8. Oktober 2026, 11:28 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Südwestlich von Sizilien liegt die Vulkaninsel Pantelleria. Vielen ist sie vielleicht noch kein Begriff, dabei hat das zu Italien gehörende Eiland einiges zu bieten. Mit heißen Quellen, zerklüfteten Küsten und geprägt von schwarzem Vulkangestein ist Pantelleria ein Ziel für alle, die mehr als nur Badeurlaub machen wollen.
Pantelleria liegt rund 60 Kilometer vor der Küste Tunesiens und etwa 100 Kilometer von Sizilien entfernt. Geologisch gesehen gehört sie also noch zum afrikanischen Kontinent. Das erklärt auch ihren Namen: Pantelleria bzw. Bint al-Riyah ist arabisch und bedeutet übersetzt „Tochter der Winde“. Und das verrät wiederum einiges über das Wetter, das auf der Insel meist herrscht. Denn über Pantelleria fegen meist starke Winde hinweg. Das prägt die Landschaft und die Bauweise der Bewohner bis heute.
Die italienische Insel ist vulkanischen Ursprungs und vor langer Zeit aus dem Meer emporgestiegen. Heiße Quellen und Fumarolen, also Stellen, an denen Dampf austritt, zeugen noch heute davon.
Heiße Quellen und Vulkangestein
Wer nach Pantelleria reist, sollte unbedingt die Grotta di Benikulà besuchen. Sie gehört zu den vulkanischen Besonderheiten der Insel. Es handelt sich um eine Höhle in einer Felsspalte, die wie eine Sauna wirkt. Im Inneren herrscht eine Temperatur von etwa 38 Grad, da aus dem Fels Wasserdampf austritt. Auf der ganzen Insel gibt es heiße Quellen, die man natürlich kostenlos nutzen kann.
Direkt am Meer befinden sich häufig in das Lavagestein geschlagene Thermalbecken mit einer Wassertemperatur von 40 bis 50 Grad. An der Cala Gadir wächst an den Beckenwänden auch noch eine spezielle Alge, die traditionell bei Erkältungen helfen soll.
Auch interessant: Auf Sizilien isst man Eis zum Frühstück
Am bekanntesten ist der Specchio di Venere, ein türkisfarbener Kratersee im Norden der Insel. Er liegt inmitten eines Naturschutzgebietes und wird von Regenwasser und unterirdischen Thermalquellen gespeist, sodass der See an einigen Stellen deutlich wärmer ist. Am Ufer findet man mineralhaltigen Schlamm, der gerne für Hautpflege genutzt wird. Der Großteil der italienischen Insel steht übrigens seit 2016 als Nationalpark unter Naturschutz.
Keine klassischen Sandstrände
Richtige Strände findet man auf Pantelleria nicht. Stattdessen ist die Küste von schwarzen Lavafelsen, Kies oder kleinen, steinigen Buchten geprägt. Einen klassischen Strandurlaub kann man dort also nicht machen. Aufs Baden muss man aber dennoch nicht verzichten. Besonders geeignet ist die Cala Levante. Dort kann man im kristallklaren Wasser baden, schnorcheln und tauchen. Noch dazu befindet sich dort das Wahrzeichen der Insel: der Felsbogen Arco dell’Elefante. Der Lavafelsen reicht ins Meer und sieht dabei aus wie ein Elefantenrüssel.
Auch die Balata dei Turchi eignet sich zum Baden. Sie liegt in einer sehr abgelegenen Felsbucht im Süden der Insel. Statt eines Sandstrandes gibt es hier eine flache Steinplatte, daher auch der Name Balata, der sich vom arabischen und sizilianischen Begriff ableitet.
Ein echtes Highlight ist auch die Cala Cinque Denti. Viele Urlauber fahren mit einem Boot an diese Bucht, um im kristallklaren Wasser zu baden. Außerdem kann man von dort aus, allerdings nur schwimmend, die Höhle Grotta della Pantofola di Cenerentola erreichen, die nur vom Meer aus zugänglich ist. Übersetzt heißt sie so viel wie „Aschenputtels Schuh“. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Öffnung der Höhle von einem bogenförmigen Felsen überragt wird. Dieser erinnert an einen Schuh.
Eine Übernachtung im Dammuso
Bewohner der Insel haben sich über die Jahre an die besondere Landschaft und Gegebenheiten angepasst. Noch heute gibt es deshalb die Dammusi. Die würfelförmigen Häuser aus dunklem Lavagestein mit gewölbtem Kuppeldach dienten früher Bauernfamilien als Unterkunft. Ein Dammuso ist dabei perfekt für das Wetter auf Pantelleria: Dicke Steinmauern halten die Hitze fern, das weiß gekalkte Kuppeldach sammelt Regenwasser.
Wer auf Pantelleria Urlaub macht, sollte wenigstens eine Nacht in solch einem Dammuso verbringen. Denn heutzutage sind viele der Bauten, die meist inmitten der Natur liegen, extra für Touristen restauriert worden. Während einige noch den simplen Charakter beibehalten haben, gibt es auch deutlich luxuriösere Varianten mit eigenem Pool.
Diese 5 Orte auf Sardinien müssen Sie besuchen
12 der schönsten Strände Italiens
Besonderer Weinanbau
Die Insel ist nicht nur von Lavagestein geprägt, sondern auch vom Weinanbau. Denn aufgrund der starken Winde hat man sich für eine besondere Art des Anbaus entschieden. Die Reben werden als „vite ad alberello“ angepflanzt, also als sehr niedrige Buschreben. Die Pflanzen werden dafür in etwa 20 Zentimeter tiefen Mulden angelegt. Darin kann sich Regenwasser sammeln, und die Rebe ist zugleich vor dem Wind geschützt.
Die Anbaumethode ist so besonders, dass sie von der UNESCO im Jahr 2014 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde.
Auf Pantelleria wird vor allem die weiße Zibibbo-Traube angebaut. Aus ihr entsteht unter anderem der bernsteinfarbene Süßwein Passito di Pantelleria. Für den Wein werden die Trauben nach der Lese in der Sonne getrocknet, sodass Zucker und Aromen noch verstärkt werden.
Anreise
Wer jetzt Lust bekommen hat, diese besondere italienische Insel einmal selbst zu besuchen, der hat verschiedene Möglichkeiten. Es gibt keine Direktflüge von Deutschland nach Pantelleria. Man kann allerdings nach Palermo, Mailand oder Rom fliegen und von dort aus dann weiter auf die Insel.
Alternativ kommt man auch mit der Fähre von Sizilien aus nach Pantelleria. Die Schiffe fahren das ganze Jahr über und je nach Anbieter braucht man zwischen 2,5 und 7 Stunden.