Mehr als Wadis, Wüste und Weihrauch

Die besten Tipps für Ihre erste Reise in den Oman

Die schöne Uferpromenade Mutrah Corniche in der Hauptstadt Maskat ist nur eines der Highlights des Oman
Die schöne Uferpromenade Mutrah Corniche in der Hauptstadt Maskat ist nur eines der Highlights des Oman
Foto: Getty Images

Golfstaaten? Da fallen uns Dubai, Katar und Abu Dhabi ein, Protz und Bauwahn, irre Wolkenkratzer, Einkaufszentren so groß wie Flughäfen, riesige Jachten. Aufregend – aber nicht orientalisch. Wer ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht erleben will, muss in den Oman reisen. Dem Emirate-Nachbarn gelingt ein Mittelweg zwischen Moderne und alter Identität. TRAVELBOOK verrät die besten Tipps für Oman-Anfänger.

Von Natascha Plankermann

Oman ist fast so groß wie Deutschland, allerdings leben dort insgesamt weniger Menschen als in Berlin oder München, nämlich rund vier Millionen. Unter ihnen: viele Expats, also sozusagen Gastarbeiter aus Indien, Bangladesh, Pakistan, aber auch aus den USA, England und Europa.

Die Omanis lassen ihr Land gern Schweiz des Nahen Ostens nennen. Dort ist es so friedlich und vielfältig, dass man bei jedem Besuch eine andere Region ins Auge fassen könnte, ohne sich zu langweilen. Besucher aus Europa werden herzlich willkommen geheißen, zumal, wenn sie aus Deutschland anreisen. Denn jeder Omani hat von „the Garmish“ gehört, war schon dort oder möchte Garmisch-Partenkirchen gerne einmal sehen. Schließlich hat Sultan Qaboos, der allseits verehrte Herrscher, dort einen seiner Wohnsitze. Umsichtig regiert er seit nunmehr 48 Jahren – und hat sein Land in die Moderne geführt.

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Die Hauptstadt Maskat – das Herz des Omans

In Maskat pulsiert das Herz Omans – so gehört es sich ja für eine Hauptstadtregion. Wie an verschiedenen Perlenschnüren sind die weitläufigen Viertel über Kilometer an zahlreichen, gut ausgebauten Highways aneinander gereiht. Sie setzen sich ohne wirkliches Zentrum zu einem Ganzen zusammen und ständig wird irgendwo gebaut – vor allem in der Umgebung des neuen Flughafens wächst Maskat immer weiter. Ständig eröffnen Hotels, zu ihnen zählt das Kempinski, neu seit Frühjahr 2018 und architektonisch an den Baustil der omanischen Forts angelehnt. Es liegt im schmucken, wenn auch sehr artifiziellen Neubauviertel Al Mouj/Die Welle – dort findet sich arabisches Bauhaus „at its best“ mit vielen Cafés und Restaurants, schicke Yachten ankern im Hafen.

Die Uferpromenade Mutrah Corniche im Abendlicht
Foto: Getty Images

Schon circa 20 Jahre alt, aber immer noch Luxus: das Grand Hyatt (in Form einer Trutzburg mit Zinnen), am weitläufigen Stadtstrand Qurum Beach gelegen. Hier kann man getrost auch mal ein Glas Wein oder Bier trinken, das tun sogar einige der Einheimischen (entgegen muslimischer Gebräuche). Asiatische Eleganz prägt „The Chedi“, es liegt stadtnah an einem Privatstrand. Das altehrwürdige Al Bustan Palace Hotel, ehemals Gästehaus des Sultans, hat im Sommer 2018 frisch renoviert eröffnet. Mit schmalerem Budget kommt man in Apartmenthotels (teils auf Großfamilien ausgelegt) und Air B’n’B-Unterkünften zurecht – zuweilen mit typisch arabischen Plüschsofas und  üppigen Samt-Portieren ausgestattet.

Tipps für Maskat

Die elegante Große Sultan-Qaboos-Moschee mit ihrer goldenen Kuppel und den sandfarbenen Minaretten zählt zu den Sehenswürdigkeiten Maskats, ebenso das majestätische, weiß leuchtende Royal Opera House (das einzige auf der arabischen Halbinsel), das Einkaufsviertel im quirligen Souq in Mutrah und die Gegend rund um den alten Sultanspalast mit den Ministerien und dem National Museum. Weil dazwischen immer eine Reihe von Kilometern liegen, empfiehlt es sich, einen Fahrer für gezielte Touren zu engagieren (kann man am Flughafen zu organisieren oder z.B. über Mark Tours.

Die prunkvolle Moschee in der Hauptstadt Maskat

Die prunkvolle Sultan-Qaboos-Moschee in der Hauptstadt Maskat
Foto: Getty Images

Wer selbst ein Auto mietet, muss mit der teils hasardeurartigen Fahrweise der Omanis zurechtkommen (dichtes Auffahren ist die Regel und die vielen Kreisverkehre mit mehreren Spuren eine Herausforderung). Forschergeist braucht man ebenfalls: Adressen mit Straße und Hausnummer sollen erst noch vergeben werden, bisher orientiert sich der Einheimische an seiner inneren Landkarte, an geographischen Koordinaten oder an dem Standort, den Google Maps anzeigen kann. Seit kurzem gibt es aber auch Hop on-Hop off Busse, mit denen Besucher günstig vorankommen (Big Bus Muscat, rund 40 Euro für Kinder und 60 Euro für Erwachsene bei Online-Buchung). Sogar einen Linienbusverkehr haben die Omanis eingerichtet, der ständig ausgebaut wird (mwasalat.om).

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Ab an die Küste!

Die Küste Omans erstreckt sich über insgesamt rund 1500 Kilometer – was heißt, dass Ausflüge in die Umgebung der Hauptstadtregion schon mal ein paar Stunden dauern können. Unterwegs gibt’s höchstens mal eine Tankstelle (auch für Toilettenstopp nutzen, die Örtchen sind nicht allerorten vorhanden). Und am besten Proviant mitnehmen, wenn man sich in Richtung der Hafenstadt Sur aufmacht. Die Autobahn wurde teils brutal durch die Flußtäler einiger Wadis (Wadi Shab und Wadi Tiwi) gezogen, in deren Süßwasserbecken man – zum Teil nach einiger Kraxelei, bitte an geeignete Turnschuhe denken– eintauchen kann.

Ein einmaliges Erlebnis: Schwimmen in einem Wadi

Ein einmaliges Erlebnis: Schwimmen in einem Wadi
Foto: Getty Images

Rund 45 Kilometer von Sur entfernt, nahe Ras al Hadd, liegt Ras Al Jinz – ein geschützter Strand, an dem 100 Jahre alte Schildkröten ihre Eier ablegen. Wenn sie sich nach der Anstrengung ins Meer zurückschleppen, werden sie nicht selten begleitet von den Kleinen, die zum gleichen Zeitpunkt schlüpfen. Dorthin gelangt man nur in einer Führung von einem kleinen Museum aus, in dem Besucher einiges über das Leben der Schildkröten und die Gefahr, die ihnen von Plastikmüll im Meer droht, erfahren. In Sur und Ras Al Hadd gibt es einige Hotels, auch eins mit feudalen Zelten (Ras Al Jinz turtle resort).

Auch im Landesinneren warten Highlights

Wer sich von Maskat aus lieber auf den Weg ins Landesinnere macht, fährt entlang der Berge des wild zerklüfteten Hajar-Gebirges. Zu deren schwindelnden Höhen (bis zu 3000 Metern) und tief eingeschnittenen Canyons dürfen allerdings nur Autos mit Vierrad-Antrieb fahren. Die kann man mitsamt einem Fahrer im Örtchen Birkat Al Mauz auch mieten – und sich zu hoch gelegenen Luxushotels (Anantara / Alila Al Jabal Al Akhdar) ins Jabal Akhdar-Gebirge bringen lassen. Der höchste Gipfel, Jabal Shams, erreicht 3000 Meter.

Ein Ausflugsziel, das viele Touristentouren inzwischen fest im Programm haben, ist der Viehmarkt in der Provinzhauptstadt Nizwa –  der alte Handelsplatz liegt rund 180 Kilometer von Maskat entfernt und wird von einer mächtigen, sehenswerten Festung beherrscht. Jeden Freitag feilschen die Händler hier ab Morgengrauen lautstark und unter den Augen der vielen Zaungäste um Ziegen oder Schafe. Dafür führen sie die angepriesenen Tiere auf dem Auktionsplatz im Kreis.

Händler bieten in Nizwa ihre Ware feil

Händler bieten in Nizwa ihre Ware feil
Foto: Getty Images

Der benachbarte Souq ist in Teilen renoviert und aufgeteilt, Datteln, Gemüse und Fleisch finden sich dort, aber auch die fein ziselierten, handgearbeiteten Silber-Ohrringe und Ketten sowie getöpferte Weihrauch-Räuchergefäße. In Nizwa sollte man das Fort mit seinem kleinen Museum besichtigen – dort lernt man viel darüber, wie früher hinter den dicken Mauern mit ihren stolzen Zinnen gelebt wurde.

Überhaupt – diese Forts. Sie wurden zur Verteidigung gegen portugiesische Belagerer gebaut und durchziehen das gesamte Land. Sehenswert, weil bombastisch, ist zum Beispiel Bahla Fort. Und im fast intimen, bestens restaurierten Fort Na’am nimmt Mr. Ibrahim die Gäste mit auf eine Reise in die längst vergangene Zeiten, in der die Bewohner der Festung von Datteln lebten und dank der uralten Wassergräben, Falaj, sogar fließendes Wasser im Bad hatten.

Die Bahla-Festung in Djebel Akhdar

Die Bahla-Festung in Djebel Akhdar
Foto: Getty Images

Traumstrände in Salalah am Indischen Ozean

In die Region Dhofar will der Oman mehr und mehr Reisende schleusen. Dort, im äußersten Süden Omans und kurz vor der Grenze Jemens, plant der Staat gigantische Hotels und einen kompletten Neubau des Souqs der Provinzhauptstadt Salalah. Die Gegend wird in Deutschland zuweilen als die „Karibik des Mittleren Ostens“ beworben.

Doch die palmengesäumten, feinen Sandstrände am Indischen Ozean, an denen jetzt schon Luxushotels wie das Al Baleed Resort by Anantara liegen, sind bei Weitem nicht alles, was eine Reise nach Dhofar lohnend macht: Die Gegend ist berühmt für den besten Weihrauch, der hier aus der Rinde der Bäume gewonnen wird. Die ausgegrabenen Ruinen des antiken Hafens Al Baleed zeugen davon, dass das wohlriechende Harz von dort aus in alle Welt verschifft wurde – in einem kleinen Museum am Eingang zu den Ausgrabungen erfahren Besucher mehr darüber.

Strand in Salalah, Oman

Weißer Sand, Palmen: Die Strände im Süden des Oman sind traumhaft
Foto: Angelika Pickardt

Im Sommer verwandelt sich die Gegend in die grüne Lunge Arabiens. Denn die Berge Dhofars bringen die Wolken dazu, dort hängenzubleiben, Nebel und Regen zu verbreiten. Eine Attraktion für die arabischen Gäste der Umgebung, die dieses feuchte Klima als Gegensatz zur Hitze ihrer Heimatländer suchen und die Hotels überfluten. Nichts für sonnenhungrige Europäer… die bleiben dann lieber in ihren Breiten.

Fjorde im „Norwegen Arabiens“

Omans Grenzen sind seltsam unterbrochen: Auf dem Weg nach Norden kommt man plötzlich ins Emirat Fujairah, dahinter beginnt dann Musandam, der äußerste nördliche Zipfel Omans an der Straße von Hormuz. Die Gegend wird auch das Norwegen Arabiens genannt – wegen ihrer Fjorde, die sich in hohe Bergketten hineingraben. Wer dort mit einer Dhow (traditionelles hölzernes Schiff) cruisen oder in den Bergen klettern will, sollte ab Maskat in die Provinzstadt Khasab fliegen. Dhow-Kreuzfahrten nach Musandam starten auch von Dubai aus.

Oman, Musandam

Mit traditionellen Holzbooten kann man sich über die Gewässer im Nordosten des Oman schippern lassen
Foto: Getty Images

Ab in die Wüste!

Die „Hauswüste“ des Landes heißt Wahiba Sand. Wer dort mal wie ein Beduine übernachten möchte, fährt nach Al Wasil am Rande der Dünen und fragt nach dem Team des Nomadic Desert Camp. Es ist das einzige noch von Beduinen organisierte Wüstencamp – mit traditionellen Hütten aus Palmenblättern und Palmenholz und romantischer Petroleum-Beleuchtung. Und selbstverständlich mit Wasser für eine erfrischende Dusche unter freiem Himmel. Nach dem Sonnenuntergang auf einer Düne gibt es eine Runde Kaffee im heißen Sand nebst köstlichen Feigen – dann lässt man den Tag unter funkelndem Sternenhimmel am Lagerfeuer ausklingen.

Die spannendsten Orte des Oman im Überblick:

Weitere wichtige Informationen zum Oman

Die beste Reisezeit

Ausgeprägte Jahreszeiten kennen die Omanis nicht: dort gibt es nur den Sommer, in dem die Quecksilbersäule bis auf 50 Grad klettern kann, und den Winter mit gemäßigten Temperaturen von um die 25 bis 30 Grad. Ende Oktober schwenkt die Witterung auf diese gut erträglichen Werte – dann beginnt auch die beste Reisezeit, die etwa Anfang April mit steigenden Temperaturen endet.

Vorsicht, wenn es mal regnet: Das Wasser läuft nicht über Kanäle ab, sondern kann sich in Wadis und tiefer liegenden Straßen plötzlich zur Flutwelle entwickeln, die selbst Autos mit sich reißt. Regentage sind dennoch vor allem Freudentage für alle, die in dem trockenen Land leben. Alle Palmen und die verstaubten, strauchartigen Bäumchen bekommen auch nach einem kleinen Schauer sofort einen frischen, grünen Schimmer.

 

E-Visum und Anreise

Vor der Reise nach Oman beantragt man seit kurzem ein e-Visum, circa 25 Euro kostet es für alle, die sich 30 Tage aufhalten wollen. Internationale Gäste landen entweder auf dem im Frühjahr 2018 eröffneten (und im November feierlich eingeweihten) Flughafen der Hauptstadt Maskat oder im Süden in Salalah, dem knapp zwei Jahre alte alten Flughafen der Provinz Dhofar. Die Flugzeit ab Deutschland beträgt nur etwa 7 Stunden, weshalb sich das Land perfekt eignet, um dem kalten deutschen Winter zu entfliehen.

Welches Visum brauche ich für eine Oman-Reise?

Kleiderregeln

Für alle, die als Gäste im Land unterwegs sind, gilt: Lange Hosen oder Röcke tragen, Knie und Schultern bitte bedecken. In der Moschee müssen Frauen zudem die Haare mit einem Tuch verhüllen. Zwar würden Omanis aus Höflichkeit nichts sagen, wenn sie Touristen in Shorts und mit Spaghettiträgertops herumspazieren sehen – doch sie empfinden dies als stillos und verstehen nicht, weshalb sich Europäer nicht angemessen kleiden. In der Hotelanlage sind kurze Klamotten und Badekleidung dagegen in Ordnung – im Restaurant allerdings nicht.

Omanische Männer tragen die Dishdasha, ein langes Gewand mit einem Quast, der in intensiv duftendes Parfum getaucht wird, dazu die kumma – eine Art Käppchen, handverziert mit Mustern, die es nicht zwei Mal gibt. Die Frauen werfen über ihre farbigen, glitzernden Kleider meist noch die schwarze Abaya (Überkleid mit Schal), die aber vielfach edel verbrämt ist. So trifft man Ehepaare und Familien – beispielsweise im Souq von Matrah, in dem Omanis den Weihrauchduft für Zuhause und riesige Töpfe fürs nächste Familienmahl kaufen. Dort freut man sich über zurückhaltende Touristen, die nicht lautstark in Gruppen umherpoltern und gern natürlich auch mal einen Kashmirschal kaufen sollten. Ob der allerdings echt ist, sollte man lieber überprüfen.