20. April 2026, 13:45 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Das Coachella gilt als das atemberaubendste, angesagteste und vielleicht auch teuerste Festival der Welt. Unsere Autorin war dabei – und hatte eine unvergessliche Zeit. Hier erzählt sie, warum man den negativen Meinungen im Internet keine Beachtung schenken sollte.
Den Vorurteilen und verschiedenen Meinungen zum Coachella kann man auf Social Media und Co fast nicht aus dem Weg gehen. Von „Sehen und gesehen werden“ über
„Da sind nur Stars und Influencer“ bis „Niemand geht aufs Coachella wegen der Musik“ oder „Viel zu teuer für das, was es ist“ wird online ein vernichtendes Bild des Festivals gezeichnet. Ich bin nach Kalifornien gereist und habe es zum ersten Mal besucht – und mir mein eigenes Bild von dem globalen Phänomen Coachella geschaffen.
Vorurteil Nr. 1 – „Es ist unmöglich, an Tickets zu kommen – und Unterkünfte sind immer ausgebucht“
Es schwirrt ein allgemeiner Mythos um Coachella, dass es unmöglich ist, an Tickets zu gelangen. Das ist schlichtweg falsch. Das Coachella ist ein Festival wie jedes andere, nur einfach um einiges populärer. Deswegen kann man auch normal über die offizielle Website Tickets erwerben. Dieses Jahr war der Andrang sehr groß, und alle 250.000 Tickets waren innerhalb weniger Tage ausverkauft. Also ja, man muss schnell sein, aber es ist nicht unmöglich, an Tickets zu kommen.
Was Unterkünfte betrifft, ist es tatsächlich gut, lange im Voraus zu buchen. Wenn man sich nicht schnell genug nach einem Schlafplatz umschaut, können die Preise extrem in die Höhe steigen. Egal ob Airbnb, Hotel oder Camping, wer schnell fündig wird, ist preislich klar im Vorteil.
Camping war keine Option für mich. Die Temperaturen reichen auf bis zu 40 Grad und die Windstärken sind unberechenbar. Eine Unterkunft im Zelt war deshalb ein No-go. Ich habe mich für ein Hotel im nahegelegenen Ort Indian Wells entschieden. Wir haben das Hotel bereits vor dem Kauf der Tickets gebucht, und das empfehle ich auch allen, die planen, das Coachella Festival zu besuchen. Wer zu spät bucht, wird sowohl für Hotels als auch für Airbnb-Überkünfte einen erheblich höheren Preis zahlen müssen.
Vorurteil Nr. 2 – „Die Organisation kann bei einem Festival in dieser Größe gar nicht funktionieren“
Um ehrlich zu sein, dachte ich auch, dass die Organisation rund um das Festival katastrophal sein würde. 250.000 Armbänder müssen weltweit verschickt werden und die Orte um das Festivalgelände sind eher klein. Dazu kommt, dass die Infrastruktur rund um so eine große Veranstaltung oft nicht gut funktioniert, wodurch die Straßen maßlos überfüllt sind.
Allerdings wurde ich vom Gegenteil überzeugt und bin immer noch beeindruckt, wie unkompliziert alles funktioniert hat. Die Armbänder wurden circa eine Woche vor dem Festival per Post direkt nach Hause geliefert. Damit war die organisatorische Vorbereitung schon fast getan.
Auch der Weg zum Festival und die Koordination auf dem Gelände waren stressfrei. Ich habe mich für die Shuttle-Bus-Option entschieden. An keinem der drei Festivaltage musste ich lange anstehen und bin auch fast staufrei mit dem Shuttle hin und zurückgefahren. Selbst die Schlangen am Eingang waren überschaubar. Ich glaube, ich habe selten auf meinen Reisen durch Amerika so wenig angestanden, wie auf dem Coachella Festival.
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Hinzu kommt, dass die Stimmung nicht nur bei den Besuchern positiv war, sondern auch bei allen, die auf dem Festival gearbeitet haben. Ich wurde immer nett begrüßt und habe selten eine unfreundliche Begegnung erlebt. Auch in hektischen Situationen, wie beim Closing am Samstag nach Justin Biebers Auftritt, wurde nicht gedrängt oder geschrien. Ich glaube, die Freundlichkeit des Personals hat auf die Besucher abgefärbt, sodass alle ein sicheres und gutes Festivalerlebnis haben konnten.
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Vorurteil Nr. 3 – „Das Line-up ist Mainstream und das Publikum langweilig“
Zum Zeitpunkt, als ich die Tickets erworben habe, wusste ich noch nicht, wer auf dem Festival auftreten würde. Klar ist, dass die Headliner eigentlich immer sehr bekannte Namen sind. In den Jahren zuvor waren es zum Beispiel Lady Gaga, Travis Scott, Lana Del Rey oder Bad Bunny. Ich durfte Sabrina Carpenter, Justin Bieber und Karol G live als Headliner erleben und ich hätte nicht glücklicher sein können. Die Inszenierungen auf der Bühne von Sabrina Carpenter und Karol G waren atemberaubend. Ich kann es auch immer noch kaum glauben, Justin Biebers Live-Comeback miterlebt zu haben. Aber die Headliner sind ja nicht alles. Insgesamt treten über 130 Künstler und Künstlerinnen an einem Wochenende auf.
Viele wissen gar nicht, dass die ursprüngliche Idee der Gründer war, mit dem Coachella einen Gegenentwurf zu kommerziellen Festivals zu initiieren. Der Fokus galt nicht nur der Musik, sondern auch Kunstinstallationen und Lichtshows. In den frühen 2000er-Jahren wurde sich beim Planen des Line-ups vor allem auf Rock- und Indie-Künstler konzentriert. Heute ist das Line-up eine bunte Mischung aus Pop, EDM, Hip-Hop, Indie und Rock. Also deutlich vielfältiger als viele behaupten. Ich kannte viele der Künstler, die aufgetreten sind, gar nicht, aber genau das hat es so besonders gemacht. Ich habe neue Musik und neue Genres für mich entdeckt und konnte mit einem Publikum aus allen Altersklassen und Hintergründen die Musik genießen.
Das Vorurteil, dass amerikanische Crowds nicht so aufgeladen sind wie europäische, kann ich allerdings teilweise bestätigen. Je nach Set wurde mehr oder weniger getanzt und mitgesungen. Klar, es kommt auch ganz auf die Musikrichtung und die Show an, wie sehr das Publikum interagiert. Mich hat das jedoch gar nicht gestört. Meine Einstellung ist und bleibt: Wenn die Stimmung noch nicht da ist, dann bringe ich sie eben selbst mit. Und das habe ich auch gemacht. Ich habe jedes Set genossen, bei den Liedern, die ich kannte, mitgesungen und so viel getanzt, wie selten an einem anderen Wochenende zuvor. Also ja, manchmal war die Stimmung nicht so, wie man sie erwarten würde, aber das bedeutet für mich nicht, dass ich nicht trotzdem die beste Zeit hatte.
Drei Tage voller Musik, Sonne und guter Laune
Ich kann nicht oft genug sagen, wie sehr ich jede Sekunde des Festivals genossen habe. Von der Organisation bis hin zu dem Line-up war ich durchweg begeistert. Trotz täglich mehr als 20 000 gesammelter Schritte und einer rauen Stimme von all dem Mitsingen komme ich voller Energie zurück nach Deutschland. Ich werde nie vergessen, wie aufgeregt und voller Vorfreude ich das Festivalgelände betreten habe. Die Eindrücke, die ich mitnehmen konnte, sind unbezahlbar. Ja, die Reise mit Flügen, Unterkunft, Verpflegung und Tickets ist teuer. Aber meine Erfahrung dort möchte ich nicht missen. Im Gegenteil: Es war wirklich jeden Cent wert.
Ich bin froh, nicht darauf gehört zu haben, was ich im Vorhinein von vielen Leuten aus dem Internet gehört habe. Viele dieser Meinungen kommen von Menschen, die selbst nicht einmal auf dem Festival waren. Für jeden Musikliebhaber ist das Coachella ein besonderes Erlebnis, welches für immer in Erinnerung bleibt. Wer weiß, vielleicht reise ich in ein paar Jahren wieder in die Wüste Kaliforniens, um ein zweites Mal das Coachella zu besuchen. Ich würde auf jeden Fall nicht nein sagen.