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Die besten Reiseziele für Schwule & Lesben

Die besten Reiseziele für Schwule und Lesben
Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender, auf Englisch kurz: LGBT, sollten sich vor einer Reise darüber informieren, wie liberal ein Land oder Ort ist
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Leider ist es noch immer so, dass Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung vielerorts auf Vorurteile treffen und in manchen Ländern sogar verfolgt werden. Der Gay Travel Index verrät, welche Länder Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender tolerant gegenüber stehen und welche nicht.

Mancherorts kann gleichgeschlechtliche Liebe jedoch auf Intoleranz stoßen. Die Folgen: mitunter verbale oder körperliche Gewalt oder auch Ärger mit den Behörden.

Wer zur LGBT-Community (LGBT steht für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) gehört und sich auf Reisen nicht verstecken möchte, wählt denn auch sein Ziel sehr genau und bevorzugt Orte, wo Offenheit und Toleranz gelebt werden – und wo normal ist, was normal sein sollte. Es gibt mehrere Möglichkeiten sich vor einer Reise über die Situation in bestimmten Ländern zu informieren.

Index: Die LGBT-tolerantesten Länder

Für diejenigen, die ihren Urlaub in Ländern verbringen wollen, in denen Homo-, Bi- und Transsexualität akzeptiert und/oder toleriert werden, hat Spartacus Travel, ein Portal für schwules Reisen, den Gay Travel Index erstellt. Dabei gab es positive und negative Punkte, die in die Beurteilung mit einflossen: Positiv wurde unter anderem bewertet, wie das Land mit Diskriminierung umgeht und ob homosexuelle Paare heiraten oder adoptieren dürfen. Entsprechend negativ wirkte es sich aus, wenn ein Staat Homosexualität unter Strafe stellt oder etwa Pride-Paraden verboten sind.

Ein gleichgeschlechtliches Paar küsst sich auf einer Hochzeit

Ob homosexuelle Paare in einem Land heiraten dürfen, kann ein guter Hinweis darauf sein, wie groß die Akzeptanz von Homosexualität in der Gesellschaft ist.
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Laut dem diesjährigen Ranking sindKanada, Portugal und Schweden die LGBT-freundlichsten Reiseländer der Welt. Portugal ist dem Index zufolge wegen gesetzlicher Verbesserungen für Trans- und Intersexuelle sowie Initiativen gegen Hasskriminalität von Platz 27 im Vorjahr mit auf den Spitzenrang aufgestiegen. Gemeinsam auf Rang vier liegen Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Island, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Neuseeland, Norwegen, die zu Frankreich gehörende Insel Reunion, Spanien und Großbritannien.

Deutschland rutschte im Vergleich zum Vorjahr von Platz 3 auf Platz 23 ab. Der Grund ist ein Anstieg der homo- und transphoben Gewalttaten im Jahr 2018.

Ein Aufsteiger im Index ist Indien: Das Land kletterte wegen der Entkriminalisierung von Homosexualität von Platz 104 auf 57. In Brasilien (68) und den USA (47) habe sich die Lage wegen Initiativen zur Rücknahme von LGBT-Rechten dagegen verschlechtert, urteilen die Herausgeber des Spartacus-Reiseführers. Zu den Schlusslichtern des Index‘ gehören neben Somalia und Saudi-Arabien auch beliebte Reiseländer wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Iran.

Die LGBT-freundlichsten Länder laut Gay Travel Index:

Platz 1: Kanada
Platz 2: Schweden
Platz 3: Portugal
Platz 4: Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Island, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Neuseeland, Norwegen, La Réunion (französisches Übersee-Département), Spanien, Großbritannien
Platz 17: Frankreich, Gibraltar (GB), Grönland (Dänemark), Irland, Schweiz, Uruguay
Platz 23: Deutschland, Kolumbien, Französisch-Polynesien (Frankreich), Neukaledonien (Frankreich)

Auch interessant: Die besten Reiseländer der Welt 

Die 5 LGBT-unfreundlichsten Länder:

Platz 1: Tschetschenien
Platz 2: Somalia
Platz 3: Saudi-Arabien
Platz 4: Iran
Platz 5: Jemen

Weitere Reisetipps für die LGBT-Community

Der Reiseblogger Adam Groffman von „Travels of Adams“, der für zahlreiche Metropolen erfolgreiche Hipster-Guides geschrieben hat, verriet TRAVELBOOK die besten Ziele für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender.

Bevor es losgeht, sollte man sich zunächst informieren, wie die Situation in dem Land ist, rät Adam: „Check die politische Lage, kontaktiere lokale LGBT-Organisationen und suche den Kontakt zu anderen Reisenden.“ Eine wichtige Quelle ist die Website des Auswärtigen Amts. Dort steht unter anderem, ob Homosexualität strafrechtlich geahndet wird oder es, wie etwa in Russland, zu Übergriffen kommen kann. Konkret heißt es: „Homosexualität ist in Russland nicht strafbar. Jedoch ist die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in der russischen Gesellschaft gering.“

Eine sehr umfassende Informationsbasis bietet auch die Website Equaldex.com, die nicht nur  die rechtliche Lage aufzeigt, sondern auch Umfragen zur Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften integriert.

LGBT-Community im Ausland

Nicht überall wird jeder so akzeptiert, wie er ist. Vor dem Urlaub sollte man sich informieren, was in der Gesellschaft toleriert oder sogar akzeptiert wird.
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Gewisse Länder, wie eben Russland, werden von vielen Mitgliedern der LGBT-Community verständlicherweise gemieden, aber auch das sieht Adam kritisch: „Zwar kann man gewisse Länder boykottieren, aber das ist nicht immer der beste Weg. Man kann seinen Urlaub auch nutzen, um die kleineren LGBT-Communitys in weniger toleranten Regionen zu unterstützen.“

Die LGBT-tolerantesten Städte

Eine Stadt ist bei Schwulen besonders beliebt: Tel Aviv. Die israelische Großstadt ist einer der fortschrittlichsten Orte, wenn es um die LGBT-Bewegung geht – und bietet natürlich auch alle anderen Vorzüge einer Metropole am Meer. „Tel Aviv hat ein einzigartiges Nachtleben und ist so entspannt“, schwärmt Adam Groffman und vergleicht die Stadt mit Berlin. „Nur dass es eben am Meer liegt und einen Gay-Beach hat.“ Zudem gibt es einige LGBT-Events.

Adam hebt auch andere Städte hervor, die besonders offen und tolerant seien, darunter London, Kopenhagen, Stockholm, Madrid, Barcelona, Wien und Berlin. Auch etwas kleinere Städte wie Manchester in England und Sitges südlich von Barcelona seien ganz oben mit dabei, wenn es um LGBT-Freundlichkeit geht.

Wen es etwas weiter weg zieht, der sollte nach Australien. Gerade Sydney und Melbourne sind für ihren offenen Umgang mit Homosexualität und Transsexualität bekannt.

Christopher Street Day, Festival, LGBT

Ob Gay Pride oder Christopher Street Day: Festivals sind ein guter Grund für eine Reise in ein anderes Land.
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Natürlich sind auch viele US-Metropolen offen, wenn es um gleichgeschlechtliche Liebe geht: „New York, Chicago und Los Angeles sind tolle Städte für Homosexuelle. Auch historisch betrachtet“, so Adam zu TRAVELBOOK. Das Stonewall Inn in New York hat inzwischen den Status des National Historic Landmarks – 1969 wurde hier der Grundstein für die Lesben- und Schwulenbewegung gelegt.

#flashbackfriday to being at #stonewall last Saturday. So fun and good atmosphere.

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Auch Südamerika bietet Reiseziele für Schwule und Lesben. Besonders die brasilianischen Großstädte Rio de Janeiro und São Paulo sind für ihren offenen Umgang mit Homosexualität bekannt. Hier gibt es neben einigen Gay-Beaches auch Festivals, bei denen jede Form der Liebe gefeiert wird. Wer die immer noch recht neue Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe öffentlich zelebrieren will, der kann sein Reiseziel nach den Christopher Street Days und Gay Prides dieser Welt richten. Aufgelistet sind diese vielerorts im Internet, zum Beispiel auf Nighttours.com.

LGBT-Kreuzfahrten

Wer sich nicht auf ein Land oder eine Stadt beschränken möchte, kann auch an einer Kreuzfahrt nur für die LGBT-Community teilnehmen. Inzwischen gibt es zahlreiche entsprechende Angebote. Bei „Cruise Critic“ kann man sich eine Übersicht über mögliche Kreuzfahrten verschaffen, die explizit nur Reisen für homosexuelle Menschen anbieten, oder die der LGBT-Community sehr aufgeschlossen gegenüber stehen, jedoch alle Gäste an Bord willkommen heißen.