Mitten im Atlantik

Azoreninsel São Miguel – ein einziges Naturwunder

Lagoa de fogo, Azoren
Rund um die Lagoa do Fogo (Feuerlagune) wechseln sich üppige Natur und karge Vulkanlandschaften ab
Foto: Getty Images

Vulkanische Krater, tiefe Lagunen und zerklüftete Küsten sind die Markenzeichen der Azoreninsel São Miguel. Das immergrüne Eiland ist aber auch einer der wenigen Orte Europas, an denen Tee angebaut wird.

Wenn Wolken an der Nordküste von São Miguel aufziehen, dann freut sich Madalena Motta. Die 46-Jährige leitet in fünfter Generation die Teeplantage „Chá de Gorreana“, und die Erntezeit hat gerade begonnen.

„Auf das Wetter ist hier Verlass, der Nebel und der häufige Regen sorgen dafür, dass auf unseren Highlands hervorragender Tee gedeiht“, sagt Motta. Sie ist stolz, dass São Miguel einer der sehr wenigen Orte in Europa ist, wo Tee angebaut wird, das milde Azorenklima macht es möglich. Ihr Ururgroβvater gründete die Firma bereits im Jahr 1883, als der Export von Orangen nach Europa ins Stocken geriet und man nach Alternativen Ausschau halten musste.

Viele Touristen aus den USA

Viele der Touristen, die heute hierher kommen, sind Amerikaner, oftmals Nachfahren von azorischen Auswanderern, die im 19. Jahrhundert in die USA gingen. „Wir fühlen uns enger mit Boston verbunden als mit Lissabon“, sagt Motta, die ihren Tee auch in Nordamerika vertreibt.

Grüne Lagune am Sete Cidades

Die blaue und die grüne Lagune am Vulkan Sete Cidades zählen zu den Naturwundern Portugals. Sie sind nur durch eine Brücke voneinander getrennt.

Die blaue und die grüne Lagune am Vulkan Sete Cidades zählen zu den Naturwundern Portugals. Sie sind nur durch eine Brücke voneinander getrennt.
Foto: Getty Images

Furnas liegt mitten im Krater

Nicht weniger beeindruckend ist das Vulkansystem Furnas, das auf der Ostseite der Insel liegt. Zwar gab es in historischen Zeiten keinen Ausbruch mehr, aber dass der Vulkan aktiv ist, merkt man sobald man in den gleichnamigen Kurort gelangt, der wegen seiner Heilquellen bekannt ist. Das kleine Städtchen ist mitten in den Krater eingebettet.

Ein betuchter Amerikaner baute sich hier sein eigenes Thermalbad und legte den Grundstein für einen der bekanntesten botanischen Gärten Europas. Der Park gehört heute zum Hotel „Terra Nostra“, für dessen Gäste die Heilquellen und der Park auch die ganze Nacht offen stehen.

Furnas

Furnas liegt mitten im Krater. An vielen Stellen steigt heißer Dampf aus der Erde.
Foto: Roman Martin/dpa-tmn

Park beherbergt zahllose exotische Pflanzen

Der Garten wirkt wie eine verwunschene Oase. „Ich habe fünf Jahre gebraucht, um alle Pflanzen zu klassifizieren“, sagt Carina Costa (33), die Tochter des Chefgärtners Fernando Costa. Dessen besonderer Stolz ist ein Areal voller Palmfarne. Hier gedeiht auch die immergrüne australische Wollemia Nobilis, der wohl seltenste Baum der Welt. „Diese Bäume sind so eigenartig, dass viele Besucher sich an Jurassic Park erinnert fühlen“, sagt Carina und lacht.

Üppige Natur und karge Vulkanlandschaften wechseln sich an vielen Orten der Insel ab, etwa rund um die Lagoa do Fogo (Feuerlagune), die im Krater des gleichnamigen Vulkankomplexes liegt. Die Lavaberge reichen bis zu 947 Meter hoch, doch sie sind oft verhüllt von Wolken.

Auf dem Vulkan Sete Cidades

Auf dem Rücken des Riesenvulkans Sete Cidades – übersetzt Sieben Städte –schlängelt sich ein beeindruckender Wanderweg entlang
Foto: Roman Martin/dpa-tmn

Wetter ändert sich mehrmals am Tag

In der Tat kann sich das Wetter auf den Azoren mehrmals am Tag ändern. „Das berühmte Azorenhoch bleibt immer nur einen Tag bei uns, bevor es nach Europa weiterzieht“, erklärt Eduardo Castello (32), der in der Hauptsaison von Mai bis Oktober als Guide arbeitet.

Doch die vielen Niederschläge erweisen sich als Segen für die Flora. Auf der Insel wuchert alles, was in den vergangenen Jahrhunderten eingeführt wurde, egal von welchem Kontinent der Erde. Das gilt für die malayische Zehrwurz ebenso wie für die japanischen Hortensien oder den wilden Ingwer, der im Himalaya heimisch ist.

Japanische Zeder

Das milde und feuchte Klima begünstigt das Wachstum von Pflanzen wie der Japanische Zeder. An manchen Stellen fühlen sich Besucher wie in einem Urwald.
Foto: Roman Martin/dpa-tmn

Die einzige Bedrohung sind der Mensch und sein Drang zur intensiven Landwirtschaft. Vor dem EU-Beitritt wurden im großen Stil Wiesen und Wälder in Weideflächen umgewandelt, um die Milchwirtschaft zu fördern. Auch Mottas Vater sollte damals auf Druck der Behörden aus der Teefabrik einen landwirtschaftlichen Betrieb machen. Dass er standhaft blieb, hat sich als richtig erwiesen. Heute floriert das Unternehmen.

Auf dem Rundweg um die Teeplantage laufen schon am Morgen viele Touristen. Zwei Stunden braucht man, um alle Hänge zu erkunden, das Meer stets im Blick. Motta lacht: „Das macht den Leuten nichts aus, sie wissen ja, dass auf unserer Insel viel gewandert wird“.

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Anreise zu den Azoren

Azores Airlines fliegt von Frankfurt/Main und München aus nach São Miguel, Ryanair von Hahn im Hunsrück aus. TAP Air Portugal bietet täglich Flüge nach Ponta Delgada mit Zwischenstopp in Lissabon an. Die Flugzeit beträgt jeweils gut vier Stunden. Zwischen den Inseln gibt es entweder Flug- oder Fährverbindungen.

Die beste Reisezeit für die Azoren

Hauptsaison ist der Sommer, die heißesten Monate sind August und September. Für diejenigen, die die Inseln beim Wandern oder Radfahren entdecken wollen, bieten sich das Frühjahr und der Frühsommer an, wenn es kühler, aber angenehm ist.

Übernachten auf den Azoren

Die meisten Hotels bietet die Inselhauptstadt Ponta Delgada. Zu den individuelleren Alternativen zählen Landhäuser und Gutshöfe.

 

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