3. Juli 2026, 15:02 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Schroffe Klippen, kilometerlange Sandstrände, mittelalterliche Städte und eine jahrhundertealte keltische Kultur – die Bretagne an der Atlantikküste Frankreichs gehört zu den vielseitigsten Regionen des Landes. Besonders wegen der angenehmen Temperaturen, die im Sommer selten über 30 Grad steigen und im Winter kaum unter 0 Grad fallen, eignet sie sich als Reiseziel für jedes Alter. Ob Meer- oder Wanderurlaub – in der Bretagne lässt sich beides ideal miteinander verbinden.
Luna Vogt aus der TRAVELBOOK-Redaktion hat ein Jahr in der bretonischen Stadt Quimper gelebt und die Region intensiv kennengelernt. Sie verrät 6 Orte, die man bei einer Reise in die Bretagne auf keinen Fall verpassen sollte.
Saint-Malo
Weicher Sandstrand direkt am Atlantik, bunte und mittelalterliche Hausbauten sowie eine Bandbreite typisch bretonischer Spezialitäten: Saint-Malo repräsentiert für mich die Bretagne wie kaum eine andere französische Stadt.
Bekannt ist der Ort vor allem wegen der Kämpfe um seine Befreiung durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Während der Schlacht im August 1944 wurde die Altstadt fast vollständig zerstört. Nach dem Krieg rekonstruierte man sie jedoch originalgetreu, sodass man Saint-Malo nun wieder im mittelalterlichen Stil besichtigen kann.
Im Stadtinneren befinden sich zahlreiche bretonische Food-Spots, wo man neben herzhaften Galettes auch süße Köstlichkeiten entdecken kann. Mein persönlicher Geheimtipp ist die Eisdiele „Sanchez“. Dort werden viele außergewöhnliche Eissorten angeboten und vor allem die Sorte „caramel au beurre salé“ hat es mir angetan. Gesalzenes Butterkaramell zählt zu den Spezialitäten schlechthin in der Bretagne – und falls Eis keine Option sein sollte, so wird es in vielen Geschäften in Form von Bonbons oder Creme verkauft.
Die Hafenstadt ist definitiv ein Must-see und ermöglicht mit ihrem Charme und ihrer interessanten Geschichte einen authentischen Einblick in die bretonische Kultur.
Pointe du Raz
Die Pointe du Raz wird oft auch als das „Ende der Welt“ bezeichnet und als ich das erste Mal dort an den schroffen Klippen stand, konnte ich sofort nachvollziehen, warum.
Die Pointe du Raz bietet nicht nur eine fantastische Sicht auf den wunderschönen Atlantik, sondern auch auf alte Leuchttürme sowie die Insel Île de Sein.
Besonders faszinierend finde ich die Legende der versunkenen Stadt Ys. Der Sage nach soll sie vor der Küste liegen und durch die Königstochter Dahut im Meer verschluckt worden sein. Die Prinzessin soll die einzigen silbernen Schlüssel verloren haben, die das Schleusentor zur Stadt offenhielten. Bis heute wird erzählt, dass man bei ruhiger See noch die Glocken der Kathedrale von Ys hören könne.
Ein einzigartiges Ereignis ist auch der Sonnenuntergang an der Pointe du Raz. In den wenigen Millisekunden, in denen die Sonne im Atlantik verschwindet, kann man einen grünen Strahl am Horizont sehen. Der „grüne Blitz“ verleiht dem Ort genau das mystische Flair, das die Küstenlandschaft ohnehin besitzt.
Concarneau
Ob sportbegeistert, bootinteressiert oder für Städteliebhaber: Concarneau gehört zu den Orten, die mich besonders überrascht haben. Die meisten kennen Concarneau wegen seiner mächtigen Festungsmauern in der Altstadt und des großen Fischereihafens. Doch nur wenige wissen, dass die Stadt auch eines der wichtigsten Zentren des Hochseesegelns in Frankreich ist.
Der Rekordhalter François Gabart, der innerhalb von 42 Tagen, 16 Stunden, 40 Minuten und 35 Sekunden als schnellster Solo-Segler die ganze Welt umsegelte, hat in Concarneau den Sitz seiner Innovationsprojekte. Mit seinem Team entwickelt und baut er hochmoderne Rennyachten sowie nachhaltige maritime Projekte. Bei einem Spaziergang entlang des Hafens kann man den weltberühmten Trimaran „SVR-Lazartigue“ betrachten, mit dem Gabart seinen Weltrekord aufstellte.
Wer nach dem Städtebummeln eine Abkühlung sucht oder sich im Surfen ausprobieren möchte, sollte zum „plage des sables blancs“ („weißer Sandstrand“) spazieren. Dort lässt sich der Tag wunderbar am Meer ausklingen. Die frische Seemannsluft und die entspannte Atmosphäre machen Concarneau für mich zu einem Ort, den man unbedingt besuchen sollte.
Rennes
Von Festivals über Konzerte bis hin zu Wochenmärkten bietet Rennes alles, was man sich während eines Besuchs nicht entgehen lassen sollte. Die Hauptstadt der Bretagne ist vor allem für ihre lebendige und vielfältige Kulturszene bekannt und zeigt, dass die Region weit mehr zu bieten hat als beeindruckende Natur und historische Bauwerke.
Ich selbst bin mehrmals nach Rennes gereist und habe dabei schnell gemerkt, dass die Bretagne noch eine ganz andere Seite hat. Neben den bekannten Küstenlandschaften und den charmanten Altstädten überzeugt Rennes mit einer kreativen und jungen Atmosphäre, die man an vielen Ecken der Stadt spürt.
Durch die zahlreichen Street-Art-Kunstwerke und Straßenmusiker erhält man einen inspirierenden Einblick in das moderne und hippe Leben der französischen Region. Zu den bekanntesten Veranstaltungen zählt das Musikfestival „Transmusicales“, das jedes Jahr im Dezember stattfindet und auf dem Künstlerinnen und Künstler aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen auftreten. Ebenfalls zu den wichtigsten Events gehören das Kunst- und Theaterfestival „Les Tombées de la Nuit“ sowie das bretonische Fest „Yaouank“, das als größtes Fest der bretonischen Kultur gilt und sogar von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Nach all den kulturellen Eindrücken bietet Rennes aber auch viele Möglichkeiten, zur Ruhe zu kommen. Besonders begeistert hat mich der „Parc du Thabor“ im Zentrum der Stadt, der für mich als Parkliebhaberin ein echtes Highlight war. Er vereint Elemente eines französischen, englischen und botanischen Gartens und lädt zu entspannten Spaziergängen ein. Dabei lassen sich exotische Vögel beobachten, liebevoll angelegte Rosengärten entdecken und kleine ruhige Ecken finden, die zum Verweilen einladen.
Rennes verbindet Kultur, Kreativität und Erholung auf besondere Weise und sollte bei einer Reise durch die Bretagne deshalb unbedingt auf der Liste stehen.
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Quimper
Besonders die malerische Stadt Quimper habe ich schnell ins Herz geschlossen. Hier habe ich fast ein Jahr lang gelebt. Sie vermittelt meiner Meinung nach einen authentischen Einblick in die bretonische Kultur.
Besonders spannend finde ich die keltischen Wurzeln der Region. Auf Straßenschildern beispielsweise ist nicht nur die französische Schreibweise der Ortsnamen zu finden, sondern obendrein die bretonische. Leider beherrschen nur noch vereinzelt Bewohner die keltische Sprache. Dennoch ist es schön zu sehen, dass die Stadt versucht, ihre kulturelle Identität zu bewahren.
Neben Details wie diesen laden mittelalterliche Häuser, zahlreiche Boutiquen sowie traditionelle Crêperien zum Bummeln ein. Auch die emporragende Kathedrale Saint-Corentin hinterlässt ihren Eindruck. Sie besitzt zwei Türme, welche aufgrund der Erbauung in unterschiedlichen Jahrhunderten einen kleinen, kuriosen Knick besitzen.
Wenn man mit Einheimischen ins Gespräch kommen möchte, so gibt es meiner Erfahrung nach kaum bessere Orte als die Bars in Quimper. In dem Pub „Ceili“ kann man sich beispielsweise die lokale Spezialität „Arthurienne“ ausschenken lassen. Das Getränk wird gemixt aus Cidre, Bier, Chouchen (betronischer Met) und oftmals einem Schuss Lambig.
Brest
Brest ist sichtlich von den Bombardierungen während des Zweiten Weltkriegs geprägt. Genau das macht den Ort für mich aber auch so spannend und sehenswert. Die Stadt beherbergt die zweitgrößte Marinebasis ganz Frankreichs und zählt zu den wichtigsten Handels- und Militärhäfen des Landes.
Wer sich für Geschichte interessiert, sollte das bekannte „Musée National de la Marine“ im Château de Brest besuchen. Und auch auf dem Turm „Tour Tanguy“ kann man historische Dokumente und Bilder betrachten, wie die Stadt vor dem Zweiten Weltkrieg aussah. Auch das große Aquarium „Océanopolis“ lohnt sich für Klein und Groß. Dort erhält man spannende Einblicke in die tiefe Unterwasserwelt.
Zum Abschluss empfehle ich eine Fahrt mit der „Téléphérique de Brest“. Die Seilbahn gehört zum öffentlichen Transport der Stadt und bietet einen fantastischen Blick über Brest und dessen Hafen.
Die frische Luft der Atlantikküste, die zahlreichen regionalen Spezialitäten und die Historie der Bretagne haben mich während meines Jahres in Frankreich sehr geprägt. Wer Frankreich abseits der touristischen Regionen wie Paris oder der Côte d’Azur erleben möchte, dem ich ans Herz, sich die Bretagne nicht entgehen zu lassen.