2. März 2026, 20:43 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Lieben, Beziehungen und Identitäten, die sich außerhalb heteronormativer Standards bewegt, stoßen leider auch heute noch an vielen Orten der Welt auf Intoleranz. In verschiedenen Regionen sehen sich Mitglieder der Queer-Community mit verbaler oder körperlicher Gewalt konfrontiert, mancherorts drohen ihnen sogar Konflikte mit Behörden. Wo können sie sich also sicher fühlen? Der seit 2012 vom Reiseportal Spartacus Travel veröffentlichte Gay Travel Index soll darauf Antworten geben. Die Ausgabe für 2026 zeigt: Reisen von Menschen aus der LGBTQIA+-Community werden zunehmend politisch. Alle Infos dazu bei TRAVELBOOK.
Queer-freundlichste Reiseziele weltweit laut Gay Travel Index
Das auf schwules Reisen spezialisierte Portal Spartacus Travel hat den Gay Travel Index für all jene ins Leben gerufen, die ihren Urlaub in Ländern verbringen möchten, in denen Homo-, Bi- und Transsexualität akzeptiert oder zumindest toleriert werden. In die Bewertung der queerfreundlichsten Reiseziele fließen dabei sowohl positive als auch negative Kriterien ein. Positiv berücksichtigt wird etwa, wie konsequent Staaten gegen Diskriminierung vorgehen und ob gleichgeschlechtliche Paare heiraten oder Kinder adoptieren dürfen. Negativ wirkt sich hingegen aus, wenn Homosexualität unter Strafe steht, Pride-Paraden verboten sind oder queere Menschen anderweitigen staatlichen Repressionen ausgesetzt sind.
Details zur Bewertungsmethodik
Spartacus Travel vergibt Bewertungspunkte in insgesamt 18 Kategorien. Dazu zählen:
- Ehe für alle / eingetragene Partnerschaften
- Adoptionsrechte
- Antidiskriminierungsgesetze
- Trans- und Intersex-Rechte
- Gleiches Schutzalter
- Verbot von Konversionstherapien
- LGBTQIA+-Marketing / Sichtbarkeit
- Religiöser Einfluss
- Reisebeschränkungen (z. B. HIV)
- Kriminalisierung von Homosexualität
- Pride-Verbote, Zensur
- Gewalt, Verfolgung, Todesstrafe
Beispielsweise erhalten Länder, in denen die Todesstrafe für Homosexuelle gesetzlich verankert, aber nicht vollstreckt wird, einen Minuspunkt. Länder, in denen Menschen wegen Homosexualität hingerichtet werden, erhalten fünf Minuspunkte. Auch Länder, in denen die Scharia gilt, werden mit Minuspunkten bewertet. Die Methodik zielt darauf ab, sowohl rechtliche Rahmenbedingungen als auch gesellschaftliche Realität und Sicherheitsrisiken zu berücksichtigen.
Platz 1 des von europäischen Ländern dominierten Rankings
An der Spitze des Gay Travel Index stehen seit einigen Jahren europäische Länder, die durch umfassende rechtliche Gleichstellung, gesellschaftliche Akzeptanz und eine aktive LGBTQ+-Community überzeugen. Die Rangliste wird von Island mit 14 Punkten angeführt. Das Land gilt als eines der progressivsten weltweit, mit weitreichenden Antidiskriminierungsgesetzen, liberaler Familienpolitik und einer hohen gesellschaftlichen Akzeptanz queerer Lebensrealitäten. Diese Kontinuität sorgt dafür, dass Island als globaler Referenzpunkt für LGBTQ+-freundliches Reisen wahrgenommen wird.
Es folgen Malta und Spanien mit jeweils 13 Punkten. Dahinter reihen sich Belgien, Portugal und Deutschland mit jeweils 12 Punkten ein. Kanada erreicht mit ebenfalls 12 Punkten erneut einen Spitzenplatz, hat jedoch gegenüber 2025 Positionen eingebüßt, als es noch auf dem geteilten ersten Platz lag. In den Top-Ländern ist Gleichstellung rechtlich verankert und gesellschaftlich breit akzeptiert.
Die Top 10 des Index als Liste
- Island (14 Punkte)
- Malta (13)
- Spanien (13)
- Belgien (12)
- Kanada (12)
- Deutschland (12)
- Portugal
- Norwegen
- Schweden
- Neuseeland
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Als Aufsteiger gehandelt: Polen
Verschiedene Medien haben Polen in diesem Jahr als Aufsteigerland bezeichnet. Dabei ist wichtig zu erläutern, dass der Spartacus Gay Travel Index nicht nur den aktuellen Stand der Rechte und gesellschaftlichen Akzeptanz bewertet, sondern auch die Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr. Polen konnte zuletzt leichte Verbesserungen verzeichnen, etwa die Rücknahme einzelner kommunaler Anti-LGBTQ+-Resolutionen und zunehmenden rechtlichen sowie politischen Druck auf diskriminierende Maßnahmen durch europäische Institutionen. Im Index stieg das Land von Platz 118 auf 59. Bestehende strukturelle Defizite bleiben jedoch bestehen.
Die LGBTQIA+-unfreundlichsten Länder der Welt
Während die Spitze des Rankings relativ stabil bleibt, ist die Lage in vielen Staaten weiterhin kritisch oder gefährlich für LGBTQ+-Reisende. In Teilen Osteuropas und Afrikas wird die Rechte-Situation zunehmend zum innenpolitischen Streitpunkt, der auch den Tourismus beeinflusst. Selbst in demokratischen Ländern können Debatten über Transrechte, Hasskriminalität oder Bildungsprogramme politische Spannungen verursachen, die international wahrgenommen werden.
In Ländern wie Russland, Saudi-Arabien oder Iran drohen teils drakonische Strafen gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen. Auch in einigen afrikanischen Staaten, etwa Nigeria, sorgen strenge Strafgesetze und ein stark konservatives gesellschaftliches Klima für erhebliche Risiken. Hier geht es nicht mehr nur um fehlende Gleichstellung, sondern um grundlegende Sicherheitsfragen. Reiseindizes und Menschenrechtsorganisationen empfehlen, die rechtliche Lage vorab genau zu prüfen und Risiken realistisch einzuschätzen.