19. Dezember 2025, 15:01 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Jahresurlaub auf den Malediven oder Shoppen in New York zur Weihnachtszeit? Wer fliegt, kann sein Gewissen durch Kompensationszahlungen in Klimaprojekte beruhigen. Aber kann man Flüge wirklich mit Geld kompensieren? Ein Überblick.
Mittlerweile dürften alle wissen: Fliegen ist schädlich für das Klima. Für viele gehört der Urlaub fernab von Alpen und Ostsee trotzdem dazu. Eine mögliche Lösung fürs Gewissen stellen sogenannte CO₂-Kompensationszahlungen dar.
„Dabei zahlt der Reisende einen zusätzlichen Betrag zum Flugticket und unterstützt damit konkrete Klimaschutzprojekte in Form eines Klimabeitrags“, erklärt das Umweltbundesamt auf seiner Website.
Das Europäische Verbraucherzentrum listet einige Maßnahmen, in die das Geld fließen kann:
- Förderung erneuerbarer Energien, etwa durch den Bau von Solarkraftwerken
- Investition in bessere Energieeffizienz, zum Beispiel durch verbesserte Müllverwertung
- Aufforstung von Wäldern
- Schutz von Moorlandschaften
Doch so einfach ist es nicht. „Der Fußabdruck fürs Klima geht nicht weg, weil ein Baum gepflanzt wird“, sagt Sebastian Öttl vom WWF Deutschland. Er ist Experte für unternehmerischen Klimaschutz. Es handle sich lediglich um den Versuch eines bilanziellen Ausgleichs. Emissionen werden also nicht verhindert, sondern an anderer Stelle teilweise zurückgedreht.
Flüge durch Spenden kompensieren? Rechnung geht nicht auf
Was also tun? Laut WWF Deutschland ist der erste Rat zugunsten des Klimas: Vermeiden und Reduzieren. Also im konkreten Fall auf Flüge möglichst verzichten. Denn: „Kompensation braucht es auf dem Transformationspfad zur Klimaneutralität nur für das, was nicht vermieden werden kann“, sagt Öttl.
Wenn das nicht möglich sei, seien Kompensationszahlungen aber kein schlechtes Mittel, um den Klimaschutz zumindest in gewisser Hinsicht zu unterstützen. „Auch weil es neben biologischen Wegen zur Senkung von Emissionen auch technische Mittel braucht“ – und diese müssten finanziert werden, so Öttl.
Außerdem seien Spenden für qualitativ hochwertige Klima- und Naturschutzprojekte – auch unabhängig von Flugbuchungen – durchaus sinnvoll. „Wenn man sich auch hier bewusst ist, dass es den eigenen Fußabdruck nicht eliminiert.“
Was sind SAF – und sind die eine Lösung?
Manche Airlines bieten gegen einen zusätzlichen Betrag zum Ticketpreis die Nutzung von sogenannten SAF, Sustainable Aviation Fuels, an. Dabei handelt es sich um Kraftstoffe, die sich weniger stark auf das Klima auswirken sollen als herkömmliches Kerosin. Etwa, weil bei der Herstellung Biomasse verwendet wird oder synthetische Kraftstoffe zum Einsatz kommen, die aus erneuerbaren Energien hergestellt werden.
„Das funktioniert ähnlich wie anfangs beim Öko-Strom: Die Airline kauft den Kraftstoff, ob er konkret auf dem gebuchten Flug eingesetzt wird, ist aber nicht gesagt“, erklärt WWF-Mann Sebastian Öttl. Man sollte diese Zahlungen also eher als Investition in den Ausbau dieses Kraftstoffs sehen, der global noch nicht in den erforderlichen Mengen vorhanden ist. Was den eigenen Fußabdruck zwar nicht direkt verkleinert, aber dem Klima indirekt trotzdem zugutekommt.
Mit Material von dpa

