10. Februar 2026, 10:09 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Seit 150 Jahren ist Hart Island der Armenfriedhof New Yorks. Eigentlich sollte die abgeschottete kleine Insel vor der Bronx schon vor der Corona-Krise in einen Park verwandelt werden, doch die Pandemie warf Hart Island ins traurige Scheinwerferlicht. Jetzt sollen die Park-Pläne tatsächlich umgesetzt werden.
Hart Island lag wie vergessen vor der Bronx – eine Insel, abgeschottet vom quirligen Leben New Yorks. Kaum einer schaute hin, interessierte sich für das nicht vorhandene Treiben auf der Friedhofsinsel, die die Leichen von Obdachlosen, Armen und Menschen, die nicht identifiziert werden konnten, beherbergt. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Und die Insel wurde nicht nur um diverse Tote reicher, sondern die Bilder der Massengräber für Corona-Tote auf Hart Island gingen um die Welt. Ein trauriges Symbol.
Jetzt blickt New York erneut auf seine Toteninsel. Alte Pläne werden gerade wiederbelebt: Hart Island soll ein Park werden. Und damit nach vielen Jahren ohne Besucher, ein Ort, an dem Menschen willkommen sind, seiner Toten zu gedenken.
Hier liegt Hart Island:
Die bewegte Geschichte von Hart Island
Seit rund 150 Jahren ist Hart Island New Yorks Armenfriedhof. Zudem war die, für die Öffentlichkeit bislang weitestgehend unzugängliche, Insel schon Kriegsgefängnis – im Amerikanischen Bürgerkrieg und im Zweiten Weltkrieg, als drei deutsche Kriegsgefangene dort festgehalten wurden. Auch eine Quarantäne-Station, ein Tuberkulose-Sanatorium, ein Armenhaus und eine psychiatrische Klinik waren einst auf Hart Island untergebracht. In den vergangenen 150 Jahren wurden mehr als eine Million Tote auf der etwa 400.000 Quadratmeter großen Insel vor der Küste der Bronx begraben. Normalerweise sind es etwa 1100 Leichen pro Jahr, während der Corona-Pandemie waren es teilweise deutlich mehr.
„Für die allermeisten New Yorker existiert Hart Island gar nicht“, schrieb die „New York Times“ im Mai 2020. „Es ist aus dem Blick und aus dem Sinn, eine Nekropole in der Metropole, von den lebenden Bewohnern geografisch und psychisch abgeschottet.“ Begräbnisse dort finden ständig statt – normalerweise, vor Beginn der Corona-Pandemie, habe aber einfach niemand hingeschaut. „Hart Island war schon immer da. Das Privileg, es zu ignorieren, ist ein weiteres Vorrecht, das die derzeitige Krise zu den Akten gelegt hat.“
Besucher-Pläne für die Insel der Vergessenen
Lange war Hart Island einer der am stärksten abgeriegelten Orte New Yorks. Nur die wenigsten Angehörigen von Verstorbenen, die hier begraben wurden, konnten sie besuchen. Das soll sich jetzt ändern. Das Stigma rund um Hart Island soll bald der Vergangenheit angehören. Die Toteninsel soll ein neues Image bekommen und damit auch neue Besucher.
Schon seit einiger Zeit arbeitet das New Yorker Department of Parks & Recreation mit den Landschaftsarchitekten von Starr Whitehouse daran, Hart Island in einen lebendigen öffentlichen Park zu verwandeln – einen Ort, an dem Besucher ihre verstorbenen Freunde und Familienmitglieder dennoch in Ruhe aufsuchen können. Mitte Juli wurden die konkreten Pläne für die Umwandlung vorgestellt, wie unter anderem das US-Magazin „The Architect’s Newspaper“ berichtet.
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Was konkret geplant ist
Demnach sollen innerhalb der nächsten 20 Jahre diverse Maßnahmen umgesetzt werden, um Hart Island wieder zu einem Ort der Begegnung zu machen. Dazu zählen unter anderem:
- Anlegung eines Erinnerungswegs für Besucher, die die Grabstätten von Hart Island aufsuchen möchten.
- Errichtung eines neuen Besucherzentrums
- Ausstattung der Schiffsanlegestelle mit neuen Bäumen, Bänken und barrierefreien Rampen
- Begrünung der Insel mit Bäumen und Wiesen
- Instandsetzung bestehender Denkmäler
- Restaurierung der katholischen Kapelle aus dem 20. Jahrhundert
Angesichts der Gefährdung Hart Islands durch den steigenden Meeresspiegel soll zudem die 4,5 Kilometer lange Küstenlinie verstärkt werden. Bestehende Mauern werden durch natürliche Befestigungen, Erdwälle und Feuchtgebiets-Bepflanzungen ersetzt. Felder, Rasenflächen und Strände der Insel sollen weiterhin für alle zugänglich bleiben.
Weiterhin Begräbnisse
Auch Begräbnisse sollen weiterhin stattfinden – rund zehn Jahre gäbe es noch ausreichend Platz, um die Insel als Armenfriedhof zu nutzen, hieß es im Jahr 2023 seitens der New Yorker Stadtverwaltung. Doch nach den neuen Plänen sollen die Toten ihre letzte Ruhestätte eben künftig mit Besuchern teilen, die die Insel beispielsweise im Rahmen von Naturkursen und geführten Touren aufsuchen.
Wie schnell die Pläne für Hart Island tatsächlich umgesetzt werden können, ist allerdings noch unklar, denn laut „The Architect’s Newspaper“ fehlt es bislang noch an der nötigen Finanzierung. „Wir werden Finanzmittel für diese Verbesserungen einwerben und die Projekte umsetzen, sobald diese verfügbar sind“, zitiert das Magazin einen Sprecher des New Yorker Parks & Recreation Department.