Müll im Paradies, unzählige Glasfassaden, ...

Was mich an Panama überrascht

Panama City
Panama City: Zwischen Tradition und Moderne
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Kleines Land, große Reise: Bei einem Urlaub in Panama kann man vieles erleben – auch so manche Überraschung. TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann verrät, was ihn an dem mittelamerikanischen Land erstaunt hat, und warum es im Paradies ein Müllproblem gibt.

Erinnern Sie sich noch daran, wann Sie ein Urlaubsland zum letzten Mal so richtig überrascht hat? Vielleicht weil es ganz anders war, als Sie erwartet hatten? Oder gerade deshalb, weil Sie überhaupt nichts erwartet hatten? Mir ging es so, als ich 2016 für einen Monat in Panama unterwegs war und feststellte: Dieses kleine Land ist durchaus für einige Überraschungen gut…

Zuallererst war da Panama City, eine hochmoderne Stadt, die komplett aus Glasfassaden zu bestehen scheint – die Skyline direkt am Meer wartet mit einigen beeindruckenden Gebäuden von hunderten Metern Höhe auf, und auch an der Sauberkeit der Straßen merkt man, dass in Panama sehr viel Geld steckt, bzw. fließt.

Der Glanz hat seinen Preis

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Metropolen in Süd- und auch Zentralamerika sieht man hier im Stadtbild fast nirgendwo Verfall, sondern nur Fortschritt in Form von zahllosen Hotels und Bankgebäuden – auch die Altstadt muss da natürlich Schritt halten und wird seit längerem aufwendig saniert. Das trägt dazu bei, dass die Bewohner stolz auf „ihre“ Metropole sind und man sich als Tourist nirgendwo unsicher fühlt, auch wenn man zu später Stunde und allein unterwegs ist. Panama City hat drei Flughäfen und eine moderne Stadtautobahn und strotzt geradezu vor Hochglanz-Shoppingcentern. Der öffentliche Nahverkehr funktioniert ausschließlich mit Bussen einwandfrei, seinen elektronischen Fahrschein kann man quasi überall wieder aufladen – Barzahlung ist nur in den etwas älteren, aber dennoch tadellosen Bussen möglich.

All dieser Glanz hat aber seinen Preis, und das führte dann sprichwörtlich zur nächsten Überraschung, die für meinen Geldbeutel eher unangenehm war: Panama ist ziemlich teuer, und zwar nicht nur die Stadt, sondern das ganze Land. Der Eintritt zu dem Besuchercenter Miraflores an den Schleusen des Panama-Kanals beispielsweise kostet stolze 15 Dollar, wofür erschreckend wenig geboten wird. Mit dem Dollar-Äquivalent Balboa (Wechselkurs zum US-Dollar 1:1) zahlt kann man auch überall zahlen, was zu Preisen führt, die die deutschen durchaus auch übertreffen können, besonders beim Lebensmittelkauf: So kosteten mich ein Stück Kürbis und ein Becher Sahne für eine Suppe auf der Insel Colón acht Dollar.

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Gerade in bei Touristen besonders beliebten Orten schlagen sich diese Preise auch bei den Ausflügen nieder: 40 Dollar für einen Trip waren keine Seltenheit, das Essen teilweise sogar nicht einmal mit eingerechnet. Die Miete für ein Boot zum Whalewatching in Boca Chica kostete kategorisch mehr als 100 Dollar, was wir immerhin durch eine hohe Teilnehmerzahl an dem Ausflug relativierten. Hotels können gerade in Panama City mit mehreren hundert Dollar zu Buche schlagen – pro Nacht versteht sich. Sehr günstig war es allein in der Bergstadt Boquete, wo man für wenig Geld auf dem lokalen Markt leckeres Obst und Gemüse bekam – die Ausflüge hier kann man zudem fast alle selbstständig, mithin kostengünstiger, durchführen.

Müllprobleme und Ausnahmezustände

San Blas: Karibikflair mit Müllproblem
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Die vielleicht unangenehmste Überraschung war das massive Müllproblem auf den paradiesischen Inseln des San-Blas-Archipels, das dem starken Zuwachs im Tourismus hier geschuldet ist: Besucher wollen Dosenbier und Chips in Plastiktüten, aber es gibt auf dem 378 Inseln umfassenden Archipel keine zentrale Müllabfuhr, sodass der Unrat meist einfach dort verbleibt, wo er ist, sofern er nicht verbrannt wird. So treibt Müll in den seichten Wellen, die die eigentlich traumhaft schönen Inseln umspülen. Er stapelt sich hinter den einfachen Strohhütten und wird auch und vor allem von den indigenen Bewohnern der Inseln einfach achtlos weggeworfen – nicht jedoch aus Gedankenlosigkeit, die Menschen hier kannten einfach nie ein Müllproblem, da alles, was sie selbst produzierten, auf natürliche Weise auch wieder abbaubar war. Das Müllproblem im Paradies ist also auch eines der modernen Gesellschaft und des Tourismus. Dazu trägt auch bei, dass es bei jungen Touristen überaus beliebt ist, per Boot via San Blas nach Kolumbien überzusetzen, bzw. umgekehrt. Die Massen an Schiffen, die fast jeden Tag starten, hinterlassen sicherlich auch einiges an Müll.

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Das Cristo Negro-Fest in Panama zieht viele streng Gläubige aus ganz Panama an
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Was Menschen für ihren Glauben tun, hat mich ebenfalls überrascht. Und zwar als ich auf der „Fiesta del Cristo Negro“ war, das in der kleinen Stadt Portobelo jedes Jahr zu Ehren einer Jesus-Statue abgehalten wird, die hier einst angespült wurde. Die Menschen hier sind teilweise so gläubig, dass sie auf den Knien rutschend oder auf allen Vieren kriechend kilometerweit anreisten, um die Ikone zu sehen. Es war wirklich ein bizarres Bild, wie all diese Gestalten auf der Straße in Richtung Kirche auf den letzten Metern von zahllosen Gaffern angefeuert wurden – und nicht selten auch mit heißem Wachs übergoßen, eine Prozedur, deren Sinn ich nicht in Erfahrung bringen konnte.

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Beeindruckend waren die Vorbereitungen für das Fest, bei denen meine „Nachbarn“ eigenhändig einen tragbaren Altar zimmerten, mit dem sie dann an der Prozession teilnahmen – das Ding war so schwer, das sechs Leute es tragen mussten. Verblüffend war auch, wie sich der kleine Ort für drei Tage mit zehntausenden Menschen füllte, die Straßen waren komplett gesperrt, die Leute im Ausnahmezustand, nichts ging mehr (außer feiern). Die Stadt verwandelte sich in eine waschechte Fress- und Trinkmeile, was zwar einerseits amüsant, aber auch ziemlich anstrengend war.

Gastgeber der besonderen Art

Panama

Kolibris sind eines der bunten Wahrzeichen des Landes
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Zurück zum Guten: Obwohl ich von meinen Reisen in zahlreiche südamerikanische Länder bereits einiges gewohnt war, hat Panama doch noch einmal einen neuen Maßstab an Hilfsbereitschaft und Lebensfreude gesetzt. So reiste ich vollkommen unvorbereitet in das kleine Boca Chica und stand schließlich beim einzigen Hostel am Ort vor verschlossenen Türen, woraufhin mich eine einheimische Familie einfach so für mehrere Tage kostenlos bei sich aufnahm – nachdem sie mich zum Geburtstagsgrillen für ihre 14-jährige Tochter eingeladen hatten.

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In den kommenden Tagen war ich die große Attraktion in dem Dorf, war ich doch der einzige Tourist, und es gab zahllose gute Gespräche und Billard-Partien bei ebenso zahllosen Bieren. Ein andermal hatte ich Probleme mit meinem Pass und stand gehörig unter Zeitdruck, um mir einen neuen, vorläufigen ausstellen zu lassen – andernfalls hätte ich das Land nicht verlassen dürfen. Als ich also mitten im Nirgendwo auf einen Bus wartete, der mich in die Nähe der Deutschen Botschaft bringen sollte, hielt plötzlich ein Taxifahrer und fragte mich wohin ich wollte. Er nahm mich schließlich ganz umsonst mit, weil mein Ziel ohnehin auf seinem Arbeitsweg gelegen hatte.

Faultiere und Kolibris – die Gegensätze der Natur

Absolut überwältigt aber war ich schließlich von der Vielfalt an Natur und völlig unterschiedlichen Landschaften, die es in Panama auf so kleinem Raum gibt: Da ist einmal die karibische Inselwelt von Bocas del Toro, ein wahrer Magnet für Reisende aus der ganzen Welt wegen seiner weißen Strände, gesäumt von unzähligen Kokospalmen vor kristallblauem Meer. Schnorchelfreunde finden hier eine einmalige marine Artenvielfalt vor, das bunte Leben unter Wasser kann man sich auf jeden Fall stundenlang angucken. Der entspannte Lebensstil der Inselbewohner mit gutem Essen und basslastiger Reggae-Musik ist so ansteckend, dass man hier an jeder Ecke Menschen trifft, die einfach geblieben sind – viele Amerikaner, aber auch Deutsche, Italiener, Venezolaner und viele andere.

Das grüne Boquete bot einige sehr schöne und entspannte Wanderungen, dazu war das Dorf wirklich ein Treffpunkt für nette Leute, mit denen man dann gemeinsam die Ausflüge machen konnte. Die ruhigen Orte wie Boca Chica und Potobelo waren genau richtig, um wieder ein bisschen aufzutanken und sich auszuruhen, denn natürlich kann man auch in einem kleinen Land wie Panama groß auf Tour sein. Und selbst in Panama City gibt es einen riesigen Naturpark, in dem man stundenlang wandern und mit etwas Glück Faultiere in den Bäumen entdecken kann. Ein weiteres Highlight überall im Land sind die kunterbunten Kolibris, die stets ein beliebtes wie auch schwieriges Fotomotiv waren – sie sind einfach schwierig mit der Kamera „einzufangen“, weil sie ständig in Bewegung sind.

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