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Technik brachte Durchbruch

Warum es italienisches Eis ohne die Amis nicht geben würde

Gelato (Eiscreme) in Italien
Cremiges Gelato aus Italien – wussten Sie, dass US‑amerikanische Technik ihm einst Starthilfe gegeben hat? Foto: Getty Images
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Laura Pomer
Freie Autorin

1. September 2026, 10:32 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Es gibt Eiscreme – und es gibt authentisches italienisches Gelato. Dieses unterscheidet sich von den einfacheren Sorten, die wir auch hierzulande zum Beispiel im Supermarkt bekommen, vor allem durch die Art seiner Herstellung und die charakteristische Cremigkeit. Wer Italien für sein kulinarisches Angebot schätzt, wird neben Pasta, Pizza und Co. während eines Aufenthalts dort sicherlich auch die eine oder andere Kugel davon genießen. Dabei wussten wohl die wenigsten, dass bei der Entwicklung des modernen Gelatos ausgerechnet US-amerikanische Militärtechnik eine Rolle gespielt hat. TRAVELBOOK geht der überraschenden Geschichte auf den Grund.

Gelato ist für viele Reisende ein wichtiger Bestandteil eines Italienurlaubs. Und auch die Italiener selbst identifizieren sich sehr mit ihrem köstlichen, gefrorenen Kulturgut. Wie tief die italienische Eisliebe reicht, zeigt unter anderem das Carpigiani Gelato Museum, das sich der Geschichte, Kultur und Technologie des Gelatos widmet.

Auf seiner Website zeichnet das Museum die Entwicklung von frühesten Sorten über die Renaissance bis hin zur Mechanisierung der Gelato-Herstellung im 20. Jahrhundert nach. Ein Blick auf die verschiedenen Etappen lohnt sich, zumal sie ein spannendes historisches Detail bereithält. So sehr nämlich italienische Eismacher die Entwicklung des Gelatos vorantrieben – es trug auch eine Technologie etwas dazu bei, die ursprünglich für die Zwecke anderer Landsleute entwickelt worden war.

Von Sorbets aus Schnee und Eis zum cremigen Gelato

Bereits in der Antike nutzten Menschen Schnee und Eis aus den Bergen, um Getränke und Süßspeisen zu kühlen. Auch die Römer verwendeten den gefrorenen Niederschlag zum Kühlen von Wein. Im mittelalterlichen Sizilien verbanden sich diese älteren Kühltechniken mit Einflüssen aus der arabischen Welt und es entstanden nach dem Vorbild von Sherbet (= gekühlte Getränke aus Wasser, Fruchtsaft oder Rosenwasser) aus Schnee vom Ätna und aromatisierten Säften frühe Formen der Granita.

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Aber Eisliebhaber werden bestätigen: Zwischen kristalliner Granita und cremigem Gelato liegen Welten. Als wichtiger Protagonist in der weiteren Entwicklung gilt der florentinische Künstler und Architekt Bernardo Buontalenti. Er soll im 16. Jahrhundert eine vergleichsweise cremige Eisspeise unter anderem aus Milch, Eiern, Zucker und Aromen entwickelt haben. Von der Konsistenz des heutigen Gelatos war sie allerdings immer noch recht weit entfernt, sie erinnerte eher an einen gefrorenen Pudding, wie „BBC Travel“ es beschreibt. Zudem legten die technischen Möglichkeiten bei der Herstellung gewisse Hürden auf. Das Eis musste vor Ort produziert, gekühlt und schnell verzehrt werden, da ein längerer Transport ohne moderne Kühltechnik kaum möglich war.

Die Technik, die das Kühl- und Lagerproblem beheben konnte

Im Nachkriegsitalien betrieb die Familie Bagnoli in Empoli ein kleines Milchgeschäft – Sammontana –, in dem sie im Sommer auch selbst hergestelltes Gelato verkaufte. 1948 machten die drei Brüder Bagnoli daraus ein handwerkliches Eislabor. Doch die Technik der damals genutzten Geräte war weiterhin ein limitierender Faktor. Und um diesem zu begegnen, griffen die Männer auf eine überraschende Quelle zurück.

Wie dazu näher beim Museo del Marchio Italiano beschrieben ist, welches die Entstehung berühmter italienischer Marken thematisiert, fanden die Bagnolis in einem Schrottlager in Genua brauchbare Teile von Maschinen zur Herstellung von typisch amerikanischer Eiscreme. Diese hatte die US-Armee nach dem Krieg zurückgelassen. Die Brüder passten die Maschinen an ihre eigenen Bedürfnisse an. Damit legten sie den Grundstein für die Mechanisierung der Sammontana-Produktion.

Der Effekt war unmittelbar – und enorm. Gelato ließ sich nun in größeren Mengen und mit weniger manueller Arbeit herstellen. Aus dem kleinen Eislabor konnte nun ein richtiger Betrieb werden.

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Als auch die Kühlkette Formen annahm

Doch mehr Gelato herzustellen war nur ein Teil der Gleichung. Es musste auch gekühlt zum Kunden gelangen. Dafür fanden die Bagnolis wieder Lösungen und bauten ihre Kühl- und Transporttechnik nach und nach aus. Sie entwickelten unter anderem standardisierte Metallbehälter. Deren Konzept ist sehr nah an den typischen Gelato-Metallwannen, aus denen das cremige italienische Eis in Gelaterien portioniert wird. In ihnen konnte man das Gelato transportieren und anschließend direkt in Bars und Cafés verkaufen. Damit musste das Eis nicht mehr am selben Ort hergestellt werden, an dem es verkauft wurde. Somit konnte Sammontana ihr Eis zunehmend auch außerhalb von Empoli anbieten.

Maßgeblicher, aber auch entscheidender Einfluss der US-Technik?

Man kann sicher sagen: Die amerikanische Militärtechnik gab der Entwicklung bei Sammontana einen Schub. Aus einer kleinen toskanischen Eisherstellung konnte damit ein System entstehen, das Produktion, Kühlung und Vertrieb miteinander verband. Die umgebauten Geräte trugen einen entscheidenden Teil dazu bei, Gelato zu dem Massenphänomen zu machen, das wir heute kennen.

Denkbar ist aber natürlich, dass es auch ohne die ausgemusterte US-Technik so gekommen wäre – vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt und auf einem anderen Weg.

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