockene Luft im Flugzeug, den Bewegungsmangel und die abgeknickten Knie werde das Blut dicker und könne sich stauen, sagt Bauersachs.

Frauen hätten grundsätzlich ein höheres Risiko als Männer, auch die Einnahme der Pille erhöhe die Gefahr. Damit kein Gerinnsel entsteht, sollten Fluggäste mit ihren Füßen wippen oder auch mal die Wadenmuskeln anspannen. Zudem empfiehlt es sich, immer mal wieder den Gang auf- und abzugehen. Vermieden werden sollten Schlaftabletten, zu viel Kaffee und Alkohol.

Hält die Schwellung an und spürt man nach dem Flug zunehmende Schmerzen, die einem Muskelkater ähneln, sollte man einen Arzt aufsuchen. Personen, die schon einmal selbst eine Thrombose oder einen Fall in der Familie hatten, empfiehlt Bauersachs vor der Reise eine ärztliche Beratung.

Auch nach vier Wochen sind Beschwerden noch möglich

TRAVELBOOK fragte weiter nach: Die Beschwerden können laut der Praxis für Gefäßerkrankungen Saphenion auch nach vier Wochen noch auftreten und beschränken sich keinesfalls nur auf Flugreisen. Auch mit dem Auto, im Bus oder der Bahn kann es zu geschwollenen Beinen kommen.

Dr. Ulf Thorsten Zierau stellte TRAVELBOOK ein Informationsblatt zur Reisethrombose zur Verfügung und stand Rede und Antwort. Die Gefäßpraxis rät ihren Patienten dazu, Kompressionsstrümpfe der Klasse 2 zu tragen, wenn sie zur Risikogruppe gehören und der Flug oder die Fahrt länger als drei Stunden andauert. Außerdem könne eine einmalige Injektion von Heparin vor Reisebeginn helfen, wenn der Reisende unter Thrombose oder einer Venenentzündung leidet. Gerade bei extrem langen Flügen lohne sich diese Behandlung. Das vor allem in den USA beliebte Aspirin sei hingegen kein ausreichendes Vorsorgemittel für eine Reisethrombose, weiß Dr. Zierau.

Den angeschwollenen Beinen könne man am besten vorbeugen, indem man viel trinkt, die Beine hochlegt oder langmacht, Reisetrümpfe trägt und sich, wenn möglich, immer wieder bewegt. Ein kleiner Tipp des Arztes: Immer den Gangplatz wählen. Dr. Zierau selbst bevorzugt die Sitze am Gang, da man die Beine hier ungestört ausstrecken kann. Vorbeugend zu handeln ist sehr zu empfehlen, verrät der Experte, denn Krampfadern sind nicht immer sichtbar oder schmerzhaft. Das heißt, dass viele Menschen unter Krampfadern leiden, ohne es zu wissen und somit auch ein erhöhtes Thrombose-Risiko haben. Und unterschätzen sollte man das Problem keinesfalls, erwähnt Dr. Zierau.

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