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Interview mit Palmas Tourismuschef

Statt Party-Tourismus! Wofür Mallorca künftig stehen will

Mallorcas Hauptstadt Palma
Mallorcas Hauptstadt Palma soll Kulturhauptstadt 2031 werden Foto: Getty Images
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Anna Wengel
Freie Autorin

6. März 2026, 17:19 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Auf der bei den Deutschen so beliebten Baleareninsel Mallorca findet offenbar ein Umdenken statt. Nicht nur will die spanische Insel weg vom Massentourismus, zusätzlich hat sie sich ein hohes Ziel gesetzt: Palma soll Kulturhauptstadt Europas werden. TRAVELBOOK hat auf der Tourismusmesse ITB in Berlin spannende Einblicke erhalten und auch mit Palmas Tourismuschef Pedro Homar gesprochen.

Sonnenverbrannte, innerlich und äußerlich in Alkohol getränkte Leiber an Stränden, an denen ein Handtuch mit dem anderen kuschelt – so oder so ähnlich sehen die Hochburgen Mallorcas im Sommer aus. Ganz besonders dort, wo sich das Feiervolk bei (Verzeihung, Meinung:) schlechter Musik vergnügt, wo Atzen, Megapark und Schinkenstraße als gängige Namen im Zentrum des jährlich wiederkehrenden Mallorcaurlaubs stehen.

Natürlich ist das nur ein kleiner Teil Mallorcas. Natürlich ist Masse nicht gleich Masse. Und wenn die Baleareninsel auch jährlich wieder gern und viel besucht wird und mitunter aus allen Nähten zu platzen scheint, zieht es längst nicht nur Ballermann-Touristen hierher. Viele kommen wegen der hübschen Strände, dem seichten Inselleben, der hübschen Hauptstadt, der Kultur der malerischen Baleareninsel. Und von denen sollen mehr kommen, von den anderen dagegen etwas weniger. So oder so ähnlich zumindest der Plan der Insel, die auf Kultur statt Masse setzen und Hauptstadt Palma zur Kulturhauptstadt Europas machen will.

Deutsche reisen vermehrt in Nebensaison nach Mallorca

Die Pläne zu mehr Kultur und Nachhaltigkeit und zur Abkehr vom Massentourismus stellte die Präsidentin der Balearischen Inseln, Margarita Prohens Rigo, kurz Marga Prohens, am Dienstag (3. Februar 2026) auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin (ITB Berlin) vor. Das sogenannte „neue“ Modell sieht vor, den Tourismus insgesamt zu entzerren. Kultur biete dabei den „Transformationsmotor für das Tourismusmodell“, wie Prohens erklärt. Und das Projekt läuft offenbar bereits gut an, erklärt Prohens, 2025 zeigte ihrer Ansicht nach bereits einen Wendepunkt. Demnach sei der Druck auf die Insel in den normalerweise stark überlaufenen Sommermonaten etwas zurückgegangen. Zugleich habe es weit mehr Interesse nach Mallorcaurlauben in Zwischen- und Nebensaisons gegeben.

TRAVELBOOK sprach im Anschluss an die Pressekonferenz von Präsidentin Prohens zudem persönlich mit Pedro Homar, dem Leiter der Stiftung Fundación Turismo Palma 365. Er erklärte: „Wir haben 2012 mit der neuen touristischen Strategie begonnen. Die Idee war schon damals, Palma zu einer Ganzjahresdestination zu machen.“ Aktuell liegen laut Homar „70 Prozent der Übernachtungen in der Hochsaison“ zwischen Mai und September. Die verbleibenden 30 Prozent der Übernachtungen entfielen auf die Nebensaison, die Monate Januar bis April sowie Oktober bis Dezember. „Unser Ziel ist ein 65:35-Verhältnis. Wir hoffen, das in den nächsten drei bis fünf Jahren zu erreichen“, sagte Homar TRAVELBOOK.

Besonders deutsche Urlauber stechen in diesem Zusammenhang hervor. Laut Balearen-Präsidentin Prohens kamen zwischen November 2024 und März 2025 allein 677.622 deutsche Urlauber nach Mallorca. Das sei ein Zuwachs von 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und sogar 33,5 Prozent mehr als noch zwei Jahre zuvor. Gleichzeitig sei die Zahl der deutschen Urlauber insgesamt zurückgegangen, wie Pedro Homar im Interview mit TRAVELBOOK erzählt: „Der deutsche Markt ist um zwei Prozent zurückgegangen, 2025 im Vergleich zu 2024. Gleichzeitig liegen wir aber bei den Ausgaben um 15 Prozent höher“, sagt Homar. Er erklärt: „Mit weniger Bettennächten geben mehr Touristen mehr Geld aus als 2024. Das ist im Grunde das Modell, das wir für die Stadt Palma formen.“ 

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Balance zwischen Touristen und Einheimischen wiederfinden

Für die Präsidentin sind die Zahlen eine Bestätigung des neuen Mallorca-Kurses. Weiterhin sei es das Ziel ihrer Regierung, die „touristische Aktivität mit der Lebensqualität der Einwohner und dem Schutz des Territoriums in Einklang zu bringen“, wie sie auf der ITB erklärt. Wachstum solle dabei ausgewogen über das gesamte Jahr verteilt werden.

„2023 haben wir begonnen, einige Probleme zwischen dem Touristenandrang beziehungsweise den touristischen Ankünften und den Bewohnern zu sehen“, sagt Palmas Tourismuschef Homar im Interview mit TRAVELBOOK. Eine der Maßnahmen, die man daraufhin eingeführt habe, um das Gleichgewicht wiederzufinden, sei gewesen, die Anzahl der Betten zu begrenzen. Eine zweite sei die Beibehaltung der Obergrenze der Kreuzfahrtschiffe, die täglich ankommen: „Insgesamt drei. Wir bekommen über das gesamte Jahr hinweg kaum drei Kreuzfahrtschiffe pro Tag.“ Ausnahmen gebe es nur in der Hochsaison. Eine dritte Maßnahme sei die Gestaltung einer „Agenda von Aktivitäten, die über das ganze Jahr hinweg in Hotels, Restaurants, Geschäften und Museen stattfinden werden, die exklusiv für Einwohner sind und für diese kostenlos.“ Die Idee dahinter sei, „dass die Einwohner Räume wiederentdecken, die sie traditionell nur mit Touristen verbinden – damit sie sehen, dass es für uns als Stadt positiv ist, all diese neuen Entwicklungen zu haben, die das ganze Jahr über offen sind.“

Kulturhauptstadt 2031?

In der Entzerrung des Tourismus und dem Blick auf Nachhaltigkeit, liegt Mallorcas Fokus fortan auf der Förderung des kulturellen Lebens auf der Insel und gerade in der Hauptstadt Palma. Diese soll Kulturhauptstadt Europas 2031 werden – und sich damit einreihen in eine lange Liste von Kulturhauptstädten wie Athen, Weimar, Florenz, Dublin, Madrid und Lissabon, um nur ein paar zu nennen. Allerdings haben vermutlich auch viele geschmunzelt, als Chemnitz zur Kulturhauptstadt Europas des letzten Jahres auserkoren wurde (TRAVELBOOK berichtete). Auch hier war ein Imagewechsel ein Werk. Was also will Palma tun, um den Kulturfokus zu stärken und schließlich Kulturhauptstadt 2031 zu werden?

Mit ihrer Kampagne „Balearen – dort, wo die Kultur pulsiert“ will die Inselgruppe Tourismus und Kultur enger miteinander verknüpfen und Palma als Kulturziel außerhalb der Hochsaison etablieren, wie das „Mallorca Magazin“ schreibt. Unterstützend wirken dabei verschiedene Projekte, wie etwa die im April stattfindende Messe für zeitgenössische Kunst „Art Cologne Palma Mallorca“. 89 Galerien aus 20 Ländern sind daran beteiligt. Die Kunstmesse findet vom 9. bis 12. April im Palau de Congressos Palma Bay statt. Weitere Pläne sind laut Ballermann Radio, das sich auf Palmas Bürgermeister Martínez beruft, unter anderem die Umgestaltung der Placa Major in ein urbanes Amphitheater sowie die Errichtung eines öffentlichen Naturerholungsgebiets auf dem Landgut Son Quint.

Neben Kultur setzt Mallorca laut Prohens zudem vermehrt auf Digitalisierung und Umweltschutz. 4,6 Millionen Euro flossen laut der Präsidentin in ein Projekt namens „Digitaler Zwilling“. Durch die Unterstützung der Plattform sollen Wasserressourcen und Biodiversität künftig besser geschützt werden können. An 150 Stränden ist die entsprechende Sensorik laut Tourismusminister Jaume Bauzá bereits installiert. Auch eine App zur Echtzeitanalyse der Qualität des Meerwassers sei geplant.

Entscheidung im Dezember

Laut dem Inselradio Mallorca stellt Palma heute seine Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2031 in Madrid vor. Aus Spanien bewerben sich acht weitere Städte, darunter Las Palmas auf Gran Canaria, Granada und Toledo. Die endgültige Entscheidung, welche Städte Kulturhauptstädte Europas 2031 werden, soll im Dezember dieses Jahres fallen.

Pedro Homar zeigt sich hinsichtlich der Nominierung entspannt: „Wir wollen als Europäische Kulturhauptstadt 2031 nominiert werden. Wenn wir aber nicht nominiert werden, ist das kein Problem“, sagt er im Interview mit TRAVELBOOK und ergänzt „Unser strategischer Plan wird unabhängig davon ausgeführt. Die Nominierung zur Europäischen Kulturhauptstadt ist das Label.“ Der Kultur-Kurs bleibe dennoch gesetzt: „In den nächsten fünf bis zehn Jahren wollen wir die Kulturhauptstadt des Mittelmeers sein.“

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